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Wie trotz Verlust ein Gewinn besteuert werden kann: Kapitalertragssteuer und Inflation

Zum 1. Januar 2009 wurde in Deutschland eine Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge eingeführt. Seitdem werden Kapitalgewinne bei ihrer Realisierung zunächst mit einer Steuer von einheitlich 25% belegt – egal ob Zins-, Dividenden- oder Aktienkursgewinneinkommen. Es wird jedoch der nominelle Gewinn als Besteuerungsgrundlage herangezogen. Sobald es über einen Zeitraum zu einer Inflationsrate über 0% kommt, werden die höheren nominellen Kapitalerträge, nicht die niedrigeren realen Kapitalerträge, besteuert. Sobald die Inflationsrate größer als 0% ist, zahlen Anleger also Steuern auf fiktive Kapitalerträge.

Bis einschließlich 2008 wurden nach Anwendung des damaligen Sparerfreibetrags Zinseinkommen mit dem persönlichen Steuersatz belastet, wohingegen Einkommen aus Kursgewinnen durch den Verkauf von Aktien nach einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei waren. Seit Januar 2009 werden alle Kapitalerträge nach Anwendung des Sparer-Pauschbetrags mit einem konstanten Kapitalertragssteuersatz von 25% belegt. In Kombination mit dem Solidaritätszuschlag ergibt sich eine Steuerlast auf die Gewinne von 26,375%. Liegt der persönliche Einkommensteuersatz unter 25% findet dieser niedrigere Satz Anwendung.

Wohingegen Personen, die Zinseinkommen haben und einen persönlichen Steuersatz über 25% bezahlen, durch die Änderung besser gestellt wurden, wurden Personen, die mittels eines Aktienportfolios für das Alter vorsorgen wollen, schlechter gestellt. Für beide Gruppen gilt jedoch, dass sie Steuern auf nominelle und nicht auf reale Gewinne zahlen müssen. Das kann dazu führen, dass sie Kapitalertragssteuern zahlen müssen, obwohl sie keinen realen Gewinn oder gar bereits vor Steuern einen realen Verlust erzielt haben.

Folgendes Beispiel für eine Aktienanlage dient der Veranschaulichung. Ein Anleger kaufe heute Aktien im Wert von 10.000 Euro. Er halte die Aktien über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Inflationsrate betrage über diesen Zeitraum konstant 2%. Nach Ablauf der 20 Jahre verkaufe er die Aktien zu einem Preis von 14.860 Euro. Auf den nominellen Gewinn von 4.860 Euro muss er Kapitalertragssteuer in Höhe von 1.215 Euro zahlen – 25% von 4.860 Euro. Wie hoch war sein realer Gewinn? Bei einer Inflationsrate von jährlich 2% kann der Anleger für 10.000 Euro heute den gleichen Warenkorb wie für 14.860 Euro in 20 Jahren erwerben. Der reale Gewinn des Anlegers beträgt folglich 0,- Euro vor Steuern. Trotzdem muss er Kapitalertragssteuer abführen.

In obigem Beispiel entspricht der reale Wert des Aktienportfolios nach 20 Jahren vor Abzug der Kapitalertragssteuer gerade dem realen Wert des Portfolios heute. Die nominelle Wertsteigerung des Portfolios hebt den Geldwertverlust gerade auf. Nach Abzug der Kapitalertragssteuer von 1.215 Euro ist der Anleger nach 20 Jahren jedoch etwa 8% ärmer als heute.

Wenn der Gesetzgeber schon Kapitalerträge besteuern möchte, wäre es möglich, die Entwicklung beispielsweise des Konsumentenpreisindex über den Anlagezeitraum zu berücksichtigen, um reale statt nominelle Gewinne zu besteuern. Anleger hätten dann einen stärkeren Anreiz zu sparen und für ihr Alter vorzusorgen. Dass die Besteuerungvon Kapitalgewinnen häufig einer Doppelbesteuerung von zuvor bereits versteuerten Arbeitseinkommen gleichkommt, ist ein anderes Thema, das hier in einem zukünftigen Beitrag Beachtung finden wird.

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