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Wie ungleich können wir sein, wenn wir alle gleich sind?
Vermögen über den Lebenszyklus und Ungleichheit

Wie ungleich sind Vermögen in einer Gesellschaft verteilt, wenn der einzige Unterschied zwischen den Menschen das Alter ist? Vermögensungleichheit resultiert unter anderem aus Einkommensunterschieden, unterschiedlich hohen Erbschaften und Unterschieden bezüglich des Sparverhaltens. Wie viel Ungleichheit herrscht jedoch vor, wenn alle Mitglieder der Gesellschaft während ihres Lebens in den Genuss einer identischen Vermögensentwicklung kommen und nur unterschiedlich alt sind? Für die Antwort ist der Verlauf des Vermögens während eines Lebens ausschlaggebend, aber die Ungleichheit kann beträchtlich sein.

Vermögen hierzulande ungleicher verteilt als in Italien oder Frankreich

In einer kürzlich veröffentlichten Studie weist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf eine "anhaltend hohe Vermögensungleichheit in Deutschland hin". Ein Maß für Ungleichheit ist der Gini-Koeffizient, der für eine Gesellschaft Werte zwischen 0 und 1 annimmt. Je höher der Gini-Koeffizient, desto höher ist die Ungleichheit.

Bei einem Wert für den Gini-Koeffizienten von 0 ist das Vermögen gleichmäßig auf alle Mitglieder der Gesellschaft verteilt. Bei einem Wert von 1 hält ein Mitglied der Gesellschaft das gesamte Vermögen. Das DIW hat für deutsche Vermögen für das Jahr 2012 einen Gini-Koeffizienten von 0,78 ermittelt. Zum Vergleich: In Frankreich betrug der Gini-Koeffizient laut DIW 0,68, in Italien 0,61, in der Slowakei 0,45 und in den USA 0,87. Das gemessene Vermögen ist in Deutschland folglich ungleicher verteilt als in Frankreich, Italien, der Slowakei und gleicher als in den USA.

In der Studie des DIW bleiben gesetzliche Rentenansprüche und durch Schule und Studium aufgebautes Humanvermögen unberücksichtigt. Patrick Bernau hat in der FAZ bereits darauf hingewiesen, dass durch diese Vorgehensweise die Vermögensungleichheit innerhalb Deutschlands übertrieben dargestellt wird. Für uns ist dieses Problem hier nicht von Belang, weil wir an der in einer Gesellschaft vorgefundenen Ungleichheit interessiert sind, wenn alle Menschen während ihres Lebens die gleiche Vermögensentwicklung erleben.

Ungleichheit bei Vermögensgleichheit über den Lebenszyklus

In jungen Jahren investieren Menschen in ihre Ausbildung, erzielen niedrige Einkommen und verfügen über ein relativ geringes Vermögen. Während des Arbeitslebens wächst das Vermögen und im Alter wird es während des Ruhestands wieder abgebaut. Wir legen das vom DIW für Deutschland für das Jahr 2012 ermittelte Nettovermögen von 83.000 Euro pro Person zu Grunde. Außerdem nehmen wir an, dass in jedem Jahr gleich viele Menschen geboren werden und jeder Mensch nach Beendigung seiner 85. Lebensjahres stirbt und zu diesem Zeitpunkt sein Vermögen vollständig aufgezehrt hat.

In der Graphik sind drei beispielhafte Vermögensentwicklungen abgebildet. In allen drei Fällen beträgt das durchschnittliche Vermögen 83.000 Euro. Über den Lebenszyklus genießen in jedem der drei Fälle alle Mitglieder der Gesellschaft eine identische Entwicklung des Vermögens. Ist das Vermögen vom Alter unabhängig, haben alle Mitglieder stets gleich viel Vermögen und der Gini-Koeffizient ist gleich 0. Folgt die Vermögensentwicklung über den Lebenszyklus dem blauen Muster, beträgt der Gini-Koeffizient 0,45 und ist damit etwa so hoch wie derzeit in der Slowakei. Entwickelt sich das Vermögen eines jeden Mitglieds der Gesellschaft wie im roten Fall, ist der Gini-Koeffizient so hoch wie derzeit in Italien, 0,61.

Bemerkenswert ist, dass die Gini-Koeffizienten auf eine erhebliche Ungleichheit schließen lassen, obwohl über das ganze Leben gesehen jedes Mitglied der Gesellschaft ein gleich hohes Vermögen genießt. Die Beispiele sind hier so gewählt, dass, wie derzeit in Deutschland, Menschen wenn sie zwischen im 65 und 69 Jahre alt sind durchschnittlich über das höchste Vermögen verfügen können.

Nicht plausibel: Grad deutscher Ungleichheit durch Altersunterschiede

Um bei einem durchschnittlichen Vermögen von 83.000 Euro auf einen für Deutschland im Jahre 2012 gemessenen Gini-Koeffizienten von 0,78 zu kommen, muss der Verlauf des Vermögens über den Lebenszyklus eine wenig plausible Form annehmen, wie zum Beispiel diese:

Die Gruppe der 65- bis 69-Jährigen wäre noch immer mit dem höchsten Durchschnittsvermögen ausgestattet, aber sie müssten es in wenigen Jahren aufbauen und wieder abbauen.

Lorenz-Kurven: Gini-Koeffizienten im graphischen Vergleich

Graphisch lassen sich die verschiedenen Grade der Ungleichheit am besten mit Hilfe der sogenannten Lorenz-Kurve darstellen. Die Gerade zeigt den Fall einer Gleichverteilung der Vermögen mit einem Gini-Koeffizienten von 0 an. Die übrigen Verläufe repräsentieren Vermögensverteilungen die zu den für die Slowakei (0,45), Italien (0,61) und Deutschland (0,78) gemessenen Gini-Koeffizienten führen.

Sinnvoller: Vergleich von Vermögen innerhalb von Altersklassen

Die für Deutschland vom DIW gemessene Vermögensungleichheit ist bei für alle Menschen identischem Vermögen über ihren Lebenszyklus nur durch einen unrealistischen zeitlichen Verlauf zu erzielen. Dennoch sollten Vermögensunterschiede, die sich auf Altersunterschiede zurückführen lassen, in Diskussionen um Vermögensungleicheit berücksichtigt werden. Wie die Verläufe der vier Lorenz-Kurven verdeutlichen, können altersbedingte Vermögensunterschiede auch dann einen maßgeblichen Einfluss auf die gemessene Ungleichheit nehmen, wenn alle Gesellschaftsmitglieder über ihr gesamtes Leben in den Genuss eines gleich hohen Vermögens kommen.

Der Vergleich des Vermögens von Auszubildenden und Studenten, die gerade den Grundstock für ihre Karriere legen, mit dem Vermögen von Menschen, die sich ihrem Karriereende nähern oder sich bereits im Ruhestand befinden, ist nicht sonderlich aufschlussreich. Um das Phänomen der Ungleichheit besser zu verstehen, wäre eine Analyse der Ungleichheit innerhalb von Altersklassen unter Einbeziehung aller Rentenansprüche hilfreich.

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