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Warum ein gebührenfreies Erststudium vor allem den Bessergestellten unserer Gesellschaft hilft

Bayern und Niedersachsen sind die einzigen Bundesländer in denen derzeit von Studenten im Erststudium während der Regelstudienzeit Gebühren für das Studium abgeführt werden müssen. In Bayern sollen diese Gebühren nun bereits zum Wintersemester 2013/14 und in Niedersachsen spätestens zum Wintersemester 2014/15 wegfallen. Wer profitiert davon? Mit den Studenten profitieren diejenigen, die ohnehin in unserer Gesellschaft die rosigsten Zukunftsaussichten haben. Zudem sind es vor allem die Kinder aus relativ wohlhabenden Elternhäusern und die Kinder von Eltern, die ebenfalls einen Hochschulabschluss erlangt haben, die profitieren. Kinder aus einkommensarmen und bildungsfernen Elternhäusern sind unter den Studenten unterrepräsentiert.

Wie der Ministerpräsident Niedersachsens Stephan Weil, so bringen Gegner von Studiengebühren häufig das Argument an, Studiengebühren seien ungerecht, weil sie Zugang zu Bildung vom Geldbeutel der Eltern abhängig machten. Dieses Argument ist aus mindestens zwei Gründen problematisch. Zum einen gehören die Mitglieder unserer Gesellschaft, die über eine Studiumsberechtigung verfügen, bereits zur Bildungselite des Landes und können mit überdurchschnittlich hohen Einkommen rechnen. Zum anderen kommt die große Mehrheit der Studienanfänger gerade nicht aus einkommensschwachen und bildungsfernen Elternhäusern.

Gemäß einer von der Vodafone Stiftung Deutschland beim Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung in Auftrag gegebenen Studie erlangten im Jahre 2008 fast 50% der jüngsten Altersjahrgänge eine Studienberechtigung. Etwa 25% von ihnen erlangten die Studienberechtigung durch einen Abschluss an einem allgemeinbildenden Gymnasium. Wer innerhalb eines Altersjahrganges überhaupt die Möglichkeit hat, ein Studium aufzunehmen, gehört bereits zu den 50% des Jahrganges, die besser ausgebildet sind. Wer sich von diesen etwa 50% für die Aufnahme eines Studiums entscheidet, kann damit rechnen, sein Einkommen weiter zu steigern und das Risiko der Arbeitslosigkeit weiter zu verringern.

So lag gemäß des Berichtes Bildung in Deutschland 2012 (Seite 205) herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahre 2010 das Medianeinkommen von Männern zwischen 25 und 60 mit Hochschulabschluss bei 4.500 Euro und mit Fachhochschulabschluss bei 3.870 Euro. Das Medianeinkommen von Männern mit (Fach)Hochschulreife und einer abgeschlossenen Berufsausbildung lag mit 3.200 Euro noch immer deutlich über dem Medianeinkommen von Männern mit lediglich einem mittleren Schulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung von 2.700 Euro. 2011 lag die Arbeitslosenquote für (Fach)Hochschulabsolventen bei 2,4%, im Vergleich zu insgesamt 6,9%. Diese Zahlen machen deutlich, dass Studienberechtigte nicht zu den schwachen Mitgliedern der Gesellschaft zählen und Hochschulabsolventen die einkommenstärksten und am wenigsten von Arbeitslosigkeit gefährdeten Mitglieder der Gesellschaft sind. Wenn Studierenden die Studiengebühren erlassen werden, werden dadurch nicht die hilfsbedürftigen Mitglieder unserer Gesellschaft unterstützt, sondern die bessergestellten Mitglieder.

Der Bericht zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2009 (Seite 102, 128) herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung macht zudem deutlich, dass unsere Studenten nicht nur hohe zukünftige Einkommen erwarten können, sondern bereits mehrheitlich aus bildungsnahen und einkommenstarken Familien stammen. Obwohl nur etwa 21% der 19-24-jährigen 2007 einen Vater hatten, der einen Hochschulabschluss erlangt hat, sind es unter den Studienanfängern 44%. So haben 87% der Kinder von einem selbständigen Vater mir Hochschulabschluss ein Studium aufgenommen aber nur 17% der Kinder eines Vaters der sein Einkommen als Arbeiter verdient und keinen Hochschulabschluss hat. Es ist dann nicht verwunderlich, dass lediglich 15% der Studierenden im Erststudium einer „niedrigen“ sozialen Herkunft, gemessen am beruflichen und schulischen Erfolg der Eltern, zuzuordnen sind.

Anstatt Studienberechtigten, die zuversichtlich in die Zukunft blicken können, das Studium zu finanzieren, sollten die Gesetzgeber der Länder dafür Sorge tragen, dass einem höheren Anteil der Schulabgänger „niedriger“ sozialer Herkunft der Weg an die Hochschulen grundsätzlich offen steht. Kinder nicht im Alter von 10 bis 12 Jahren voneinander zu trennen, wäre ein möglicher Schritt in diese Richtung.

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