Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von ,

When the Lights Go Out: Europe in an Age of Austerity

IREF Working Paper No. 201203: Vani K. Borooah

Veröffentlicht 2014 bei Palgrave Macmillan und bei Amazon erhältlich:

Europas Krise liegt noch nicht hinter uns und einfache Lösungen sind nicht offensichtlich. Einige Gründe der Krise können als temporär betrachtet werden, während andere struktureller Natur sind. Die Hauspreisblase gehört zu der ersten Kategorie, wohingegen das Versäumnis der Regierungen, wachstumsfördernde Maßnahmen zu ergreifen, zu der zweiten Kategorie gehört.

Selbstverständlich ist jedes Land spezifisch. Deshalb weist die Krise auch in jedem Land eigene Züge auf. Trotz der Spezifika präsentiert dieses Buch eine detaillierte Analyse dreier Faktoren, die die Eurozone vereinen. Erstens, mindestens eine Dekade lang wurde expansive Geldpolitik betrieben. Dadurch hatten Banken einen Anreiz viele Kredite zu vergeben, auch wenn das bedeutete, hohe Ausfallrisiken auf sich zu nehmen. Menschen mit fragwürdiger Kreditwürdigkeit hatten Zugang zu Krediten, zu deren Bedienung sie nicht in der Lage waren. Regierungen konnten verschwenderisch hohe Ausgaben tätigen, die sie mit Schulden finanzierten. Zweitens, die EU-Verantwortlichen signalisierten den Teilnehmern auf Anleihemärkten nicht, dass ihr Glaube, nationale Schulden würden schlussendlich von der EU getragen werden, unzutreffend ist. In anderen Worten, die Markteilnehmer nahmen an, dass die Regierungen und Banken der Mitgliedsländer der Eurozone niemals insolvent gehen würden. Diese Wahrnehmung wurde bestärkt durch die falsche Gewissheit, dass die Regulierung und Überwachung der nationalen Volkswirtschaften durch die Technokraten ausreichen würde, um die Währungsunion am Leben zu erhalten. Unglücklicherweise, und dass ist der dritte gemeinsam Faktor, waren die Risikoanalysen der Technokraten fehlerhaft und sie waren nicht in der Lage, ihre Versprechen hinsichtlich der Überwachung einzuhalten.

Die Kapitel des Buches veranschaulichen die Konsequenzen dieser Faktoren. In einigen Fällen führte eine übermäßige Kreditvergabe zu Hauspreisblasen (z.B. Spanien und Irland). Als die Blase platzte, litten die Banken von einer Flut nicht mehr bedienter Darlehen, die sie schließlich als Verluste abschreiben mussten. Die Regierungen schritten ein, um die Banken zu retten und brachten sich somit selbst in prekäre finanzielle Situationen. Es schloss sich eine Staatsschuldenkrise an. In anderen Fällen führte exzessives Schuldenmachen dazu, dass Regierungen finanziell anfällig wurden sobald sich die Zinsen erhöhten. Als diese Anfälligkeit offenbar wurde, stieg die von den Gläubigern verlangte Risikoprämie: alle Bemühungen die Zinsen niedrig zu halten waren vergebens und die finanzielle Stabilität verloren.

Der einfachste Weg aus der Krise würde über stärkeres Wachstum führen: je vermögender der Schuldner, desto wahrscheinlicher ist, dass er seinen Haushalt in Ordnung bringt und seine Schulden zurückzahlt. Jedoch ist niedriges Wachstum eine weitere eurozonen-weite Schwäche. Die Ausweitung der Staatsausgaben und der staatlichen Regulierungen haben nicht dazu beigetragen, Privilegien abzubauen und haben dazu geführt, dass es unattraktiver ist für Unternehmer, Ideen umzusetzen, für Investoren, Risiken auf sich zu nehmen und für Individuen, in ihr Humankapital zu investieren. Sollte es nicht zu strukturellen Reformen kommen, die Rolle des Staates nicht zurückgefahren werden und das Thema der individuellen Haftung nicht im Mittelpunkt möglicher politischer Maßnahmen stehen, dann wird die derzeitige Krise permanente Narben in der Europäischen Wirtschaft hinterlassen. Werden Banken und Regierungen sich in Zukunft verantwortlicher verhalten? Hoffentlich. Aber die bisherige Entwicklung gibt wenig Grund zur Hoffnung: währen der vergangenen Jahre waren Regierungen nicht fähig, die sich selbst gesetzten Haushaltsregeln einzuhalten. Zudem wurden Vergehen kaum bestraft und nicht selten wurde das bestehende Regelwerk sehr frei interpretiert.

Die zukünftige Rolle des Euros bleibt eine offene Frage. Die kurzfristige Überlebensfähigkeit des Euros hängt davon ab, wie viel Souveränität die nationalen Regierungen bereit sind abzugeben. Derzeit sind Optionen der politischen Zentralisierung populär. Vielleicht kommt es zu einer stärkeren Zentralisierung, wenn die schwachen Länder ihre Souveränität in Teilen aufgeben, um von den stärkeren Partnern die Garantie für eine Vergemeinschaftung der Schulden der Mitglieder der Währungsunion zu erhalten. Allerdings würde ein Bail-Out der schwächeren Länder nichts zu der Lösung der strukturellen Probleme der Union beitragen und die Situation womöglich verschlimmern: Zentralistisch organisierte Bürokratien bevorzugen Regulierung der Deregulierung. Langfristig besteht die Gefahr, dass Schuldner der Sparpolitik müde werden, Gläubiger Bail-Outs zunehmend kritisch sehen und alle Mitgliedsstaaten den Verfall ihrer Souveränität missbilligen und das Bedürfnis haben, die Gemeinschaft zu verlassen.

Die einzige sichere Erkenntnis: Die gemeinsame Währung ist gescheitert. Die Idee von Europa, durch das Entfernen künstlicher Barrieren zwischen den Mitgliedsstaaten, hat viele Vorteile für die Bürger der Mitgliedsländer mit sich gebracht. Aber die Währungsunion ging einen Schritt zu weit. Unglücklicherweise birgt dieses missglückte Experiment Gefahren für den Gemeinsamen Markt. Europa war und ist kein Optimaler Währungsraum. Zudem, und entgegen der Versprechen von Politikern, hat der Euro nicht dazu beigetragen, Europa in eine politische Union zu transformieren. Im Gegenteil, unabhängig von der wirtschaftlichen Begründung für die in den schwächeren Ländern angewandten Sparprogramme, ist es offensichtlich, dass die Bürger der betroffenen Länder Brüssel und Frankfurt dieser Tage nicht als Segen wahrnehmen. Leider hat das Projekt, welches Europa enger zusammenrücken lassen sollte, dazu beigetragen, dass sich wirtschaftliche Ungleichgewichte verstärkt haben und durch das Öffnen alter Wunden und die Bedienung nationaler Klischees Politische Spannungen entstanden sind.

IREF Working Paper No. 201203: Vani K. Borooah

PDF - 1.8 MB

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Seen and not seen: EZB-Geldpolitik und Zombie-Firmen

“Selbstbesicherung”: Nach Bari nun MPS und Unicredit?


Keine Rekapitalisierung: Die EZB-Politik ist gescheitert

Spekulation: Segensreich für die Marktwirtschaft



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.