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Sozialismus wirkt: Natürliches Experiment durch Teilung und Wende

Der Tod Fidel Castros im vergangenen November ließ die Diskussion über alternative Gesellschaftsordnungen aufleben. Wie Wirtschaft und Politik organisiert sind, wirkt sich auf Vorlieben, Einstellungen und das Verhalten von Menschen aus. Die Teilung und anschließende Wiedervereinigung Deutschlands bieten eine Möglichkeit, die Wirkungen einer sozialistischen Diktatur mit einer marktwirtschaftlich organisierten Demokratie zu vergleichen. Der Sozialismus schneidet dabei nicht gut ab. Die Ergebnisse empirischer Forschung lassen den Schluss zu, dass Menschen mit einer DDR-Sozialisierung zwar eine höhere Steuermoral aufweisen, aber weniger solidarisch, misstrauischer und unehrlicher sind. Die heute vorliegenden Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Sozialismus nicht nur einen relativ ineffizienten Einsatz von Ressourcen und ein autoritäres politisches System mit sich bringt, sondern Menschen weniger kooperativ macht.

Kooperation und Wettbewerb: Marktwirtschaft vs. Sozialismus

Obwohl im Rahmen einer Marktwirtschaft der Wettbewerb zwischen Individuen mithilfe des Preismechanismus lediglich Mittel zum Zweck der Zusammenführung der attraktivsten Kooperationspartner ist, wird die Marktwirtschaft häufig wahrgenommen als eine gesellschaftliche Organisationsform, die Menschen kompetitiver und weniger kooperativ macht. Der Sozialismus, in dem es keine privaten Eigentumsrechte an Produktionsmitteln gibt, wird hingegen noch immer häufig als eine kooperationsfördernde Gesellschaftsordnung wahrgenommen, obwohl auch in einer sozialistisch organisierten Gesellschaft Menschen um knappe Ressourcen konkurrieren, aber eben nicht mithilfe des Preismechanismus.

Natürliches Experiment: Teilung und Wiedervereinigung

Die Geschichte Deutschlands hält ein natürliches Experiment bereit, das erlaubt, die Wirkungen eines real gelebten Sozialismus mit den Wirkungen einer real gelebten Marktwirtschaft zu vergleichen. Seit dem Mauerfall entwickelte sich so eine kleine, aber stetig wachsende Literatur, die die Teilung und anschließende Wiedervereinigung nutzt, um Unterschiede zwischen Menschen in Ost- und Westdeutschland zu untersuchen. Bisheriger Kenntnisstand: Der Sozialismus hat keine besseren Menschen geformt - ganz im Gegenteil. Die Ergebnisse sprechen für eine stärkere Ausbildung wünschenswerter menschlicher Eigenschaften unter dem marktwirtschaftlichen System Westdeutschlands.

DDR-Sozialisierte: Stärker pro Staatseingriffe und steuerehrlicher...

Wenig überraschend zeigen die Ergebnisse des vermutlich bekanntesten Papiers dieser Literatur mit dem prägnanten Titel "Good-Bye Lenin (or Not?)", dass vor dem Mauerfall in Ostdeutschland geborene Personen Eingriffe des Staates stärker befürworten als in Westdeutschland Geborene. Dieser Effekt ist umso größer, je länger jemand durch die DDR geprägt wurde. Gemäß der Ergebnisse eines weiteren Papieres schätzen in den östlichen Bundesländern Lebende die Ungleichheit der Einkommensverteilung höher ein und sehen es eher als Aufgabe des Staates an, eine gleichere Einkommensverteilung herbeizuführen.

Etwas überraschender gaben laut Ergebnissen, basierend auf Antworten auf Fragen des World Value Survey von 1990 und 1997, Menschen in Ostdeutschland häufiger an, dass es nicht gerechtfertigt ist Steuern zu hinterziehen. Diese Ergebnisse werden auch von einer Studie, basierend auf mehreren Datenquellen über einen längeren Zeitraum, bestätigt, wobei die Unterschiede zwischen Ost und West maßgeblich getrieben werden, von denen, die nach dem Mauerfall Ostdeutschland nicht verließen.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass im Vergleich zu Personen mit BRD-Sozialisierung Menschen mit DDR-Sozialisierung staatlichen Aktivitäten gegenüber positiver eingestellt sind und zumindest in Befragungen häufiger angeben, bereit zu sein, zu der Finanzierung seiner Aktivitäten beizutragen.

