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Sargents Liste ökonomischer Einsichten erweitert
Handel gereicht zu beiderseitigem Vorteil

Vier Jahre bevor Thomas Sargent den Nobelpreis für Ökonomie gewann, hielt er 2007 eine Rede vor Absolventen der Universität Berkeley, die in den letzten Wochen im Internet die Runde gemacht hat. Sargents Rede zeichnet sich durch ihre Kürze aus und fasst 12 wirtschaftswissenschaftliche Lektionen zusammen. Eine der wuchtigsten Lektionen der Wirtschaftswissenschaften fehlt jedoch auf Sargents Liste: Handel ist ein Positivsummenspiel und gereicht somit allen Beteiligten zum Vorteil.

Reden im Rahmen von Abschlussfeiern an Universitäten bieten den an Erfahrung reichen und erfolgreichen Rednern häufig eine Gelegenheit, jungen Menschen Ratschläge für ihr Leben außerhalb der Universität zu geben. Sargent folgte 2007 diesem Muster. Allerdings hielt er sich als Ökonom eng an das von seiner Disziplin vorgegebene Ratschlägeskript, ohne allerdings darauf verzichten zu können, selbst eine Auswahl unter den bereitgehaltenen Lektionen zu treffen.

Knappheit und Trade-offs

Sargent hat sich dafür entschieden, Lektionen hervorzuheben, die auf der Einsicht basieren, dass wir angesichts knapper Ressourcen zwischen Alternativen entscheiden müssen und nicht alles haben können. Ökonomen streben jedoch nicht nur nach einem besseren Verständnis der Entscheidungen einzelner Individuen oder Einheiten wie Firmen, Regierungen und Zentralbanken, sondern auch deren Interaktion. Diesbezüglich ist einer der maßgeblichen Erkenntnisse der Ökonomie, dass an einem Handel Beteiligte erwarten, ihre Situation durch eben jenen Handel zu verbessern. Sonst würden sie sich nicht auf ihn einlassen.

Sargents Berkeley Rede: 12 Lektionen

Die 12 von Sargent genannten Lektionen aus dem Englischen übersetzt:

1.
Viele Dinge, die wünschenswert sind, sind nicht erreichbar.

2.
Individuen und Gesellschaften sehen sich Zielkonflikten ausgesetzt.

3.
Andere Menschen haben mehr Informationen über ihre Fähigkeiten, Anstrengungen und Präferenzen als Sie.

4.
Alle Menschen reagieren auf Anreize, auch jene, denen Sie helfen wollen. Deshalb funktionieren soziale Sicherungssysteme nicht immer wie gewünscht.

5.
Es gibt Zielkonflikte zwischen Gleichheit und Effizienz.

6.
Im Gleichgewicht eines Spiels oder einer Volkswirtschaft sind Menschen mit ihren Entscheidungen zufrieden. Wohl oder übel ist es deshalb für Außenstehende schwierig, Dinge zu verändern.

7.
In der Zukunft werden auch Sie auf Anreize reagieren. Deshalb gibt es einige Versprechen, die sie machen wollen, aber nicht können. Niemand wird Ihnen diese Versprechen abnehmen, weil sie wissen, dass es später nicht in Ihrem Interesse sein wird, sie einzuhalten. Die Lektion hier ist: Bevor Sie ein Versprechen machen, überlegen Sie sich, ob Sie das Versprechen werden halten wollen, wenn sich Ihre Umstände ändern. So bauen Sie eine Reputation auf.

8.
Regierungen und Wähler reagieren ebenfalls auf Anreize. Deshalb halten Regierungen manchmal Zahlungs- und andere Versprechen, die sie gegeben haben, nicht.

9.
Es ist einer Generation möglich, Kosten auf folgende Generationen abzuwälzen. Das geschieht durch Staatsschulden der Bundesregierung und das Sozialversicherungssystem der USA (aber nicht das Sozialversicherungssystem Singapurs).

10.
Die Bürger zahlen, wenn die Regierung Ausgaben tätigt, entweder heute oder morgen und entweder mittels expliziter Steuern oder impliziter Steuern wie Inflation.

