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Wider den Status Quo Bias: Wandel auf dem Wohnungsmarkt zulassen

Steigende Mieten in ausgewählten Ballungszentren werden von den Parteien zum Wahlkampfthema gemacht. Die Bundesregierung verabschiedet das Mietrechtsänderungsgesetz , durch das Vermieter besser vor Mietnomaden und Mieter vor Mieterhöhungen geschützt werden sollen. Aus der SPD melden sich Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und Stephan Weil zu Wort und fordern zum scheinbaren Schutz der Mieter unter anderem eine Mietpreisbegrenzung auch bei Neuvermietungen. Wenn Preise steigen, weil die Nachfrage steigt, spiegeln Preisanstiege Wandel wider. Haben Vertreter politischer Parteien Angst vor Veränderung?

In einer Marktwirtschaft werden Güter und Dienstleistungen mit Hilfe des Preismechanismus verteilt. Wer bereit ist, höhere Preise als seine Mitmenschen zu bezahlen, kann sich ein Gut oder eine Dienstleistung sichern. Das gilt auch für Wohnungen. Mieter konkurrieren mit anderen Mietern um Wohnraum zur Miete. Wohnungskäufer konkurrieren mit anderen Wohnungskäufern um Eigentumswohnungen und -häuser. Wenn die Nachfrage nach gemietetem Wohnraum oder Eigentum in einer Gegend steigt, steigen die Preise. Die Preisanstiege der vergangenen Jahre auf dem Wohnungsmarkt in ausgewählten Ballungsgebieten spiegeln einen solchen Anstieg der Nachfrage in diesen Gebieten wider.

Die Miete für eine Wohnung kann nur steigen, wenn mindestens ein Mieter bereit ist, die höhere Miete zu entrichten. Wenn in Berlin-Prenzlauer Berg die Mieten steigen, liegt das vor allem daran, dass mehr Menschen dort wohnen wollen und bereit sind, höhere Mieten als die bisherigen Mieter zu zahlen. Wer seit einem Jahrzehnt in einem Stadtteil lebt, fühlt sich diesem Stadtteil vielleicht verbunden, aber er hat kein Recht erwirkt, bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag in dem Stadtteil zu niedrigen Mieten zu wohnen. Warum sollte denjenigen, die bereit sind höhere Mieten zu zahlen, die Möglichkeit, ebenfalls für einige Zeit in dem begehrten Stadtteil zu wohnen, verwehrt bleiben? Viele Talkshowgäste scheinen an einem Status Quo Bias zu leiden. Sie bevorzugen den gegenwärtigen Stand der Dinge, weil er, nun ja, Bestand hat.

Wenn Mietanstiege in heiß begehrten Stadtvierteln durch politische Maßnahmen unterdrückt werden, wird der Preismechanismus zum Teil außer Kraft gesetzt. Nicht nur wird dadurch der ohne überzeugende Begründung bevorzugte Status Quo konserviert, sondern die Bereitstellung von zusätzlichem Wohnraum in begehrten Gebieten unterbunden. Wenn die Mieten in einem Gebiet steigen, haben Menschen einen Anreiz, mehr Wohnraum zur Miete in diesem Gebiet anzubieten – durch den Ausbau bestehender Immobilien, Neubauten oder die Vermietung bisher selbstgenutzten Eigentums. Wird potentiellen Vermietern nicht durch höhere Mieten das Signal gesandt, dass mehr Menschen in einem bestimmten Gebiet wohnen wollen, kommen weniger Menschen in den Genuss, in ihrem Lieblingsviertel zu wohnen.

Wandel findet in unserer Gesellschaft ständig statt. Das trifft auch auf den Wohnungsmarkt zu. Viertel, in denen vornehmlich Rentner gewohnt haben, werden zu Vierteln, in denen vornehmlich junge Familien wohnen. Viertel, bevölkert von Studenten, werden zu Vierteln, dominiert von jungen Familien. Wir sollten den Wandel zulassen und Menschen entscheiden lassen, ob sie bereit sind den notwendigen Preis zu bezahlen,um dort zu wohnen, wo sie sich am wohlsten fühlen. Nicht jeder wird in einem „In-Viertel“ wohnen, genauso wie nicht jeder eine Luxuskarosse sein Eigen nennt.

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