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Vorteile einer offenen Marktwirtschaft sind von einzelnen Managern und Unternehmen unabhängig

Ende Juli hat Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler die Arbeit des am 31. Juli abberufenen Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG, Peter Löscher, gelobt. Das Lob Röslers an Löscher ist nur ein Beispiel von vielen Schulterklopfern von Politikern für erfolgreiche Manager und Unternehmer. Allerdings hängen die mit einer Marktwirtschaft einhergehenden Vorteile glücklicherweise nicht von herausragenden Fähigkeiten einzelner Manager oder Unternehmer ab. Im Gegenteil, die Vorteile der Marktwirtschaft ergeben sich gerade daraus, dass in der langen Frist alle Unternehmen zum Scheitern verurteilt sind.

Unternehmen kommen und gehen

In einer offenen Marktwirtschaft treten ständig neu gegründete Unternehmen in den Markt ein und gescheiterte Unternehmen verlassen den Markt. Erfolg von einzelnen Unternehmen gehört zu einer offenen Marktwirtschaft ebenso wie der Misserfolg von einzelnen Unternehmen, der sie aus dem Markt ausscheiden lässt. So waren in Deutschland im Jahre 2010 noch etwa 60% der im Jahre 2005 gegründeten Unternehmen am Markt aktiv. Nach nur fünf Jahren wurden folglich 40% aller 2005 ins Leben gerufenen Unternehmen wieder aufgegeben.

Offene Marktwirtschaft gibt Möglichkeit für Versuch und Irrtum

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Menschen in einer mehr oder minder offenen Marktwirtschaft wie der deutschen die Möglichkeit haben, Geschäftsideen zu testen. Angesichts der unvermeidbaren Unsicherheit der Zukunft kann kein Unternehmer sicher sein, mit seiner Unternehmensgründung erfolgreich zu sein. Für die Menschen, die von dem Zugang zu einer offenen Marktwirtschaft profitieren, sind einzelne Schicksale von Unternehmern und Unternehmen glücklicherweise nicht entscheidend. Als Konsumenten profitieren die Markteilnehmer vom kontinuierlichen Experimentieren mit neuen Gütern, neuen Dienstleistungen, neuen Organisationsstrukturen, neuen Vertriebswegen und neuen Produktionsverfahren. Um ihre Güter an den Mann und die Frau bringen zu können, sind Unternehmen stets bemüht, die Wünsche der Kunden besser befriedigen zu können als andere Unternehmen. Scheiternde Unternehmer leisten in diesem Prozess unfreiwillig wichtige Beiträge. Sie zeigen anderen Marktteilnehmern, wie sie es nicht machen sollten. In einer offenen Marktwirtschaft lernen Menschen aus ihren eigenen Rückschlägen, aber auch aus den Rückschlägen anderer.

Auszeichnungen für gescheiterte Unternehmer

Unternehmer und Manager neigen dazu, Erfolge ihrer Unternehmen ihren eigenen Fähigkeiten zuzuschreiben. Misserfolge hingegen werden von ihnen häufig auf Faktoren zurückgeführt, die sie nicht direkt beeinflussen können. In nur wenigen Fällen werden sie von erfolgreichen Unternehmern hören, dass sie über einen längeren Zeitraum schlicht immer wieder Glück hatten. Nicht nur Unternehmer, sondern auch Außenstehende, führen den Erfolg von Unternehmern auf deren Fähigkeiten zurück. Zufall als einen erklärenden Faktor für den Erfolg eines Unternehmers zu akzeptieren, scheint uns schwer zu fallen. Wir nehmen Microsofts Bill Gates oder Facebooks Marc Zuckerberg wahr. All diejenigen, die ebenso talentiert waren, genauso hart gearbeitet haben und auch sehr gute Ideen hatten, aber durch Zufall nicht erfolgreich wurden, sind für uns nicht gegenwärtig. Dabei haben sie maßgeblich zum Erfolg derjenigen beigetragen, die heute sichtbar sind. Die zufällig Erfolgreichen konnten aus den Fehlern der zufällig Scheiternden lernen. Das Argument ist hier nicht, dass Glück allein ausschlaggebend ist für den Erfolg eines Unternehmers, sondern dass unter den Tüchtigen die Erfolgreichen vom Zufall ausgewählt werden. Anstatt die bereits von Marktteilnehmern belohnten erfolgreichen Unternehmer zu ehren, sollten Unternehmer mit Auszeichnungen bedacht werden, die das Risiko des Scheiterns auf sich genommen haben und gescheitert sind.

Big is not especially beautiful

In einer offenen Marktwirtschaft sind auch Unternehmen wie Siemens, die seit mehreren Jahrzehnten am Markt aktiv sind, stets der Gefahr ausgesetzt, zu scheitern. Deshalb ist es besorgniserregend, dass Angela Merkel über ihren stellvertretenden Regierungssprecher verkünden lässt: "Aus ihrer Sicht ist Siemens ein Flaggschiff der deutschen Wirtschaft, und deshalb ist es sehr wichtig, dass dieses Weltunternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser gerät." Ebenso wie das Lob Röslers für Peter Löscher erweckt die Einstellung Merkels den Eindruck, die Siemens AG liege der Bundesregierung mehr am Herzen als andere Unternehmen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Repräsentanten des Staates geneigt sind, große gut sichtbare Unternehmen bevorzugt zu behandeln. Die Bürger sollten sich der Bevorteilung einzelner Unternehmen vehement entgegenstellen. Sehen sich einzelne Unternehmen aufgrund staatlichen Schutzes weniger stark der Gefahr des Scheiterns ausgesetzt, schwinden die mit einer Marktwirtschaft einhergehenden Vorteile: Ressourcen werden verschwendet und den Markteilnehmern wird die Möglichkeit genommen, aus den Fehlern der geschützten Unternehmen zu lernen - das gilt auch für die Bankenrettungen der jüngeren Vergangenheit.

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