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Wie gesund sind Europas Banken?

Berichte der Europäischen Bankaufsichtsbehörde und der Bank of England suggerieren, dass die Banken gesund sind. Allerdings werden von beiden schwache Methoden zur Kapitalmessung eingesetzt. Zweifel an den Ergebnissen sind daher angebracht.

EBA und Bank of England prüfen Banken

Im November veröffentlichte die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) eine Analyse von 105 Banken aus 21 Ländern (einschließlich Norwegen), die Eigentümer von 70% der europäischen Bankaktiva sind. Wenige Tage nach dem EBA-Bericht gab auch die Bank of England die Ergebnisse ihres Stresstests 2015 bekannt und stellte fest, dass alle sieben geprüften britischen Banken gesund und gut kapitalisiert sind.

EBA-Bericht lässt Zweifel zu

Der EBA-Bericht war kein Stresstest, sondern nur eine "Transparenz-Übung". Dies bedeutet, dass keine hypothetischen Rezessionsszenarien modelliert wurden. Besorgniserregend ist dennoch, dass einige der zugewiesenen Kennzahlen für die Banken am Tag nach der Veröffentlichung des Berichts zurückgezogen wurden. Es scheint, als ob die EBA über ihre eigene Definition der Kerneigenkapitalquote Tier 1 (CET1) verwirrt ist. Diese ist jedoch der Schlüssel zur Einschätzung der Kapitalausstattung einer Bank.

CET1 sollte (ungefähr) das Eigenkapital abzüglich immaterieller Vermögenswerte und nachrangigem Eigenkapital sein. Doch die Basel-Bestimmungen erlauben es den Banken auch immaterielle Vermögenswerte und aktive latente Steuern — deferred tax assets "DTAs" — einzubeziehen. DTAs stellen eine Forderung der Banken gegenüber künftigen Steuerverbindlichkeiten dar, sollten sie wieder Gewinn machen. Es ist also unsinnig, solche Forderungen zu dem Kapital zu zählen, das Verluste absorbieren kann. Die immateriellen Vermögenswerte sind ebenso unzuverlässig. Wie wir im November berichteten, sind etwa zwei Drittel des überraschenden 6-Milliarden-€-Verlusts der Deutschen Bank auf Abschreibungen von immaterielle Vermögenswerten zurückzuführen – ein Verlust, der nur entstand, weil die betroffenen Geschäftsbereiche zum Verkauf angeboten werden.

Wie bereits erwähnt, lässt die Zurücknahme einiger Kennzahlen Zweifel zu, ob die EBA die Methoden zur Messung des Kapitals in ihrem eigenen Bericht überhaupt kennt.

Bank of England-Methodik unzureichend

Der Report der Bank of England beinhaltet eine neue Reihe von Stresstests, ein Jahr nach den Ergebnissen, die wir im Juli analysierten. Alle sieben getesteten Banken wurden für solide erklärt, selbst in einem zukünftigen Rezessionszenario. Es gab keine wesentlichen Veränderungen in der von der BE verwendeten Methodik. Allerdings wurde versucht, das Vertrauen in den Bericht dieses Mal zu stärken, indem man Tests des Leverage Ratios durchführte, die im Jahr 2014 noch weggelassen wurden.

Im Gegensatz zur EBA veröffentlichte die BE Details über die verwendeten Methoden der Kapitalmessung. Aus zwei Gründen sind die Testergebnisse schwach:

a) Die Bank of England benutzt für jede Bank Maßzahlen für deren Kapitalausstattung, die Vermögenswerte beinhalten, von denen nicht erwartet werden kann, dass sie Verluste absorbieren, wenn die Bank unter Druck gerät. Ein Beispiel sind die aktiven latenten Steuern, wie oben erläutert.

b) Die Bank of England ignorierte die Regel, dass die Mindest-Kapitalanforderung von 3% nach oben angepasst werden müssen, um kontrazyklisch wirken zu können und wenn Banken systemisch relevant sind. Wären die angemessenen Hürden angewandt und realistischere Maßnahmen zur Kapitalermittelung verwendet worden, wären alle sieben britischen Banken beim Leverage-Stresstest durchgefallen:

Weiterhin viele notleidende Assets im Bankensektor

Anhand der Berichte von EBA und Bank of England kann man schließen, dass Aufsichtsaussagen auf Grundlage der Verhältnisse von CET1 zu risikogewichteten Vermögenswerten von geringem Wert sind. Eine Beurteilung der Gesundheit einer Bank basierend auf Leverage ratio ist sinnvoller. Dennoch bleiben große Portfolios von Derivaten bei der Prüfung unberücksichtigt, weil es den Banken möglich ist, solche Positionen zu ignorieren, wenn zum Ausgleich entgegengerichtete Derivate gehalten werden - trotz des offensichtlichen Misserfolgs solcher Versicherungen in Krisensituationen, wie etwa im September 2008.

Die auffallendste Zahl im EBA-Bericht ist das Niveau der notleidenden Vermögenswerte ("NPE") - 5% aller Vermögenswerte (30 Billionen Euro) bzw. 1,5 Billionen Euro. Das ist ungefähr das gleiche Niveau wie im Stresstest von Oktober 2014. Das Verhältnis von Eigenkapital (CET1, wie von der EBA ausgewiesen) gegenüber allen Vermögenswerten betrug 4,9%. Angesichts der Großzügigkeit der EZB bei Repo-Geschäften, längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (LTRO) und anderen Maßnahmen zur Stützung von Banken, ist es gewiss kein gutes Zeichen, dass der Umfang der notleidenden Vermögenswerte der Banken den Umfang des Eigenkapitals der Banken übertrifft.

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