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Vergrößert die EZB die Gefahren des Grexit?
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Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIS) übt erneut heftige Kritik an der expansiven Gelpolitik einiger Notenbanken. Mit ihrer Niedrigzinspolitik haben sich die Zentralbanken in eine Sackgasse manövriert und befinden sich in einem Teufelskreis: Immer neue Zinssenkungen werden nötig, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Außerdem verringern ihre Anleihekaufprogramme die Liquidität auf den Anleihemärkten und steigern damit das Risiko einer neuen Finanzkrise.

Ultralockere Geldpolitik gefährdet Europas Finanzmärkte...

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIS) übt heftige Kritik an den Zentralbanken der Industrieländer. Sie hätten die Zinsen für eine "außergewöhnlich lange" Zeit zu niedrig gehalten und damit ein "unausgewogenes" Wirtschaftswachstum gefördert, begleitet von "zu hohen" Schulden und Risiken im Finanzsystem.

Zum wiederholten Male (wir berichteten im Juli 2014) argumentieren die Autoren des Jahresberichts, Claudio Borio und Jaime Caruana, dass sich die Zentralbanken mit diesen Krisenmaßnahmen in eine Sackgasse manövriert haben. Durch ihre Niedrigzinspolitik hätten sich die Zentralbanken jeglichen Spielraum für zusätzlichen Zinssenkungen genommen, sollte es zu einer erneuten Krise kommen.

Damit hat sich die Geldpolitik nicht nur selbst die Hände gebunden, sondern befindet sich in einem handfesten Teufelskreis: Expansive Geldpolitik führt zu Vermögenspreisblasen, deren platzen dann wiederrum eine noch lockere Geldpolitik erfordert. Trotz der weitverbreiteten Deflationsängste sind denn auch die Immobilienpreise europaweit im Steigen begriffen, zwischen 3% und 5% allein 2014. Großbritannien und Schweden nehmen dabei mit Preissteigerungen von 10% die Spitzenplätze ein, während die Immobilienpreise in Griechenland zuletzt um 4% gesunken sind.

...trocknet die Anleihemärkte aus...

Über die Kritik der BIS an niedrigen Zinsen wurde bereits viel berichtet. Weniger bekannt hingegen ist die Warnung der BIS vor einem Austrocknen Anleihemärkte. Wie die BIS in ihrem Jahresbericht analysiert, wird der Anleihemarkt in den USA nicht mehr wie früher von Banken dominiert, sondern von großen Vermögensverwaltern. Die 20 größten Vermögensverwalter halten 40% der Vermögenswerte auf diesem Markt. Wie wir bereits berichteten, ist dadurch die Liquidität dieser Märkte deutlich gesunken: Wurden vor dem Rückzug der Banken aus diesem markt noch 20% aller Assets regelmäßig gehandelt, sind es heute nur noch 5%. Die BIS sieht Anzeichen dafür, dass die Liquidität vor allem dann abnimmt, wenn Vermögensverwalter sie am meisten benötigen, nämlich wenn Anleger ihre Mittel abziehen.

Diese Dynamik ist keineswegs auf die USA beschränkt: die Bank von Japan und die EZB kaufen derzeit im Monat Anleihen im Wert von 120 Milliarden Dollar. Natürlich werden die Ankäufe mit frischem Zentralbankgeld getätigt, aber das so neugeschaffene Geld tendiert dazu, wieder zurück in die Bilanzen der Zentralbanken zu fließen, wie die Stagnation der Nettokreditvergabe der Geschäftsbanken besonders in Europa zeigt.

...und erhöht die Gefahren eines Grexit

Die Niedrigzinspolitik der letzten Jahre hat also nicht nur Vermögenspreisblasen geschaffen, sondern trotz (oder wegen) der massiven Anleihekäufe die Liquidität der Anleihemärkte reduziert. Dies mag erklären, warum eine kleine Volkswirtschaft wie die Griechenlands wieder in den Mittelpunkt der europäischen Politik gerückt ist. In einem illiquiden und weltweit vernetzten Markt kann selbst ein kleiner Zwischenfall große Ansteckungseffekte auslösen. Während die Pattsituation zwischen Griechenland und seinen Gläubigern weiterhin andauert, dominiert in den europäischen Medien die Sichtweise, dass Griechenland in großen Schwierigkeiten ist, sofern es nicht einen neuen Deal gibt, Griechenland im Euro bleibt und die griechischen Banken wieder öffnen können, denn das europäische Finanzsystem ist auf dem Wege der Besserung. Aber ist es das wirklich?


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