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Wenn Bundesländer Staaten wären
Pro-Kopf-Einkommen der Bundesländer im internationalen Vergleich

Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. 2014 war das Pro-Kopf-Einkommen weltweit gemäß der Angaben des Internationalen Währungsfonds in lediglich 17 Ländern höher als in Deutschland. In 169 weiteren Staaten fiel es hingegen niedriger aus. Aber die Unterschiede innerhalb Deutschlands sind markant. Ein Vergleich der Bundesländer mit europäischen Ländern verdeutlicht diese: Während das Pro-Kopf-Einkommen in Kaufkraftparitäten in Hamburg höher ist als in Norwegen, fällt es in Mecklenburg-Vorpommern niedriger aus als in Slowenien. Die verfehlte Arbeitsmarktpolitik der Nachwendejahre in Ostdeutschland sollte Wirtschaftspolitikern eine Lehre sein.

Eurostat veröffentlicht Daten, die den Vergleich des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf zwischen Bundesländern und europäischen Staaten erlauben. Das Bruttoinlandsprodukt spiegelt den Wert der innerhalb eines Jahres in einer Region erzeugten Güter und Dienstleistungen wider und zeigt somit auch die Summe der innerhalb eines Jahres erzielten Kapital- und Arbeitseinkommen an. Die von Eurostat derzeit bis 2011 bereitgestellten Daten berücksichtigen Unterschiede hinsichtlich der Preisniveaus in den verschiedenen Regionen. Deshalb kann das Pro-Kopf-Einkommen in Sachsen mit dem in Bayern, aber auch mit dem in Italien direkt aussagekräftig verglichen werden.

Hamburg vorn, Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern

Das mit Abstand höchste Pro-Kopf-Einkommen erzielte 2011 Hamburg, gefolgt von einem weiteren Stadtstaat: Bremen. Hessen, Bayern und Baden-Württemberg sind die Flächenländer mit den höchsten Pro-Kopf-Einkommen. Die Flächenländer im Osten verzeichnen pro Kopf die niedrigsten Einkommen und finden sich in der Schlussgruppe wieder.

Die Unterschiede zwischen den Ländern sind deutlich. Das Bruttoinlandsprodukt ist pro Kopf in Hamburg mehr als doppelt so hoch wie in allen Flächenländern im Osten, aber auch nahezu doppelt so hoch wie in Schleswig-Holstein, dem westlichen Bundesland mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen.

Bundesländer im internationalen Vergleich

Einzig Luxemburg verzeichnet ein höheres Einkommen als Hamburg. Norwegen liegt vor Bremen und das Einkommen in der Schweiz ist pro Kopf höher als in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Auf diese drei reichsten Flächenländer folgen die Niederlande, Österreich, Irland, Dänemark und Schweden, das nur knapp vor Nordrhein-Westfalen liegt.

Schleswig-Holstein, das ärmste westliche Bundesland, fand sich 2011 nur knapp hinter Großbritannien und vor Italien sowie Spanien wieder. Die Ost-Bundesländer liegen mit Ausnahme von Berlin alle hinter Zypern, aber vor den Krisenländern Griechenland und Portugal sowie den Transformationsländern wie Tschechien, der Slowakei, Litauen, Polen und ? mit den niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen ? Rumänien und Bulgarien.

Niedrige BIPs im Osten: Konsequenzen verfehlter Wirtschaftspolitik

Auffällig ist neben dem noch immer gravierenden Unterschied in Deutschland zwischen Ost und West, dass der Abstand zwischen den westlichen und den östlichen Bundesländern im Durchschnitt deutlich größer ist als der Abstand zwischen Ostdeutschland und den osteuropäischen Transformationsländern. Die unter Einfluss des vermeintlich starken Partners Westdeutschland nach der Deutschen Einheit in den östlichen Bundesländern implementierte Wirtschaftspolitik wirkt nach. Zu hohe Löhne, relativ zur niedrigen Produktivität nach der Wende und die Übernahme westdeutscher Arbeitsmarktregulierungen machten private Investitionen in Ostdeutschland nachhaltig unattraktiv. Der niedrige Kapitalstock in den östlichen Ländern ist eine Konsequenz dieser verfehlten Wirtschaftspolitik und offenbart sich in niedrigen Pro-Kopf-BIPs.

Verringert werden die Unterschiede hinsichtlich der Konsummöglichkeiten innerhalb Deutschlands zwar erfolgreich durch Steuern und Transfers. Besser wäre es jedoch für alle Beteiligten, wenn diese Transfers nicht notwendig wären und die durch die Transfers entstehenden Kosten nicht anfallen würden.

Große Koalition: Keine Wirtschaftspolitik für die lange Frist

Die Unterschiede hinsichtlich des BIPs innerhalb Deutschlands sollten Wirtschaftspolitikern eine Lehre sein. Wirtschaftspolitische Maßnahmen, die vornehmlich der Umverteilung dienen und in der kurzen Frist bei Wählern populär sind, rächen sich in der langen Frist. Sie machen die für Produktivitätssteigerungen notwendigen Investitionen weniger attraktiv. Leider machen auch die Mitglieder der aktuellen Bundesregierung Politik für die kurze Frist und ihre potentiellen Wähler scheinen es ihnen nicht übel zu nehmen. Die Rente mit 63, die Mütterrente, der Mindestlohn und die Mietpreisbremse sind nur einige aktuelle Beispiele für populäre wirtschaftspolitische Maßnahmen, die das Zeug haben, uns in der Zukunft teuer zu stehen zu kommen.

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