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Wie steht es wirklich um Europas Banken?
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Oft wird von einer Erholung der europäischen Banken gesprochen. Aber sind die Stresstests der Aufseher wirklich ein geeignetes Mittel, um die Banken zu stabilisieren? Eine neue Studie von Kevin Dowd zeigt, wie unzuverlässig diese Tests sind. Wir bezweifeln daher, dass sich die europäischen Banken wirklich auf dem Weg der Besserung befinden. Das Wissen um die Anfälligkeit der europäischen Banken könnte ein Grund sein, warum einer kleinen Volkswirtschaft wie Griechenland derart große Beachtung geschenkt wird.

Europas Banken werden Stresstests unterzogen...

Sind Europas Banken wirklich auf dem Weg der Besserung? In den vergangenen Jahren ist es in Mode gekommen, Banken einer Reihe von Stresstests zu unterziehen. Der buchhalterisch orientierte Regulierungsansatz, der in den Jahren vor der Krise dominant war, hat hingegen an Bedeutung verloren. Nachdem wir bereits die durchwegs positive Beurteilung der europäischen Banken im Stresstest des vergangenen Jahres kritisiert hatten, wird nun auch Kritik an den Ergebnissen des britischen Stresstests von letztem Dezember laut.

Kevin Dowd, Professor an der Universität Durham, hält die Ergebnisse des britischen Stresstests für „schlimmer als nutzlos“. In einer neuveröffentlichten Studie wirft Dowd den Aufsehern der Bank of England (BoE) vor, sie hätten die Kapitalanforderungen viel zu niedrig angesetzt und den getesteten Banken zu viel Spielraum gelassen, ihre Modelle zur Risikogewichtung von Assets zu ihren Gunsten zu manipulieren. Damit führe die BoE den britischen Finanzsektor wie einen Schlafwandler in die nächste Finanzkrise.

Die BoE äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, verwies aber auf die Rede von Alex Brazier, Direktor der BoE für Finanzstabilität, vor dem britischen Haushaltsausschuss: Brazier bezeichnete die Anforderungen des Stresstests als „sehr streng“ und als „großen Schritt für makroprudentielle Finanzmarktaufsicht“. Unserer Meinung nach konnte Brazier jedoch Dowds Hauptkritikpunkte nicht widerlegen. Fünf Argumente aus Dowds Analyse sind ursächlich für unsere Skepsis gegenüber den Ergebnissen des britischen Stresstest.

... aber die Bank of England schummelt bei ihren Stresstests

Argument 1: Im Rahmen des britischen Stresstests wurde die Stabilität der Banken nur in einem Szenario getestet. Dies steht im Widerspruch zu einer eigenen Studie der BoE, welche die Bedeutung unterschiedlicher Test-Szenarien hervorgehoben hatte. Zudem scheint das gewählte Szenario, in dem sich die Banken beweisen mussten, nicht sonderlich streng: Diesem Szenario lag ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 12% (das entspricht ungefähr dem aktuellen europäischen Durchschnitt), ein Anstieg der Zinsen auf 4% (was noch immer unter dem Vorkrisenniveau liegt) und ein Rückgang der Immobilienpreise von 35% zu Grunde (seit der Krise haben sich die Immobilienpreise in Großbritannien mehr als verdoppelt).

Argument 2: Die BoE äußerte in der Vergangenheit Kritik an der Verwendung interner Modelle zur Risikogewichtung zwecks Bestimmung der Eigenkpitalunterlegung einzelner Vermögenswerte. Banken könnten ihre Risikomodelle nach unten manipulieren, um so weniger Eigenkapital für riskante Anlagen vorhalten zu müssen. Vor der Krise ließen die bankinternen Modelle zur Risikogewichtung auf eine sinkende Risikoexponiertheit der Banken schließen, während absolute Verschuldungsquoten ein steigendes Risiko angedeutet hatten. Tatsächlich hat die BoE im Laufe des US-amerikanischen Stresstest erfolgreich dafür geworben, eine absolute Eigenkapitalquote einzuführen, um solcher Manipulation vorzubeugen. Trotz dieser Vorbehalte wurde die Praxis der Risikogewichtung in den Stresstests beibehalten.

Argument 3: Die Durchführung des Stresstest leidet unter einem Glaubwürdigkeitsproblem. Zentralbanken können nicht auf schwerwiegende Probleme im Finanzsektor hinweisen, ohne dabei gleichzeitig die Stabilität des Finanzsektors zu gefährden. Daher überrascht es nicht, dass noch nie eine Zentralbank schwerwiegende Probleme durch einen Stresstest offen gelegt hat.

