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Verliert die EZB ihre Glaubwürdigkeit?

Nach dem Rückgang der Aktienkurse von Banken Anfang Februar erholen sich diese wieder. Zwar sind das gute Nachrichten für die EZB. Doch die Glaubwürdigkeit der Zentralbank wird zunehmend in Frage gestellt, auch von OECD-Ökonom William White und Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Zweifel an der Wirksamkeit einer weiteren geldpolitischen Lockerung machen sich breit.

Märkte erholen sich nach Februar-Tief

Nachdem im Januar die Angst vor einer neuen Bankenkrise um sich griff, verbesserten sich die Aussichten im letzten Monat. Am 7. März stand der STOXX Europe 600 Bankenindex 17% über seinem Wert vom 11. Februar, als die enttäuschenden Ergebnisse der französischen Société Générale sowie Sorgen über die Performance schweizerischer und italienischer Banken zu einem Allzeittief beitrugen.

Die Kurserholung mag durch die Deutsche Bank befeuert worden sein, die ihre Investoren beruhigte, indem sie anbot, vorrangig unbesicherte Anleihen im Wert von 5 Mrd. Euro zurück zu kaufen. Die Anleger reichten schließlich nur Anleihen im Wert von 3 Mrd. Euro ein – ein Hinweis darauf, dass Sorgen um die Solvenz der Bank übertrieben waren. Der Aktienkurs der Deutschen Bank erholte sich vom Januar-Tief bei 13 € und stieg Anfang März auf 18 € – ein starker Aufschwung, wenngleich der Kurs immer noch 45% unter dem 52-Wochen-Hoch von 33 € liegt.

EZB öffnet den Geldhahn noch weiter

Zwischen dem Börsentief vom 11. Februar und dem 7. März stiegen die europäischen und US-amerikanischen Indizes um 12 bzw. 7%. Wie kam diese allgemeine Markterholung zustande? Eine Interpretation ist, dass die Angst vor einer neuen Rezession zurückging. Eine andere ist, dass der Anstieg des Ölpreises um ein Drittel (von 26 auf 34 US-Dollar) seit Januar verantwortlich sei. Eine dritte Erklärung ist in einer Veränderung des Tons der Federal Reserve Bank und der Europäischen Zentralbank zu suchen, die durch die Finanzmarktteilnehmer möglicherweise als Zeichen einer weiteren geldpolitischen Lockerung gewertet wurden.

Die EZB enttäuschte diese Erwartungen nicht. Am 10. März verkündete sie nicht nur eine weitere Zinssenkung (auf 0% für Kredite der EZB an Geschäftsbanken und -0,4% für Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB), sondern auch ein neues Kreditprogramm: Banken können zukünftig langfristige Kredite zu Zinsen aufnehmen, die so niedrig wie der Zins auf ihre Einlagen bei der EZB sein können – in anderen Worten: Die EZB könnte Banken dafür bezahlen, Kredite aufzunehmen. Darüber hinaus wird das Volumen des Asset-Aufkaufprogramms um einen Drittel aufgestockt. Entgegen ursprünglicher Beteuerungen werden auch Unternehmensanleihen in das Aufkaufprogramm aufgenommen. So ist die EZB in der Lage, die Aufkäufe entsprechend der Kapitalbeteiligungen der 19 EZB-Mitgliedsnotenbanken vorzunehmen, also mit einem stärkeren Fokus auf deutsche Unternehmensanleihen.

Die größte Herausforderung für die EZB liegt derzeit allerdings darin begründet, dass ihre Glaubwürdigkeit von drei einflussreichen Gruppierungen zunehmend in Frage gestellt wird: Supranationalen Organisationen, der Bundesbank und privater Investoren.

OECD: Lage ernster als 2007

Der Vorsitzende des Wirtschafts- und Entwicklungskomitees der OECD und frühere Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), William White, gab im Februar in einer Rede zu Protokoll, dass die globalen Schuldenberge heute eine größere Gefahr für die Weltwirtschaft darstellten als 2007. Mit Nachdruck wies er darauf hin, dass er die konventionelle Zentralbankpolitik für nicht mehr effektiv halte.

