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“Selbstbesicherung”: Nach Bari nun MPS und Unicredit?

Nachdem die italienische Banco Popolare di Bari ihre regulatorische Kapitalquote mittels einer fragwürdigen „Selbstbesicherung“ fauler Kredite aufgewertet hat, melden weitere Banken ähnliche Pläne an. Die Basel-Anforderungen an den Kapitalpuffer werden so formal eingehalten, die Banken dekapitalisieren sich aber faktisch. Statt die Zombiebanken künstlich zu beatmen, sollte die italienische Regierung die Geldinstitute schließen.

Bari-Bank: „Selbstbesicherung“ am Markt vorbei

Wie die nachstehende Grafik verdeutlicht, handelt es sich bei der durch die Banco Popolare di Bari vorgenommenen Transaktion faktisch um eine Selbstbesicherung. 94% der durch die eigens zu diesem Zwecke gegründete Investmentgesellschaft zu zahlenden Ankaufsumme von 148,2 Millionen Euro, also 139 Millionen Euro, werden durch die Bank selbst finanziert – mittels Krediten, der Bereitstellung von Cash und des Kaufs des erstrangigen Wertpapiers. Nur eine Tranche nachgeordneter Wertpapiere – 14 Millionen Euro, oder 10% der Ankaufsumme – wird zu Marktbedingungen gehandelt. Es findet praktisch keine Risikoverlagerung statt. Bari selbst hat einen ersten Verlustpuffer in Höhe von 5,4% der Ankaufsumme bereitgestellt.

Wie kommt es, das die Krisenbank Bari solch einen Aufwand betreibt, nur um magere 14 Millionen Euro am Markt einzusammeln? Offiziell ist das Ziel, die Schaffung eines Sekundärmarkts für italienische ausfallgefährdete Kredite. Doch wenn tatsächlich Bedarf für einen solchen Markt besteht, weshalb verkauft Bari die entsprechenden Papiere nicht direkt auf dem Markt? Welchen Zweck hat die „Besicherung“? Das primäre Ziel der Aktion ist es anscheinend, die ausfallgefährdeten Kredite aus der Bilanz der Bank zu schieben – und zwar derart, dass dabei zugleich die regulatorische Kapitalquote der Bank steigt. PriceWaterhouseCoopers hatte zuletzt erklärt, dass die besagten Kredite nach der IFRS-Rechnungslegung „entkonsolidiert“, also aus der Bankenbilanz gestrichen werden sollten.

Regulatorischer Kapitalpuffer wird minimiert

Die Basel-Anforderungen an die risikogewichtete Eigenmittelquote motivierten die Bank zu dem ungewöhnlichen Vorgang:

Unter der Annahme einer geforderten Mindestkapitalquote von 12% in Italien, und gegeben, dass die ausfallgefährdeten Kredite wahrscheinlich mit einem Risikogewicht von 100% eingestuft worden wären, hätte Bari vor der Besicherung eine Kapitalausstattung von 12% * 148,2 Millionen = 17,8 Millionen Euro aufweisen müssen.

Doch dank der Besicherung besitzt Bari nun eine Forderung in Form einer durch den italienischen Staat garantierte Anleihe, die nach den Basel-Regeln als risikolos klassifiziert wird. Die Bank musste einen kleinen Kredit an die Investmentgesellschaft bereitstellen – dafür sind vielleicht 0,5 Millionen Euro einer nicht durch den italienischen Staat garantierten Forderung zu veranschlagen. In Konsequenz kann Bari über 97% des vor der Besicherung für die ausfallgefährdeten Kredite vorzuhaltenen Kapitals frei verfügen.

Bundesbank hält an Rekapitalisierung fest

Das ist eine Entkapitalisierung, keine Rekapitalisierung. Der Bundesbank, die sehr auf die offizielle Basel-Linie und die Rekapitalisierung der Banken pocht, wird der Vorgang nicht gefallen. Andreas Dombret, Mitglied im Vorstand der Bundesbank, erklärte am 27. Oktober:

„Die Nachwirkungen der Finanzkrise und Aufräumarbeiten belasten alle beteiligten Parteien weiterhin. Europäische Banken haben ihre Kapitalausstattung seitdem aufgebessert und weisen eine Kapitalquote von über 15% auf. Vor der Krise, im Frühjahr 2008, lag diese Quote 6 Prozentpunkte niedriger. Auch wenn das neue Regulierungsumfeld langsam zu wirken beginnt, stehen uns weiterhin schwierige Zeiten bevor. Dazu ist anzumerken: Das sind keine schlechte Nachrichten. Diese Schwierigkeiten waren zu erwarten. Sie sind Teil der notwendigen Aufräumarbeiten.“

Doch die “Selbstbesicherung” Baris verdeutlicht, wie bedeutungslos die erhöhten Eigenkapitalkennzahlen der Basel-Regulierung tatsächlich sind.

MPS plant ebenfalls „Selbtsbesicherung“

Mit der Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) plant nun eine weitere italienische Bank eine ganz ähnliche Transaktion: 28 Milliarden Euro an faulen Krediten sollen zu 33% des Nennwerts “verkauft” werden. Die Transaktion ist Teil des neuen Geschäftsplans, der unter anderem auch Filialschließungen, Overheadkosten-Reduzierungen und die Digitalisierung unprofitabler Geschäftsbereiche vorsieht. Interessanterweise erwartet die MPS bezüglich der ausfallgefährdeten Kredite eine Erholungsquote von 8,5% - mehr als das Doppelte der vormals projektierten 3%; der Grund dürfte die veränderte Erwartungshaltung der Rating-Agenturen nach der Bari-Transaktion sein.

Der Geschäftsplan erläutert ohne Umschweife, wie die Kreditbesicherung die regulatorische Eigenkapitalquote erhöhen soll. Doch die Investoren bleiben skeptisch. Über die letzte Oktoberwoche zeigte sich der Aktienkurs der MPS volatil. Nach einem 23%-Sturz innerhalb eines Tages wurde der Handel gar ausgesetzt. Heute liegt der Kurs 75% unter dem zu Jahresbeginn. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Unicredit und andere Banken folgen werden.

Politik unterstützt Besicherungstricks

Wir halten die Prognosen der Rating-Agenturen für zu optimistisch. Italiens BIP ist seit 2007 um 10% gefallen und schätzungsweise 20% der Industriekapazität sind verloren gegangen. Für das krisengeplagte Land wäre es besser, die gescheiterten Banken zu schließen, statt deren Scheinbesicherungsgeschäfte zu unterstützen.

Die EZB wird weiterhin versuchen, sowohl die italienische als auch die deutsche Regierung zufrieden zu stellen – ein schwieriger Balanceakt. Eine Ironie der Geschichte: Italienische Behörden beschuldigen die Deutsche Bank, die Bilanzfälschung der MPS 2008 maßgeblich unterstützt zu haben, wofür eine weitere große Strafgebühr fällig werden dürfte. Wir erwarten, dass beide Regierungen die weitere Entwicklung der deutsch-italienischen Bankenkrise genauestens beobachten und für den Fall eines weiteren Vertrauensverlusts der EZB nationale Notfallpläne entwickeln werden.

Bild: Stefano Costantini/ flickr.com

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