11.
Die meisten Menschen wollen, dass andere Menschen für öffentliche Güter und Transfers bezahlen (insbesondere Transfers an sich selbst).

12.
Weil Marktpreise die Information von Händlern aggregieren, ist es schwierig, Aktienkurse, Zinssätze und Wechselkurse vorauszusagen.

Die von Sargent angeführten Lektionen verdeutlichen, warum wir schnell an unsere Grenzen stoßen, wenn wir Anstrengungen unternehmen, die soziale Welt nach unseren Idealvorstellungen zu gestalten.

Sargents Liste erweitert um Handel

Um Sargents Liste zu einer vollständigeren Einführung in die Erkenntnisse der Wirtschaftswissenschaften zu machen, sollte sie mindestens um die folgende Lektion ergänzt werden:

„Handel gereicht zu beiderseitigem Vorteil. Einem Handel zustimmende Individuen erwarten, von der Transaktion zu profitieren. Alle Beteiligten Individuen können sich besser stellen, weil Handel ein Positivsummenspiel ist. Käufe und Verkäufe sind keine Akte der Umverteilung, bei denen mindestens einer zu Gunsten anderer schlechter gestellt wird.“

Anders als Sargents 12 Lektionen gibt die hinzugefügte Lektion der Liste eine positive Note. Anstatt Knappheiten oder Restriktionen zu betonen, stellt sie die Möglichkeit in den Vordergrund, unsere Lebenssituation durch freiwillige Interaktionen zu verbessern.

Ökonomie als Wissenschaft vom Handel

Die Punkte auf Sargents Liste weisen uns auf unsere Grenzen hin und stärken das Bild der Ökonomie als Wissenschaft von individuellen Entscheidungen. Der zugefügte Punkt verdeutlicht jedoch, dass die Ökonomie auch die Wissenschaft vom Handel ist.

Wer die Ökonomie primär als Wissenschaft vom Handel wahrnimmt, ist weiterhin an einem besseren Verständnis der Entscheidungen einzelner interessiert, aber rückt insbesondere die von Menschen für ihre Interaktionen genutzten Regeln in den Mittelpunkt seines Interesses.

Private Eigentumsrechte und private Eigentumspflichten

Vorbedingung für einen Tausch von Gütern und Dienstleistungen zwischen Individuen ist, dass die privaten Eigentumsrechte an denselben klar und sicher sind. Unsicherheiten bezüglich der bestehenden privaten Eigentumsrechte beispielsweise durch Eingriffe des Staates oder Übergriffe durch andere Privatmenschen stehen Transaktionen - und Investitionen - im Wege. Denn jeder Tausch von Gütern und Dienstleistungen ist ein Tausch der Eigentumsrechte oder der Verfügungsrechte an einer Sache. Je unsicherer diese sind, desto schwieriger ist es, einen Tausch zu vollziehen und desto weniger attraktiv sind Investitionen in die Sache, weil auch die Früchte der Investition von der Sicherheit der Eigentumsrechte abhängen.

Mit privaten Eigentumsrechten müssen jedoch auch Pflichten einhergehen, um Handelsvorteile vollständig zu erschließen. Nur wenn Menschen für eigene Verluste haften, die durch Transaktionen zustande gekommen sind, die sich im Nachhinein als nachteilig erwiesen haben, wird ihr Anreiz, Risiken auf sich zu nehmen, effektiv begrenzt. Solange die Regel lautet, dass Individuen Gewinne aus ihren Tauschgeschäften einbehalten können und Verluste tragen müssen, werden knappe Ressourcen nicht ausschließlich ihren riskantesten Verwendungen zugeführt.

Keine Utopien, aber Leben lebenswerter durch Interaktion

Einerseits sind die Erkenntnisse der Wirtschaftswissenschaft ernüchternd, weil sie menschliche Utopien in die Schranken weisen. Andererseits sind die Erkenntnisse verheißungsvoll, weil sie auf die Möglichkeiten der Menschen hinweisen, durch vom Preismechanismus koordinierte Interaktionen ihr Leben trotz der Knappheit von Ressourcen gemeinsam lebenswerter zu gestalten.

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