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TOP 5 der am stärksten besteuerten Güter

In Deutschland belastet Verbraucher ein relativ hoher Strompreis. Grund dafür ist nicht zuletzt die starke Belastung durch Steuern und Abgaben, die erstaunlicherweise für die Stromproduktion aus Kohle niedriger ist als für die aus Erdgas. Nicht nur dort scheint dem deutschen Fiskus der Energieträger wichtig zu sein: So ist die Steuerlast für Benzin höher als die für weniger umweltfreundlichen Diesel. Aufgrund der recht hohen absoluten Steueruntergrenze fiel der Preisrückgang der beiden Kraftstoffarten dieses Jahr verhalten aus, obwohl der Ölpreis seit Jahresbeginn um fast die Hälfte gesunken ist. Die kuriose Besteuerung der beiden Güter Strom und Benzin ist kein Einzelfall. Auch Zigaretten, hochprozentiger Alkohol und Kaffee werden mit außergewöhnlich hohen Steuern belegt, die zum Teil bemerkenswerte Eigenschaften aufweisen und Geringverdiener tendenziell stärker treffen.

Platz 5: Kaffeesteuer — Ursprünge reichen ins Jahr 1781 zurück

1781 führte Friedrich II das preußische Kaffeemonopol ein. Es verschwand 1787, die Kaffeesteuer blieb bis heute. Immerhin 2,19 € pro kg Röstkaffee erhebt der Staat an Kaffeesteuer. Für eine 500 g Packung Röstkaffee zu einem Preis von 5 € entfallen demnach knapp 1,10 € Kaffeesteuer. Hinzu kommt die Umsatzsteuer von etwa 32,5 ct. Vom Preis einer 500 g Packung Röstkaffee gehen also 1,42 € an den Staat. Gut 28 % des Verkaufspreises fließen als Steuer an den Fiskus.

Es kann kaum Aufgabe des Staates sein, Menschen zu weniger Kaffeekonsum zu bewegen. Eher das fiskalische Motiv scheint der Grund zu sein, dass die Steuer noch erhoben wird, bescherte sie dem deutschen Fiskus 2014 doch Einnahmen von gut 1 Milliarde Euro.

Platz 4: Über die Hälfte des Strompreises fließen an den Staat

Auch Strom wird hoch besteuert. Die größte Abgabe an den Staat besteht in Form der EEG-Umlage, die 6,17 ct pro kWh beträgt. Zusätzlich müssen die Energieversorger eine Stromsteuer in Höhe von 2,05 ct pro kWh entrichten und Konzessionsabgaben an die Gemeinden zahlen, um die öffentlichen Wege zur Versorgung der Endverbraucher nutzen zu können. Letztere betragen im Durchschnitt 1,66 ct pro kWh. Insgesamt fallen auf eine Kilowattstunde Strom 14,93 ct Steuern und Abgaben an — inklusive Umlagen für die Kraft-Wärme-Kopplung, die Offshorewindenergie sowie abschaltbare Lasten und der Umsatzsteuer.

Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 28,81 ct pro kWh werden demnach 51,8% des Strompreises staatlich verursacht. Nicht betrachtet sind hier die Steuern auf die Energieerzeugung, die kurioserweise für Kohlekraftwerke niedriger als für vermeintlich umweltfreundlichere Gaskraftwerke ausfallen - 0,12 ct pro kWh im Fall von Kohle und 0,55 ct pro kWh im Fall von Gas.

Platz 3: Branntweinsteuer — Schwester eines Reliktes

Um die klammen Kassen des Reiches aufzufüllen, erhob Kaiser Wilhelm II im Juli 1918 ein Monopol auf die Produktion und den Vertrieb von Branntwein. Bis heute regelt das Branntweinmonopolgesetz, dass Alkohol im Regelfall mit 13,03 € pro Liter reinen Alkohols besteuert wird. Besonders ins Gewicht fällt demnach die Steuer bei hochprozentigem Alkohol: So entfallen auf eine 0,75l Flasche Wodka Gorbatschow (37,5 % Alkoholanteil) 3,66 € Branntweinsteuer. Bei einem üblichen Verkaufspreis von 8 € je Flasche wird zusätzlich Umsatzsteuer in Höhe von 1,28 € fällig. Über 60 % des Verkaufspreises fließen folglich an den Staat.

