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Working Paper: Steuerhinterziehung

Für das Ausmaß der Schattenwirtschaft wird für 2016 ein Rekordtief vorausgesagt. Auch Fälle der Steuerhinterziehung könnten seit der Nutzung sogenannter Steuer-CDs durch Finanzämter rückläufig sein. Wie sich verschiedene Faktoren auf die Entscheidung, Steuern zu hinterziehen, auswirken, wird in einem neuen IREF Working Paper theoretisch untersucht. Die Autoren zeigen, dass neben der Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden und der Höhe der Strafe auch die Ausgestaltung des Steuersystems, die Qualität des öffentlichen Sektors sowie potentielle Reputationsverluste der Steuersünder eine Rolle spielen. Unter anderem lässt die Analyse den Schluss zu, dass eine Verringerung der Steuerlast sich positiv auf die Steuerehrlichkeit auswirken kann. Durch die Interaktion der Vielzahl von Faktoren können identische Steuerreformen in Ländern mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen allerdings verschiedene Wirkungen nach sich ziehen.

Individuelle und gesellschaftliche Faktoren

Steuerhinterziehung ist in Ländern unterschiedlich stark verbreitet. Fabio Lamantia und Mario Pezzino tragen mit ihrem IREF Working Paper zu einem besseren Verständnis der Unterschiede bei. Aus der Perspektive einer ökonomischen Analyse ziehen potentielle Straftäter häufig lediglich in Betracht, wie wahrscheinlich es ist, dass sie erwischt werden, wie hoch die daraufhin folgende Strafe ausfällt und wie attraktiv der Betrug in Form von geldwerten Vorteilen ist.

Lamantia und Pezzino gehen einige Schritte weiter: Sie analysieren, wie sich unterschiedlich ausgestaltete Steuertarife und die Qualität des öffentlichen Sektors auf die Steuermoral auswirken. Sie modellieren die individuell wahrgenommene Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, und die Höhe der Strafe als Lernprozess, der sich durch Interaktionen mit Steuerhinterziehern und Steuerehrlichen ergibt. Sie beziehen mögliche Reputationsverluste und Stigmatisierung derer mit ein, die eines Steuervergehens überführt werden. Schließlich hängt das Ausmaß der Reputationsverluste in ihrem Modell von dem in der Gesellschaft üblichen Verhalten ab und ist umso geringer je weiter Steuerhinterziehung in der Gesellschaft verbreitet ist.

Weniger Steuerbelastung, mehr Steuerehrlichkeit

Aus dem theoretischen Modell der beiden Autoren lassen sich einige aufschlussreiche Schlüsse ziehen. Zum einen kann der Gesetzgeber durch niedrigere Einkommensteuersätze und einen weniger progressiven Steuertarif die Steuerehrlichkeit steigern, wenn Reputationseffekte in der Gesellschaft eine maßgebliche Rolle spielen. Die gewöhnlichen Instrumente zur Durchsetzung der Steuergesetze — zusätzliche Steuerprüfungen und höhere Strafen — können hingegen kontraproduktiv sein.

Zum anderen kann die Steuermoral durch niedrigere Steuersätze und eine weniger ausgeprägte Progression des Steuertarifs sowohl in der kurzen als auch in der langen Frist steigen. Das Modell von Lamantia und Pezzino lässt eine Analyse über die Zeit zu. Es zeigt, dass eine Reduzierung der Steuerbelastung nicht nur zu weniger Steuerhinterziehung in der laufenden Periode führen kann, sondern auch zu über die Jahre steigender Steuerehrlichkeit, weil miteinander interagierende Individuen dazu neigen, die Verhaltensweisen ihrer Mitmenschen zu kopieren.

Steuermoral steigern: Alternative Methoden

Zudem weisen die beiden Autoren darauf hin, dass die Steuermoral umso höher ist je effizienter, transparenter und gerechter das Justizwesen beziehungsweise der gesamte öffentliche Sektor organisiert sind. Je mehr Vertrauen Menschen in die Qualität des öffentlichen Sektors haben, desto eher sind sie intrinsisch motiviert, Steuern zu zahlen, und desto effektiver schrecken Steuerprüfungen und Strafen potentielle Steuerhinterzieher ab. Lamantia und Pezzino zeigen diesbezüglich, dass alternative Maßnahmen wie eine Verringerung der Steuerbelastung und eine Verbesserung der Qualität des öffentlichen Sektors sich eher positiv auf die Steuermoral auswirken können als die klassischen Instrumente intensivere Steuerprüfungen und höhere Strafen.

Gleiche Steuerreform, andere Wirkung

Abschließend lässt sich bemerken, dass das Papier der beiden Autoren deutlich macht, dass die gleichen Steuerreformen in unterschiedlichen Ländern zu verschiedenen Ergebnissen führen können. Wie sich Steuerreformen auswirken, hängt nicht nur von der Veränderung des Steuertarifs ab, sondern unter anderem auch von der Qualität des öffentlichen Sektors, von den in der Gesellschaft gelebten Steuernormen sowie der Interaktion von Steuersündern und Steuerehrlichen.

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