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Zentralbanken setzen auf die Blockchain

Die mit der Crypto-Währung Bitcoin populär gewordene Blockchain-Technologie weckt das Interesse von Zentralbanken und Forschung. Mit der „RS Coin“ entwickelt die Bank of England eine eigene, öffentlich kontrollierte Crypto-Währung, die es ihr erlauben würde, Zinssätze langfristig unter 0% zu drücken. Für Konsumenten und Unternehmen verspricht die Blockchain-Technologie Kosteneinsparungen. Doch etablierte Interessengruppen im weltweiten Zahlungsabwicklungssystem könnten den Vormarsch der digitalen Währungen verhindern.

Kosteneinsparungen durch Blockchains

Anlässlich einer Rede an der London School of Economics erklärte Ben Broadbent, stellvertretender Präsident der Bank of England, dass die maßgebende Innovation hinter Bitcoin nicht die Recheneinheit selbst sei, sondern die Blockchain-Technologie – das digitale Abrechnungsbuch, welches alle Transaktionen chronologisch und öffentlich verzeichnet. Dank der Blockchain sind alle Bitcoin-Transfers nachprüfbar, ohne dass eine zentrale Kontrollbehörde nötig sei. Auch für Zentralbanken und Forscher wird die Blockchain nun zum Diskussionsgegenstand. 2014 fürchteten Forscher der Bank of England, dass Bitcoin die geldpolitische Autorität der Zentralbanken in Frage stellen könnte. Heute sehen sie in der Blockchain-Technologie den „ersten Versuch eines Internets des Geldes“.

Den Zentralbanken ist nicht entgangen, dass in jüngster Zeit zahlreiche Unternehmen gegründet wurden, die mittels Blockchain-basierter Technologie neue Möglichkeiten entwickeln, finanzielle Vermögenswerte zu übertragen und Eigentumsverhältnisse festzuuhalten. Sollten diese Unternehmen erfolgreich sein, wird das traditionelle Registrierungsgeschäft darunter leiden. Aus Sicht der Zentralbanken sollten die potenziell effizienzsteigernden „Back Office“-Innovationen der Blockchain-Unternehmen allerdings begrüßenswert sein. Wenn Banken beispielsweise Konsortialkredite miteinander handeln, sind oft Juristen zur Aushandlung der Vertragsbedingungen notwendig und zahlreiche Back Office-Prozesse müssen in Gang gesetzt werden. Eine Einigung ist durchschnittlich erst nach fast drei Wochen zu erzielen. Ohne Zweifel erwarten die Banken eine Menge Kosteneinsparungen, sollte es gelingen derzeitig angewandte Prozesse im Back Office mit Blockchain-basierter Technologie zu ersetzen.

Bargeldlose Währung erlaubt Negativzinsen

Allerdings verspricht sich die Bank of England mehr von der Blockchain als niedrigere Administrativ- und Registrierungskosten. Sie denkt über Wege nach, eine Blockchain-basierte Crypto-Währung unter Kontrolle einer öffentlichen Behörde – etwa der Zentralbank – zu entwickeln. Die dahinterstehende Motivation ist leicht nachzuvollziehen. Wenn eine Zentralbank die Zinsen signifikant unter null Prozent drücken will, ist dafür eine strenge Einschränkung ? vielleicht sogar ein Verbot ? der Bargeldnutzung notwendig. Aber ist eine durch die Zentralbanken emittierte Crypto-Währung ein realistisches Szenario?

Die Bank of England behauptet, bereits signifikante Fortschritte erzielt zu haben. In Zusammenarbeit mit Forschern am University College in London habe sie eine Crypto-Währung für Zentralbanken mit dem Namen RS Coin entwickelt. Die Kontrolle über das Register läge bei RS Coin alleine bei der Bank of England – im Gegensatz zu Bitcoin, dessen Register durch Nutzer weltweit gemeinsam aufrechterhalten wird. Eine besondere Eigenschaft von RS Coin wäre die Möglichkeit der Zentralbank, die Geldmenge und den Leitzins direkt zu kontrollieren. Laut Ben Broadbent wäre der Vorteil für Konsumenten und Unternehmen vor allem in schnelleren und kostengünstigeren Geldtransfers begründet.

Etablierte Unternehmen leisten Widerstand

Das durch die Bank of England vertretene Argument für die Einführung von RS Coin ist somit konträr zum Argument, welches in der Regel für Bitcoin und andere private Wettbewerber angeführt wird, deren Fürsprecher den Hauptvorteil von Bitcoin gerade in der Abwesenheit jeglicher staatlichen Kontrolle sehen. Es wäre jedoch vorstellbar, dass die Geldnutzer mehr Vertrauen in eine Crypto-Währung entwickeln, die durch eine Zentralbank emittiert wird, statt durch anonyme Marktteilnehmer. Aller Kritik an den Zentralbanken und der Wertminderung ihrer Fiat-Währungen zum Trotz – immerhin sind sie in der Lage, Bilanzen vorzuweisen, aus denen hervorgeht, dass ihren Verbindlichkeiten (der emittierten Währung) Vermögenswerte in entsprechender Höhe entgegenstehen. Bitcoin hat keinen Mechanismus, der Verbindlichkeiten und Vermögenswerte gegenüberstellt.

Angesichts der rasanten Entwicklung der Blockchain-Industrie – im letzten Jahr wurden schätzungsweise über eine Milliarde US-Dollar an Beteiligungskapital in Start-Ups investiert – ist es natürlich nahezu unmöglich, schon jetzt zu prophezeien, welche Ideen sich am Ende durchsetzen werden. Dennoch ist zu vermuten, dass die Bank of England mit ihrer neuen RS Coin keinen Erfolg haben wird. Die Einführung der durch die Zentralbank kontrollierten Crypto-Währung müsste durch zahlreiche politische Maßnahmen flankiert werden. Ein solcher Prozess benötigt viel Zeit und würde die Zentralbank in direkten Konflikt mit einflussreichen, etablierten Interessen bringen.

An dem derzeitigen weltweiten Zahlungsabwicklungssystem sind schätzungsweise 10.000 Firmen beteiligt. Mitglieder dieser Interessengruppen werden sich mit Händen und Füßen gegen die Pläne der Zentralbank wehren. Die Blockchain-Enthusiasten übersehen, dass nicht technologische Schwierigkeiten die Einführung effizienterer, digitaler Zahlungssysteme verlangsamen. Vielmehr sind es die Vertreter von Interessengruppen mit alteingesessenen Geschäftsmodellen, die revolutionären Wandel bisher erfolgreich verhinderten.

Bild: deavmi/Wikimedia

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