Neben der Besteuerung regelt das Gesetz, dass Klein- und Obstbrenner steuerlich begünstigt werden und ihnen Alkohol zu einem festen Preis abgekauft wird. Der Bundeszuschuss zum Branntweinmonopol beträgt derzeit 80 Millionen Euro jährlich. Auf Druck der EU-Kommission findet 2017 das Branntweinmonopol sein Ende. Die Steuer auf Alkohol wird dadurch nicht abgeschafft. Sie wird in Zukunft auf Grundlage eines neuen Alkoholsteuergesetzes erhoben.

Platz 2: Benzin — Eine Steuer auf eine Steuer

Zwar können sich Autofahrer aufgrund des momentan geringen Ölpreises über recht niedrige Benzinpreise freuen, dennoch liegt Deutschland beim Preis für einen Liter Super in Europa im oberen Drittel. Ausschlaggebend für den hohen Benzinpreis ist nicht zuletzt die Energiesteuer (ehemals Mineralölsteuer), die zum Beispielfür einen Liter Superbenzin 65,4 ct beträgt. Für den weniger umweltfreundlichen Diesel fallen nur 47 ct pro Liter an – womöglich eine implizite Subvention des professionellen Straßengüter- und -personenverkehrs, in dessen Motoren vor allem Diesel verbrannt wird.

Kurios ist, dass die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 % nicht nur auf den Produktpreis, sondern auch auf die Energiesteuer anfällt. Die Energiesteuer ist Teil der Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer. Das ist außergewöhnlich. Energiesteuer, Umsatzsteuer und Beitrag zum Erdölbevorratungsverband summieren sich zu einem Steuermindestbetrag je Liter von 78,2 ct auf. Wird ein Verbraucherpreis von 1,27 € pro Liter Superbenzin unterstellt, beträgt der Steuerbetrag insgesamt 86 ct oder 68 % vom Preis für die Konsumenten.

Platz 1: Tabaksteuer auf Zigaretten

Die Tabaksteuer ist nach der Energiesteuer (z.B. auf Benzin) die ertragreichste Verbrauchssteuer für den Bundeshaushalt. 2014 bescherte sie dem Bund Einnahmen von 14,3 Milliarden Euro. Zudem sind Zigaretten das am stärksten besteuerte Gut für Verbraucher. Die Tabaksteuer besteht aus einer Mengensteuer von 9,82 ct pro Zigarette und einem steuerlichen Anteil des Verkaufspreises. Für eine Schachtel Zigaretten mit 19 Zigaretten und einem Preis von 5 € macht sie 2,95 € aus. Wird die Mehrwertsteuer in Höhe von 0,80 € hinzuaddiert, ergibt dies insgesamt einen Steuerbetrag von 3,75 € oder 75 % des Verkaufspreises von 5 Euro.

Aufgrund der Mengensteuer kann die steuerliche Belastung für eine Schachtel Discounterzigaretten, die bei gleichem Verkaufspreis mehr Zigaretten enthalten, bis zu 90% des Verkaufspreises entsprechen. In den letzten Jahren wurde die Tabaksteuer beständig erhöht, möglicherweise um die Steuereinnahmen trotz sinkender Raucherzahlen stabil zu halten.

Proportionale Verbrauchssteuern belasten vor allem Ärmere

Etwa 78% der deutschen Staatseinnahmen stammen aus proportionalen Steuern. Proportionalität bei Verbrauchssteuern bedeutet, dass der Steuersatz nicht mit der konsumierten Menge steigt. Proportionale Verbrauchssteuern neigen jedoch dazu, Menschen mit niedrigeren Einkommen stärker zu belasten, da sie im Vergleich zu Beziehern höherer Einkommen einen größeren Anteil ihres Einkommens auf heutigen Konsum verwenden. Es ist deshalb äußerst fraglich, ob das Ziel der Konsumlenkung durch hohe Steuersätze auf Güter wie Benzin, Kaffee, Zigaretten, Energie und Alkohol mit verteilungspolitischen Zielen vereinbar ist.

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