Für White kann nur breitflächige Entschuldung das Risiko einer neuen Finanzkrise mindern. Zwar haben die Privathaushalte in der Vergangenheit Schulden abgebaut, aber laut White wurde diese Entlastung durch die steigende Verschuldung von Unternehmen und Staaten mehr als aufgewogen. Diese Entwicklung bereitet ihm Sorgen:

“Die Lage ist heute ernster als 2007, als das Schuldenproblem im Wesentlichen auf die entwickelten Marktwirtschaften begrenzt war […]. Seitdem sind die Schuldenquoten in den Schwellenländern, insbesondere im Privatsektor, explodiert. Heute stehen wir daher vor einer globalen Herausforderung, während man 2007 noch von einem regional begrenzten Problem der entwickelten Länder hätte sprechen können. Aber jetzt treten die Probleme überall zu Tage, daher, ja, ich denke, dass die Lage heute ernster ist als damals […].“

Auf die Frage hin, ob sein Rat Einfluss auf die wichtigen Zentralbanken wie die EZB haben wird, entgegnete White: “Letztendlich wird die lockere Geldpolitik scheitern […]. Das ist heute meine Ansicht […]. Leider reden wir – die BIZ und ich selbst – immer noch gegen eine Wand an.”

Die BIZ unterstrich Whites Analyse. Im jüngsten Vierteljahresbericht stellt sie fest, dass die weltweit ausstehenden gesamten Schulden im vierten Quartal 2015 um 47 Mrd. US-Dollar gesunken sind – ein so starker Abschwung wurde zuletzt im krisengeplagten Jahr 2012 beobachtet. Der Großteil dieser Entwicklung wird durch die Finanzmärkte getrieben, was darauf hindeutet, dass deren Unterstützung durch die Zentralbanken in den vergangenen Jahren wenig genützt hat.

Bundesbank warnt vor Vertrauensverlust

Bundesbankpräsident Jens Weidmann sparte schon früher nicht mit Kritik an der EZB. Im Februar veröffentlichte er einen 22 Seiten langen Bericht, in dem er den Plan der EZB, die 500 Euro-Note abzuschaffen, geißelt – ein ungewöhnlich aggressiver Schritt für einen Zentralbankpräsidenten. Die offizielle Begründung für die Abschaffungspläne lautet, dass die 500 Euro-Note hauptsächlich durch Kriminelle und Steuerhinterzieher genutzt wird. Weidmann argumentiert, dass die Abschaffung das Vertrauen in die Zentralbanken untergraben könnte.

“Wenn wir den Bürgern erklären, dass einige der Banknoten, die sie halten, nicht gültig sind, dann wird das Auswirkungen auf ihr Vertrauen in uns haben.“ In einem Interview Ende Februar stellte Weidmann außerdem die Effektivität weiterer geldpolitischer Maßnahmen der EZB in Frage. Es sei zu riskant, die Langzeitrisiken einer schon jetzt hochgradig auf die Unterstützung maroder Banken hinauslaufende Politik zu ignorieren.

Billiges Geld kein Allheilmittel

Bill Gross, früherer Vorsitzender der Investmentgesellschaft PIMCO und heute Partner bei Janus Capital, warnte davor, die Wirtschaft in das „schwarze Loch negativer Zinssätze“ fallen zu lassen. Ein solches Szenario sei gefährlich, da das Geschäftsmodell der Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds von einer jährlichen Rendite von 7 bis 8 % abhängig sei. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos Anfang des Jahres meldete sich Paul Singer, Vorsitzender des 26 Mrd. US-Dollar schweren Fonds Elliott Management, zu Wort. Er befürchtet, dass die fortgesetzte quantitative Lockerung und negative Zinssätze nicht nur das Vertrauen in die Zentralbanken schädigen, sondern auch das Vertrauen in das Papiergeld allgemein.

Der Vorsitzende des Verwaltungsrats der UBS Axel Weber brachte es auf den Punkt: „Die Bereitschaft der EZB zur geldpolitischen Intervention mag unbegrenzt sein, aber die Wirksamkeit der quantitativen Lockerung ist klar begrenzt.“

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

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