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Unternehmensinsolvenzen und die EZB

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist 2015 erneut gesunken. Weniger waren es zuletzt 1995. Für einzelne Unternehmer mag dies erfreulich sein. Dennoch könnte der stetige Rückgang der Insolvenzfälle auf gesamtwirtschaftliche Fehlentwicklungen hindeuten. Möglicherweise werden zu wenige bestehende Unternehmen von neu in den Markt eintretenden Unternehmen verdrängt. Ist das der Fall, sind zu viele Ressourcen an alte Geschäftsideen gebunden und können deshalb nicht für die Umsetzung neuer Ideen eingesetzt werden. Eine Ursache für zu wenige Insolvenzen könnten die niedrigen Finanzierungskosten etablierter Unternehmen sein, die von dem seit Jahren niedrigen Zinsniveau profitieren.

Zahl der Unternehmensinsolvenzen weiter im Sinkflug

Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen: Mit 23.123 Insolvenzen von Unternehmen wurde 2015 erneut ein Tiefststand erreicht. Damit hält der Trend sinkender Insolvenzen an. Bereits in den Vorjahren wurden jeweils niedrigere Stände an Unternehmensinsolvenzen festgestellt. Die letztjährige Marke näherte sich nun der von
1995 an, als mit 22.344 ähnlich wenige Insolvenzen zu verzeichnen waren.

Seit dem Jahr 2003 sind die Unternehmensinsolvenzen jährlich gesunken. 2003 erreichten sie mit 39.320 einen historischen Höchststand. Im Jahr 2007 waren es nur noch 29.160. Der fallende Trend wurde nur in den Krisenjahren von 2008 (29.291) und 2009 (32.687) unterbrochen, in denen wieder mehr Insolvenzen angemeldet wurden. Anschließend fiel die Anzahl jährlicher Unternehmensinsolvenzen bis heute jedoch deutlich. Anzeichen für eine Umkehr dieses Trends scheint es bisher nicht zu geben.

Produktivitätsfördernder Prozess des Scheiterns

Eine stetig sinkende Anzahl an Unternehmensinsolvenzen kann trügerisch sein. Für Anteilseigner, Angestellte und auch Kunden bietet das Scheitern einzelner Unternehmen keinen Anlass zur Freude. Insbesondere Anteilseigner und Angestellte insolventer Unternehmen leiden darunter, dass ihre Pläne sich nicht verwirklichen ließen. Die übrigen Mitglieder der Gesellschaft teilen das Leid jedoch nicht. Mit ihren Kauf- und Nicht-Kaufentscheidungen teilen sie den an insolventen Unternehmen Beteiligten gerade indirekt mit, dass sie die im Rahmen der insolventen Unternehmen vorgenommene Ressourcenverwendung weniger wertschätzen als die konkurrierender Unternehmen.

Als Mitglieder marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften profitieren wir davon, dass Unternehmer beim Versuch der Neuverteilung von Ressourcen scheitern. Im Prozess von Versuch und Irrtum werden verschwenderische Verwendungen von Ressourcen eliminiert. Die Mitglieder der Gesellschaft lernen aus ihrem Scheitern und dem anderer und setzen so tendenziell Ressourcen stets produktiver ein.

Maßnahmen, die den Prozess von Versuch und Irrtum ins Stocken bringen sind unerwünscht, weil dadurch Ressourcen an ineffiziente Verwendungen gebunden bleiben. Die Ökonomen Vernon L. Smith und Steven Gjerstad wenden sich in einem Papier beispielsweise gegen eine expansive Fiskalpolitik als Reaktion auf durch fallende Preise von Vermögenswerten herbeigeführte Krisen. Sie sprechen sich vielmehr gegen Bailouts und für ausgeglichene öffentliche Haushalte aus, um über Insolvenzen von notleidenden Unternehmen einen reinigenden Prozess zu ermöglichen und Ressourcen dort zum Einsatz kommen zu lassen, wo sie am produktivsten sind.

Niedrige Zinsen, weniger Insolvenzen?

Niedrige Finanzierungskosten können ähnliche Effekte haben wie eine expansive Fiskalpolitik, indem sie dazu beitragen, den Marktaustritt relativ erfolgloser Unternehmen zu verzögern oder ganz zu verhindern. Seit kurzem erwirbt die Europäische Zentralbank im Rahmen ihres Asset-Ankaufprogramms auch Unternehmensanleihen. Dadurch verringert sie nur allzu offensichtlich die Finanzierungskosten von vor allem großen Unternehmen. Seit 2008 senkte die EZB ihren Leitzins jedoch bereits stufenweise von 4,25% auf das historische Tief von 0,0% und kaufte seit März 2015 in einem Umfang von zunächst 60 Milliarden Euro monatlich Staatsanleihen an. So trug sie dazu bei, dass das Zinsniveau für die öffentliche Hand, Haushalte und auch kleine und mittlere Unternehmen seit Jahren niedrig ist.

Insolvenzen: Weniger ist nicht immer besser

Unterdrücken niedrige Zinsen heute Insolvenzen, könnte die Anzahl an Insolvenzen in der Zukunft sprunghaft steigen, wenn durch einen Anstieg der Zinsen missgewirtschaftete Unternehmen mit Verzögerung das eindeutige Signal übermittelt bekommen, dass sie Ressourcen nicht profitabel einsetzen. Dann würde ein schmerzhafter Prozess einer zeitlich gehäuften Umverteilung von Ressourcen beginnen. Darunter würden die Eigentümer von physischem Kapital leiden, die Verluste realisieren müssten. Ebenso leiden würden die Arbeitnehmer insolventer Unternehmen als Eigentümer von Humankapital. Sie hätten es schwer, attraktive neue Aufgaben zu finden, wenn auch viele andere Anbieter von Arbeitsleistungen auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen sind.

Während Zentralbanken gut beraten sein mögen, in einer Krise solventen Finanzunternehmen kurzfristig zu günstigen Konditionen Liquidität bereitzustellen, mag eine über Jahre währende Absenkung der Finanzierungskosten zur Folge haben , dass zu wenige Unternehmen das Zeitliche segnen.

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