Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von & ,

Weniger Unternehmensinsolvenzen – Fluch oder Segen?
Niedrigzinspolitik und Insolvenzen

Die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen ist in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 1999 gefallen. Für einzelne Unternehmer mag dies erfreulich sein. Dennoch könnte der Rückgang der Insolvenzfälle auf gesamtwirtschaftliche Fehlentwicklungen hinweisen. Möglicherweise gehen zu wenige Unternehmen Pleite und binden somit Ressourcen an sich, die anderswo besser einzusetzen wären. Ein Grund dafür liegt möglicherweise in der andauernden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Mittels günstiger Kredite lassen sich eventuell Unternehmen weiter finanzieren und am Leben erhalten, die sonst aus dem Markt austreten müssten.

Unternehmensinsolvenzen auf Tiefstand

Wie Creditreform berichtet, ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit der Einführung der neuen Insolvenzordnung im Jahre 1999 gefallen. Creditreform weist aus, dass im ersten Halbjahr 2014 bundesweit 12.100 Insolvenzen von Unternehmen zu verzeichnen waren - ein Rückgang um 9,1% im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum (13.310 Insolvenzen).

Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass bereits im Gesamtjahr 2013 ein Niedrigstand an Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen war. Die Marke von 25.995 Insolvenzen (2013) wurde letztmalig im Jahre 1996 mit der Marke von 25.530 unterboten. Die bereits veröffentlichten Zahlen von Creditreform für 2014 deuten daraufhin, dass dieser Tiefstand dieses Jahr noch einmal unterboten werden wird.

Seit dem Jahr 2003 sind die Unternehmensinsolvenzen jährlich gesunken. 2003 erreichten sie mit 39.320 einen historischen Höchststand. Im Jahr 2007 waren bereits nur noch 29.160 zu verzeichnen. Der Trend wurde nur in den Jahren von 2008 (29.291) und 2009 (32.687) unterbrochen, in denen wieder mehr Insolvenzen angemeldet wurden. Anschließend fielen die Unternehmensinsolvenzen bis heute jedoch rapide. Creditreform sieht die Ursachen dieses Rückgangs in der "anhaltend guten Konjunktur sowie günstigen Finanzierungsbedingungen".

Wettbewerb als Entdeckungsverfahren

Die Ruhe einer sinkender Zahl an Unternehmensinsolvenzen mag trügerisch sein. Eine marktwirtschaftlich organisierte Gesellschaft ist nicht abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg einzelner Mitglieder. Im Gegenteil. Andere Mitglieder der Gesellschaft profitieren gar davon, dass Unternehmer beim Versuch der Neuverteilung von Ressourcen scheitern. In dem Prozess von Versuch und Irrtum werden verschwenderische Verwendungen von Ressourcen eliminiert. Die Mitglieder der Gesellschaft lernen aus ihren eigenen Fehlern und denen anderer und führen so tendenziell Ressourcen stets produktiveren Verwendungsmöglichkeiten zu.

Der Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek beschrieb diesen Vorgang mit den Worten: "Es ist eine der Hauptaufgaben des Wettbewerbes, zu zeigen, welche Pläne falsch sind." Es setzen sich diejenigen Unternehmer durch, die - zumindest temporär - Ressourcen bestmöglich einsetzen. Gehen weniger Unternehmen Pleite, könnte das ein Zeichen für ein Stocken des Marktes als Entdeckungsverfahren sein.

Niedrige Zinsen, weniger Insolvenzen?

Mit den Worten "günstige Finanzierungsbedingungen" spricht Creditreform einen möglichen Grund für immer weniger Unternehmensinsolvenzen an. Die Zinsen sind seit Jahren niedrig. Seit 2008 senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins stufenweise von 4,25% auf ein heute historisches Tief von 0,15%. Dadurch haben auch Unternehmen Zugang zu günstigen Finanzierungen bekommen.

Wie ein Mitarbeiter von Creditreform gegenüber der Zeitung Die Welt bemerkt, "die günstige Finanzierungssituation führt dazu, dass derzeit auch schwache Unternehmen überleben." Es gäbe derzeit rund 272 000 Unternehmen in Deutschland, die unsolide finanziert seien, Rechnungen nicht mehr pünktlich zahlten und wenig oder gar negatives Eigenkapital aufzuweisen hätten.

Vorsicht ist geboten - weniger ist nicht immer besser

Möglicherweise haben die niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre dazu beigetragen, dass relativ viele Unternehmen weiterhin aktiv sind, die Ressourcen nicht ihren bestmöglichen Verwendungen zuführen. Die Anzahl der Insolvenzen könnte in der Zukunft sprunghaft steigen, wenn beispielsweise durch einen Anstieg der Zinsen missgewirtschaftete Unternehmen mit Verzögerung das eindeutige Signal übermittelt bekommen, dass ihre Pläne die falschen waren und nur durch eine außergewöhnlich expansive Geldpolitik der Zentralbanken zunächst vor dem Scheitern bewahrt wurden.

Dann würde ein schmerzhafter Prozess einer massiven Umverteilung von Ressourcen weg von Irrtümern der Vergangenheit hin zu neuen Versuchen der Gegenwart beginnen. Darunter würden vor allem die Arbeitnehmer der insolventen Unternehmen leiden. Sie haben es besonders schwer, attraktive neue Arbeitsplätze zu finden, wenn auch viele andere Anbieter von Arbeitsleistungen auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen sind. Vorsicht ist also geboten, weniger Insolvenzen sind nicht immer besser.

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Wachstum in den Ländern: Aufsteiger und Absteiger

Wirtschaftswachstum ohne Regierung?


Marktwirtschaftlich organisierte Demokratie: Rezept für Reichtum und Freiheit

Wirtschaftliche Freiheit: Mittel gegen Korruption



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.