Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von ,

Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern: Rheinland-Pfalz auch 2014 Spitze
Deutsche vs. griechische Steuerhinterzieher

2014 hatten es deutsche Bürger, die es in den vergangenen Jahren mit der Einkommensteuer nicht so genau nahmen, eilig, sich bei den Finanzbehörden selbst anzuzeigen. Zeigten sich 2013 noch knapp 27.000 Steuerhinterzieher selbst an, waren es 2014 knapp 39.000. Absolut zeigten sich 2014 wieder in Baden-Württemberg am meisten Menschen selbst an. Die Selbstanzeigerate pro Steuerpflichtigen war allerdings abermals in Rheinland-Pfalz am höchsten. Die Nähe zu Luxemburg mag hier eine Rolle spielen.

Die Reaktion der Steuerhinterzieher in Deutschland im Vergleich zu Steuerhinterziehern in Griechenland ist aufschlussreich. Während Steuerhinterzieher in Deutschland anscheinend die nachträgliche Durchsetzung des Steuerrechts durch den Staat fürchten, scheinen Steuerhinterzieher in Griechenland von den Ankündigungen der eigenen Regierung nicht beeindruckt zu sein. Von einer Welle von Selbstanzeigen in Griechenland war in den vergangenen Jahren nichts zu vernehmen.

Anzahl der Selbstanzeigen 2014: Plus 45%

In den vergangenen Jahren trugen intensive Diskussion über die Beibehaltung der strafbefreienden Selbstanzeige - der "Fall Hoeneß", der Ankauf sogenannter "Steuer-CDs" durch Finanzbehörden und zuletzt die Herabsetzung der Grenze, bis zu der eine Steuerhinterziehung ohne Zahlung eines zusätzlichen Geldbetrags bei einer Selbstanzeige straffrei bleibt (ab Januar 2015 von 50.000 Euro auf 25.000 Euro) - zu einem rasanten Anstieg der Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern bei.

2014 kam es mit knapp 39.000 Selbstanzeigen in Deutschland insgesamt zu mehr als viermal so vielen Selbstanzeigen wie noch 2012.

Selbstanzeigen in den Ländern: Absolut liegt Baden-Württemberg vorn

In den meisten Ländern kam es im Jahre 2014 im Vergleich zu 2013 zu einem Anstieg der Anzahl an Selbstanzeigen. Die meisten Steuerhinterzieher zeigten sich, wie schon 2013, auch 2014 in Baden-Württemberg selbst an. Es waren etwas über 9.000. Wie im Vorjahr waren es mit 29 am wenigsten in Mecklenburg-Vorpommern.

Pro Steuerzahler: Rheinland-Pfalz ist Spitze

Es ist wenig überraschend, dass die drei bevölkerungsreichsten Länder auch die meisten Selbstanzeigen zu verzeichnen haben. Interessanter ist ein Blick auf die Selbstanzeigen pro Einkommensteuerpflichtigen. In dieser Rangliste liegt Rheinland-Pfalz ganz vorn, gefolgt von Baden-Württemberg und dem Saarland, das absolut, aufgrund seiner Größe, nicht allzu viele Selbstanzeigen zu verzeichnen hatte. Die bevölkerungsreichen Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern sind nicht mehr unter den ersten drei zu finden.

Eine Selbstanzeigerquote von 0,32% suggeriert, dass sich 2014 etwa jeder 310. rheinland-pfälzische Steuerpflichtige selbst anzeigte.

Selbstanzeigen bei Einkünften über 100.000 Euro: Das Saarland holt auf

Vermutlich war es in der Vergangenheit vornehmlich für Bezieher relativ hoher Einkommen attraktiv, Steuervergehen zu begehen, die nachträglich durch "Steuer-CDs" aufgedeckt werden könnten. In Rheinland-Pfalz könnte es schlicht relativ viele einkommensstarke Steuerpflichtige geben, die für die hohe Selbstanzeigerquote sorgen. Ein Blick auf das Verhältnis von Selbstanzeigen zu Steuerpflichtigen mit Einkünften über 100.000 Euro pro Jahr offenbart jedoch, dass eine große Anzahl gut verdienender Personen in Rheinland-Pfalz die hohe Quote der Selbstanzeiger nicht erklärt.

