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Selbstanzeigen von Steuersündern: Rheinland-Pfalz vorn
Bundesländer im Vergleich

Selbstanzeigen von Steuerhinterziehungen sind von 2012 auf 2013 in allen Bundesländern deutlich gestiegen. 2013 waren es in Baden-Württemberg absolut am meisten. Aber in welchen Bundesländern zeigen sich relativ zur Anzahl Einkommensteuerpflichtiger die meisten Steuersünder selbst an? Die Antwort lautet mit großem Abstand: Rheinland-Pfalz. Die Nähe zu Luxemburg mag eine Rolle spielen.

200% mehr Selbstanzeigen 2013 als 2012

Insbesondere seit dem "Fall Hoeneß" diskutiert Deutschland über Steuerhinterziehung. Die intensivere Diskussion über die Aufrechterhaltung einer strafbefreienden Selbstanzeige und der wiederholte Ankauf so genannter "Steuer-CDs" durch Finanzbehörden haben in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg der Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern geführt. Von 2012 auf 2013 stieg die Anzahl der Selbstanzeigen bundesweit um 200%, von 8.600 im Jahre 2012 auf 26.600 im Jahre 2013.

In welchen Bundesländern zeigen die meisten Steuersünder Reue? 2013, wie auch schon 2012, wurden in Baden-Württemberg mehr Selbstanzeigen registriert als in allen anderen Bundesländern, 6.292. In Nordrhein-Westfalen waren es 4.509 und in Bayern 3.973.

Selbstanzeigen je Steuerpflichtigen

Dass sich diese drei Bundesländer an der Spitze wiederfinden, ist nicht überraschend. Es handelt sich gerade um die drei bevölkerungsstärksten Länder. Um zu beurteilen, wie sehr sich die Debatte über Steuerhinterziehung auf das Verhalten von Steuerzahlern in verschiedenen Bundesländern ausgewirkt hat, müssen wir die Anzahl der Einkommensteuerpflichtigen in den jeweiligen Ländern mit in Betracht ziehen.

Die jüngsten Daten des Bundesamts für Statistik zur Anzahl von Einkommensteuerpflichtigen verschiedener Einkommensklassen auf Ebene der Bundesländer stammen aus dem Jahr 2009. Wir nutzen diese Daten, um die Anzahl von Selbstanzeigen pro Bundesland ins Verhältnis zu der Anzahl Einkommensteuerpflichtiger pro Bundesland zu setzen.

Rheinland-Pfalz verdrängt Baden-Württemberg in dieser Rangliste vom ersten Platz. Eine Quote von 0,25% suggeriert, dass sich jeder 400. Einkommensteuerpflichtige 2013 in Rheinland-Pfalz selbst angezeigt hat - unter der realistischen Annahme, dass sich die Zahl der Einkommensteuerpflichtigen in Rheinland-Pfalz seit 2009 nicht maßgeblich geändert hat.

Auf den weiteren Plätzen folgen Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Hamburg. Die bevölkerungsstarken Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen wurden vom Podium verdrängt.

Anzeigen je Steuerpflichtigen mit Einkünften über 100.000 €

Zu der Art von Steuervergehen, die in den vergangenen Jahren Schlagzeilen gemacht haben - Kapitaleinkünfte im Ausland - scheinen insbesondere Menschen mit relativ hohen Einkommen Zugang zu haben. Es ist möglich, dass die hohe Quote für Rheinland-Pfalz zu beobachten ist, weil dort relativ viele Menschen hohe Einkommen beziehen. Im nächsten Schritt haben wir deshalb die Anzahl der Selbstanzeigen ins Verhältnis gesetzt zu der Zahl der Einkommensteuerpflichtigen pro Bundesland mit Gesamteinkünften über 100.000 € pro Jahr.

Auf den ersten beiden Plätzen kommt es dadurch zu keiner Veränderung. In Rheinland-Pfalz belief sich die Anzahl der Selbstanzeigen 2013 auf 5,3 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen mit Gesamteinkünften über 100.000 €. Hessen wird aus den Spitzenrängen verdrängt und das Saarland springt von Platz 8 auf Rang 4.

"Steueroasen" als Nachbarländer: Mehr Steuerhinterziehung?

Wie lassen sich diese Unterschiede zwischen den Bundesländern erklären? Damit es zu Selbstanzeigen kommen kann, müssen in der Vergangenheit Steuern hinterzogen worden sein. Steuerhinterziehung mag in unterschiedlichen Bundesländern stärker verbreitet sein als in anderen. Zudem mag von Bundesland zu Bundesland die Form der Steuerhinterziehung variieren.

Wenn die räumliche Nähe zu so genannten "Steuerparadiesen" die Steuerhinterziehung erleichtert - und zwar gerade die Art von Steuerhinterziehung, die seit dem Ankauf von "Steuer-CDs" und dem "Fall Hoeneß" in Deutschland diskutiert wird - mögen die Nähe von Baden-Württemberg zur Schweiz und die Nähe vom Saarland und insbesondere von Rheinland-Pfalz zu Luxemburg in dieser Hinsicht eine Rolle spielen. Zur Erinnerung:

Neue Länder: Ehrlicher oder weniger Gelegenheiten?

Die Quote der Selbstanzeigen ist in den Neuen Ländern deutlich niedriger als in allen Alten Ländern. Es gibt keine guten Gründe, zu glauben, dass Menschen in den Neuen Ländern steuerehrlicher sind oder Steuersünder in den neuen Ländern sich weniger vor den Finanzbehörden fürchten. Wahrscheinlicher ist es, dass in den Neuen Ländern von einkommenstarken Menschen weniger Steuern hinterzogen wurden - zumindest auf die Art, die durch Steuer-CDs und andere Kooperationen mit Banken und Behörden im Ausland aufgedeckt werden könnten. Der Grund dafür mag zum einen die größere Entfernung zu Ländern wie der Schweiz und Luxemburg sein. Zum anderen mögen Netzwerke, die für komplexe Formen der Steuerhinterziehung notwendig sind, weniger stark ausgeprägt sein, denn ehemalige Bürger der DDR konnten diese erst nach 1990 aufbauen.

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