... aber weniger kooperativ, weniger solidarisch, ...

Ergebnisse experimenteller Forschung mit Studenten aus den 1990er und 2000er Jahren weisen deutlich darauf hin, dass sich Personen mit DDR-Sozialisierung eigennütziger verhalten. In Experimenten mit einander unbekannten Teilnehmern im Jahre 1995 waren Ostdeutsche weniger geneigt, sich zufällig ausgewählten Verlierern gegenüber mit Hilfe von Geschenken solidarisch zu zeigen und Investitionen in einen gemeinsamen Vermögenswert zu tätigen, der umso wertvoller wird, je mehr Menschen einen Beitrag leisten.

Neuere experimentelle Ergebnisse aus dem Jahre 2009 deuten darauf hin, dass in Ostdeutschland sozialisierte Personen auch 20 Jahre nach dem Mauerfall eigennütziger handeln, wenn sie die Wahl haben, sich zufälligen Verlierern eines Experiments gegenüber durch Geschenke solidarisch zu verhalten.

... misstrauischer und ...

Ergebnisse, basierend auf Surveydaten aus den 2000er Jahren, offenbaren, dass Personen, die in der DDR lebten, von anderen Menschen weniger häufig erwarten, sich kooperativ und fair zu verhalten. Es ist deshalb nicht überraschend, dass Menschen mit DDR-Sozialisierung anderen Menschen gegenüber misstrauischer sind und somit weniger Vertrauen in andere haben.

Ein weiteres Papier bestätigt, dass in der DDR Geborene in den 1990er und 2000er Jahren angaben, weniger Vertrauen in andere Menschen zu haben, aber auch staatlichen Organisationen weniger Vertrauen entgegen zu bringen.

... unehrlicher.

Forscher gaben 2013 Berlinern, die ihren neuen Personalausweis bei Bürgerämtern abholten, die Möglichkeit, an einem Würfelspiel teilzunehmen. Besonders an dem Spiel war, dass die Teilnehmer die Ergebnisse ihres Würfelns selbst berichteten und so Einfluss nehmen konnten auf den von ihnen gewonnen Geldbetrag. Gemäß der Ergebnisse wichen die von Personen mit ostdeutschem Familienhintergrund gemachten Angaben deutlicher zu ihrem Vorteil ab als im Falle von Personen mit westdeutschem Familienhintergrund. Dabei neigten Personen umso mehr zu unehrlichen Angaben, je länger sie in der DDR gelebt hatten.

Sozialismus wirkt, aber nicht wie propagiert

Reale Ausprägungen von Sozialismus und Marktwirtschaft entsprechen niemals erstbesten Ausprägungsformen der beiden Gesellschaftsordnungen. In der Realität lassen sich nur n-beste Formen des Sozialismus und n-beste Formen der Marktwirtschaft finden. Für zumindest einige Ökonomen wenig überraschend, führt die Geschichte der Menschheit eindrücklich vor Augen, dass reale Ausprägungen des Sozialismus stets nicht nur wirtschaftlich ineffizient sind, sondern mit autoritären politischen Systemen einhergehen, die die individuellen Freiheiten ihrer Bürger massiv beschneiden. Martkwirtschaftliche Wirtschaftsordnungen hingegen erweisen sich als kompatibel mit demokratischen politischen Ordnungen, die gemeinsam ein Leben in Freiheit und Reichtum ermöglichen.

Die durch die zeitweise Teilung Deutschlands gewonnenen Erkenntnisse lassen zudem den Schluss zu, dass der real-gelebte Sozialismus Menschen nicht zu besseren Menschen macht - ganz im Gegenteil. Personen mit sozialistischer Sozialisierung wünschen sich mehr Staatseingriffe, obwohl sie staatlichen Organisationen weniger vertrauen, aber dennoch eher angeben, Steuerehrlichkeit als wünschenswert zu betrachten. In Bezug auf individuelle Eigenschaften spricht die Literatur eine klare Sprache: In der DDR sozialisierte Personen sind weniger solidarisch, weniger kooperativ, misstrauischer und unehrlicher. Der Versuch, Menschen zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen, hinterlässt bis heute seine Spuren. Ein Grund mehr, stets gegen eine Wiederholung des Versuchs einzustehen - in Deutschland und anderswo.

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