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Der Mindestlohn wirkt

450-Euro-Jobs seltener, vor allem im Osten

Samstag 4. Juli 2015, von Alexander Fink

Seit Januar 2015 gilt in Deutschland grundsätzlich ein Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro. Zu einem Anstieg der Arbeitslosenrate ist es durch die Einführung des Mindestlohns bisher nicht gekommen. Die Arbeitslosenquote für den vergangenen Mai betrug 6,3%, im Dezember 2014 lag sie bei 6,4%. Eine gut sichtbare Wirkung hatte der Mindestlohn dennoch, nämlich auf die Zahl der Minijobs. Diese ist deutlich zurückgegangen, seitdem die Mindestlohnregelung Bundestag und Bundesrat im Juni 2014 passierte. Besonders stark ist der Effekt in den neuen Bundesländern, wo die Löhne niedriger sind und der Mindestlohn somit eher eine negative Beschäftigungswirkung entfalten kann.

Deutlicher Rückgang bei Minijobs

Zu einem starken kurzfristigen Anstieg der offiziellen Arbeitslosenquote kam es durch den Mindestlohn nicht. Auch in den relativ lohnschwachen Bundesländern sind die Arbeitslosenquoten nicht in die Höhe geschnellt. Dass Ausländer, die gerne für weniger als 8,50 Euro in Deutschland gearbeitet hätten, dieser Arbeit nicht nachgehen können, wird von den inländischen Statistiken nicht erfasst.

Daten der Minijob-Zentrale dokumentieren jedoch, dass seit der Verabschiedung des Mindestlohngesetzes die Anzahl geringfügig Beschäftigter deutlich zurückgegangen ist. Sind im Juni 2014 noch insgesamt 7,2 Millionen Minijobber tätig gewesen, waren es im März 2015 nur noch 6,9 Millionen. Unter den Minijobbern finden sich viele Rentner, Nebenjobber, Schüler, Studenten und Zweitverdiener aus Haushalten mit einem Hauptverdiener, die sich nicht arbeitslos melden, wenn der Minijob ein Ende findet.

Der Rückgang ist ausschließlich auf Minijobverluste im gewerblichen Bereich zurückzuführen. Im privaten Bereich ist die Anzahl der Minijobs bei etwa 280.000 konstant geblieben. Dass es sich beim Rückgang im gewerblichen Bereich vermutlich nicht um einen saisonalen Effekt handelt, verdeutlicht die nachstehende Grafik, die die Entwicklung der Anzahl gewerblicher Minijobs in den östlichen und westlichen Bundesländern jeweils im Verhältnis zum Niveau im Juni 2014 nachzeichnet.

Neue Bundesländer Schlusslichter bei Minijobentwicklung

Der Rückgang der Minijobs fiel in den östlichen Bundesländern wesentlich deutlicher aus. Dieser Unterschied überrascht nicht. Das niedrigere Lohnniveau in Ostdeutschland ließ erwarten, dass ein negativer Beschäftigungseffekt des Mindestlohns hier stärker ausfällt, weil relativ mehr Arbeitnehmer bis Ende 2014 für weniger als 8,50 Euro pro Stunde arbeiteten.

Die vorangehende Grafik verdeutlicht noch einmal, dass die Anzahl der Minijobs in den fünf neuen Bundesländern von Juni 2014 bis März 2015 relativ am stärksten gefallen ist. In Thüringen waren im März dieses Jahres 6% weniger Minijobs zu verzeichnen, in Sachsen waren es sogar 9% weniger.

Mindestlohn: Leistungen geringfügig Beschäftigter weniger attraktiv

Einige geringfügig Beschäftigte werden seit Einführung des Mindestlohns in die Vollbeschäftigung gewechselt sein. Durch den Mindestlohn und die mit ihm einhergehenden Dokumentationspflichten ist es relativ attraktiver geworden, einen Vollbeschäftigten anstatt mehrerer geringfügig Beschäftigter einzustellen.

Allerdings werden gewiss einige im Vorjahr noch von Minijobbern übernommene Arbeitsstunden jetzt gar nicht mehr geleistet. Insbesondere in den neuen Ländern scheinen gewerbliche Arbeitgeber auf die Lohnerhöhung reagiert zu haben. Sie beziehen heute in geringerem Umfang Dienstleistungen von geringfügig Beschäftigten.

Tragen die Minijobber die Last des Mindestlohns?

Die Wirkung des Mindestlohns auf das allgemeine Beschäftigungsniveau scheint verhalten auszufallen. Wie niedrig die Arbeitslosenquote in Abwesenheit des Mindestlohns heute wäre, ist unbekannt. Aber ein massiver negativer Effekt des Mindestlohns auf das allgemeine Beschäftigungsniveau ist bisher ausgeblieben. Wie passt das zur Entwicklung der Minijobs, deren Anzahl deutlich geschrumpft ist?

Arbeitgeber haben angesichts eines Lohnanstiegs einen Anreiz, auf die Dienstleistungen derer zu verzichten, die den geringsten Beitrag zum Erfolg der Unternehmen leisten. Die Entwicklung der gesamten Beschäftigung und der Minijobs spricht dafür, dass Unternehmer in Ost und West die von Minijobbern geleisteten Arbeitsstunden für relativ entbehrlich erachteten. Viele der vom Stellenabbau betroffenen Minijobber gehören vermutlich gerade zu der Gruppe von Beschäftigten, die der Gesetzgeber unterstützen wollte.

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