Rheinland-Pfalz liegt auch dann bei der Selbstanzeigerquote vorn, wenn nur Personen mit Einkünften von über 100.000 Euro berücksichtigt werden. Interessant ist, dass das Saarland in dieser Rangliste auf dem zweiten Platz liegt.

Die Rolle naher Steueroasen

Es ist nicht sonderlich wahrscheinlich, dass zufällig die beiden Bundesländer, die direkt an Luxemburg grenzen, die höchsten Selbstanzeigerquoten aufweisen. Wahrscheinlicher ist es, dass die räumliche Nähe zu Luxemburg es den Steuerpflichtigen im Saarland und in Rheinland-Pfalz relativ leicht machte, Steuern gerade auf die Weise zu hinterziehen, die durch die Information auf von Finanzbehörden erworbenen "Steuer-CDs" nachträglich aufgedeckt werden könnte.

Deutsche vs. griechische Steuerhinterzieher

Der Vergleich des Verhaltens von Steuerhinterziehern in Deutschland und Griechenland in den vergangenen Jahren lässt Rückschlüsse auf die institutionellen Verhältnisse in den beiden Staaten zu. In Deutschland schätzen offenbar viele Steuerhinterzieher die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat seine Rechtsmittel zu ihrem Nachteil wird nutzen können, relativ hoch ein. Deshalb entscheiden sich verhältnismäßig viele für die Selbstanzeige. In Griechenland hingegen scheinen Steuerhinterzieher die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat sie zur Rechenschaft wird ziehen können, sehr niedrig einzuschätzen. Deshalb waren Selbstanzeigen in Griechenland in den vergangenen Jahren kein sonderlich häufig zu beobachtendes Phänomen.

Das Beispiel der Steuerhinterziehung und der nichterfolgenden Selbstanzeigen in Griechenland - obwohl der griechische Staat seit Jahren versucht, hinterzogene Steuern einzutreiben - führt vor Augen, dass sich Griechenland in einem relativ schlechten Gleichgewicht befindet. Deutschland andererseits befindet sich in einem relativ attraktiven Gleichgewicht. Auch hierzulande kommt es zu übertriebenen Eingriffen des Staates und Korruption im öffentlichen Sektor. Dennoch haben auch Steuerhinterzieher, die sich in der Vergangenheit über die Regeln des Einkommensteuerrechts hinwegsetzten, berechtigtes Vertrauen in die Fähigkeit des deutschen Staates, Regeln durchzusetzen. Das scheint in Griechenland derzeit nicht der Fall zu sein.

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Für eine verbrauchsorientierte Besteuerung

Veranstaltung: Steuer-Perspektiven am 29. November in Berlin gemeinsam mit Prometheus


Steuersenkung: Die Zeit ist reif

Call for research proposals



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

Kommentar (1)

Steuerhinterziehen auch ohne hohes Einkommen

13. März 2015, 13:28 von Detlef Dechant

Es braucht kein hohes Einkommen, um Steuern zu hinterziehen. Dies erklärt dann auch die Diskrepanz zwischen der Quote von Selbstanzeigen und dem Einkommen über 100.000 Euro. So wird in Deutschland immer mehr vererbt. Und da kann so mancher brave Bürger dabeisein, der plötzlich zu einer Geldanlage in Luxemburg oder der Schweiz kommt. Nun lässt er diese weiterlaufen, jährlich kommen Zinsen und/oder Dividenden hinzu. Die Geldanlage wächst, man kümmert sich nicht darum und wird plötzlich darauf aufmerksam, dass diese Zuwächse doch steuerlich relevant sind. Was tun? Da bleibt irgendwann nur die Selbstanzeige, um reinen Tisch zu machen.

- Antwort -

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.