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Wie viel Netto bleibt von den Lohnkosten?
Wer profitiert vom automatischen Abgabeneinzug?

Im Februar 2014 waren in Deutschland 29,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge werden in ihrem Namen direkt vom Arbeitgeber abgeführt. Auf welchen Anteil der Lohnkosten belaufen sich diese Abgaben an den Staat? Bei einem Bruttolohn eines Singles von monatlich 2.000 Euro fließen bereits 42% der Gesamtbelastung des Unternehmens an den Staat. Anders ausgedrückt, Arbeit, für die der Arbeitnehmer einen Nettolohn von 1.370 Euro erhält, kostet den Arbeitgeber 74% mehr, nämlich 2.386 Euro. Der automatische Einzug der Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge kommt den Vertretern des Staates zupass und findet in den meisten Industrieländern Anwendung. Müssten Arbeitnehmer die Abgaben an den Staat eigens überweisen, wären sie sich der Kosten staatlicher Aktivität möglicherweise stärker bewusst und würden die Leistungen von Politik und Verwaltung vehementer in Frage stellen.

3.000 brutto: 47% an den Staat

Aus guten Gründen haben die meisten Arbeitnehmer an den gesamten Lohnkosten des Arbeitgebers nur ein nachgeordnetes Interesse. Für Arbeitnehmer ist ihr eigener Bruttolohn und Nettolohn interessanter. Für Unternehmen ist jedoch einzig die Gesamtbelastung ausschlaggebend, die sich aus dem Bruttolohn des Arbeitnehmers plus den sogenannten Arbeitgeberanteilen der Sozialversicherungsbeiträge ergibt. Bei einem monatlichen Bruttolohn von 3.000 Euro belaufen sich die gesamten Lohnkosten auf 3.578 Euro, während 1.905 Euro beim Arbeitnehmer ankommen. 47% der Gesamtkosten fließen nicht direkt an den Arbeitnehmer, sondern an den Staat.

Verheiratete Alleinverdiener: Zweiter Grundfreibetrag

Eine verheiratete Alleinverdienerin mit zwei Kindern profitiert insbesondere vom zweiten Grundfreibetrag. Bei einem Bruttolohn von 3.000 Euro erhält Sie von den monatlichen Gesamtkosten des Unternehmens, die sich auf 3.578 Euro belaufen, netto etwas mehr, nämlich 2.174 Euro. An den Staat müssen also nur 39% der

Brutto 6.000 Euro: Lohnkosten 107% über Nettolohn

Wie sich die Gesamtbelastung auf Nettolohn, Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge, die die gleiche Wirkung wie eine Steuer auf Arbeit haben, für einen Single bei unterschiedlichen Bruttomonatslöhnen verteilt, geht aus der nachstehenden Grafik hervor. Beläuft sich der Nettolohn eines Angestellten mit einem Bruttolohn von 1.000 Euro noch auf 66% der Gesamtbelastung für das Unternehmen, fällt die Quote auf 48,3% für einen Angestellten mit einem Bruttolohn in Höhe von 6.000 Euro. Die Lohnkosten des Arbeitgebers übersteigen den Nettolohn des Arbeitnehmers also um 107%. Bei Bruttolöhnen jenseits von 6.000 Euro fällt die Belastung durch Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge leicht, weil die Belastung durch Sozialversicherungsbeiträge stärker abnimmt, als die Lohnsteuerbelastung zunimmt.

Fehlbezeichnungen: Arbeitgeberanteil und Arbeitnehmeranteil

Für das Unternehmen ist es unerheblich, ob es die gesamten Lohnkosten an den Angestellten überweist oder einen Teil davon an den Staat. Die nominelle Aufteilung der Sozialversicherungsbeiträge in Arbeitnehmeranteil und Arbeitgeberanteil ist Augenwischerei. Beide Verpflichtungen werden aus den gesamten Lohnkosten gedeckt, die beim Arbeitgeber anfallen. Für das Unternehmen wäre die Arbeitskraft genauso teuer, wenn es die gesamten Lohnkosten dem Arbeitnehmer zukommen lassen würde, der dann die gesamten Sozialversicherungsbeiträge an die Träger der Sozialversicherungen überweisen müsste. Auch würde sich der Nettolohn des Arbeitnehmers nicht verändern.

Nicht-automatischer Einzug: Vorteile für Steuerzahler?

Allerdings könnte der Steuerzahler sein Verhalten ändern. Was würde geschehen, wenn die Arbeitnehmer, nicht die Arbeitgeber, jeden Monat Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abführten? Wer 1.000 Euro brutto verdient, würde 1.193 ausgezahlt bekommen, um davon 397 Euro an das Finanzamt und die Sozialversicherungen zu überweisen. Wer 6.000 Euro brutto verdient, würde zunächst 6.989 Euro erhalten, um 3.616 Euro wieder abzugeben. Möglicherweise hätten die Arbeitnehmer ein besseres Gefühl dafür, wie hoch ihre Belastung durch Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge ist, weil eigens vorgenommene Überweisungen die Abgaben realer werden lassen könnten. Die Vertreter des Staates haben jedoch ein Interesse daran, dass Arbeitnehmern der Umfang der Kosten staatlicher Aktivität nicht allzu bewusst ist.

Wie sehr es Politiker schätzen, Steuern ohne viel Aufsehens zu erheben, macht der Koalitionsvertrag der derzeitigen Regierung deutlich. Die Verfasser des Koalitionsvertrages verstehen unter Steuervereinfachungen die weitere Vereinfachung des Einzugs der Steuerschuld von den Bürgern. Es ist fraglich, ob davon die Steuerzahler profitieren. Arbeitnehmer könnten durch aufwendigere eigens vorgenommene Überweisungen weniger geneigt sein, die Kosten staatlicher Leistungen zu unterschätzen. Eventuell wären sie dann besser vor fiskalischer Illusion geschützt und würden die öffentliche Hand stärker in die Verantwortung nehmen.

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