Argument 4: Die Standardisierung von Risikomodellen im Rahmen solcher Tests vergrößert zudem unausweichlich das Maß an systemischem Risiko im Finanzsektor. Ein systemisches Risiko dem gegenüber die Stresstests allerdings blind sind.

Argument 5: Am schwersten wirkt jedoch Dowds Vorwurf, die BoE habe die Eigenkapitalrichtlinien des international anerkannten Financial Stability Boards (FSB) ignoriert. Hätte die BoE die Vorgaben des FSB vollständig umgesetzt, hätte keine der acht getesteten Banken den Stresstest bestanden. Die besagte Eigenkapitalrichtlinie betrifft das Kernkapital und besteht aus vier Komponenten:

i) Ein Minimum von 4,5%
ii) Ein Aufschlag von 2,5%. Dieser Erwuchs aus der Erkenntnis, das ein Mindestniveau nicht ausreichen würde
iii) Ein weiterer Aufschlag von 2,5%, der je nach Stand des Konjunkturzyklus erhoben wird.
iv) Noch ein weiterer Aufschlag von 2,5% der fällig wird, wenn das entsprechende Institut als Systemrelevant eingestuft wird.

Während die ersten beiden Komponenten als absolutes Minimum für alle Banken gelten sollten, liegt es im Ermessen der zuständigen Zentralbank, ob sie die letzten beiden Komponenten erhebt. Die BoE entschied sich aber, die beiden letzten Komponenten nicht in ihren Stresstest einzubeziehen. Damit folgte sie auch nicht dem Ratschlag der internen Forschungsabteilung, die regelmäßig höhere Eigenkapitalquoten von 1-2,5% für systemrelevante Banken gefordert hatte. Die BoE ignorierte jedoch nicht nur die national festsetzbaren Komponenten, sondern unterschlug zusätzlich noch den krisenbedingten Aufschlag von 2,5%.

Um den Stresstest zu bestehen, mussten Banken deshalb nur eine Kernkapitalquote von 4,5% statt der international anerkannten 7% vorweisen. Damit verhielten sich die Aufseher von der BoE wie eine Schulleitung, die heimlich in den Abschlussprüfungen die Mindestpunktzahl von 50 auf 20 von 100 herabsetzt, um Abschlussquote der Schule zu steigern. Eine neutrale Zentralbank hätte eine Kernkapitalquote von 11% bis 12,5 vorausgesetzt.

Weil alle acht getesteten Banken die Kernkapitalquote von 7% in einem relativ harmlosen Rezessionsszenario nicht erfüllt hätten, erachten wir den britischen Bankensektor für alles andere als gesund. In Wirklichkeit sind die britischen Banken hoffnungslos überschuldet ist und ein Fall für den Insolvenzverwalter.

Der griechische Schuldenstreit: Hochgefährlich für Europas Banken

Leverage und Liquidität sind zwei Seiten derselben Medaille. Die hohe Anfälligkeit der europäischen Finanzmärkte für kleinste Erschütterungen erklärt damit vielleicht die Besorgnis der BIS und die verzweifelten Versuche europäischer Politiker, eine Lösung für das griechische Schuldenproblem zu finden.

Offiziell äußert sich kein griechischer Gläubiger zu den systemischen Risiken im europäischen Finanzsektor oder den niedrigen Zinssätzen. Weder die EU, die EZB noch die Finanzminister der Eurogruppe beziehen sich auf die Warnungen der BIS. Dennoch wird der Pattsituation große Bedeutung für Europa beigemessen. Es könnte sein, dass sich die Gläubiger im Privaten durchaus der Gefahr bewusst sind, die Griechenland für Banken mit überhöhten Leverage-Ratios, dem Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital, und einen illiquiden Finanzmarkt birgt. In dieser Situation könnte auch ein eigentlich relativ unbedeutender Zahlungsausfall verheerende Folgen haben. Dies könnte auch erklären, warum ein Schuldenschnitt, diplomatisch als Schuldenrestrukturierung, immer noch nicht vom Tisch ist, trotz heftiger Kritik von prominenten Wissenschaftlern.

Professor Sinn vom CES ifo-Institut argumentiert, dass Griechenland zahlungsunfähig sei, Deutschlands Darlehen bereits verloren seien und lediglich weiterverhandelt werde, da Griechenlands Regierung verstanden habe, dass es noch nie einfacher war, an neue Hilfen zu kommen. Eine Schuldenrestrukturierung verbessert jedoch lediglich die buchalterische Bewertung von de facto illiquiden Vermögenswerten. In der gegenwärtigen Situation auf den Finanzmärkten mag eine derartige buchalterische Maßnahme die Marktteilnehmer beruhigen - oder eben nicht.

Bildnachweis: griechenland-deals / pixelio.de

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