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Working Paper: Klimawandel – was wir wissen und was nicht

Klimawandel und Zusammensetzung des Energiemixes sind Themen unserer Zeit und sie polarisieren. In der Schweiz stimmten die Wähler gerade für den Atomausstieg und eine intensivere Förderung erneuerbarer Energien. In Deutschland wurden durch politische Maßnahmen bereits in den 1980er Jahren Anreize für eine beschleunigte Energiewende — der zunehmenden Energieversorgung aus erneuerbaren Energien — gesetzt. In einem IREF Working Paper widmet sich Francesco Ramella der Frage, was wir über den Klimawandel wissen und was nicht. Er kommt zu dem Schluss, dass nach dem heutigen Stand der Wissenschaft über die letzten Jahrzehnte eine Erderwärmung zu beobachten war, ein Teil des Temperaturanstiegs menschengemacht ist und eine weitere Erwärmung zu erwarten ist. Ramella weist zudem darauf hin, dass wir nicht wissen, zu welchem Grad die Erderwärmung auf den Menschen zurückzuführen ist, wie hoch die Kosten der zukünftig erwarteten Erderwärmung sind und wie wir heute darauf reagieren sollten.

Bisheriger und erwarteter Temperaturanstieg

Ramella dokumentiert einen Anstieg der durchschnittlichen an der Erdoberfläche gemessenen Temperatur von 1880 bis 2014 um 0,7 Grad Celsius. Obwohl der Temperaturanstieg seit 1998 niedriger ausfiel als vom IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) zuvor vorausgesagt, passt es ins Bild, dass der Temperaturanstieg in der Arktis viermal so hoch ausfiel wie im Durchschnitt, die Gebirgsgletscher schmelzen, die arktische von Eis bedeckte Landmasse schrumpft und der Meeresspiegel steigt.

Prognosen für die zukünftige Entwicklung der Temperatur basierend auf Klimamodellen lassen einen weiteren Temperaturanstieg erwarten, allerdings schwanken die Schätzungen des Anstiegs erheblich, so Ramella. Ausschlaggebend für die Schätzungen ist unter anderem die Annahme bezüglich des Temperatureffekts einer Verdopplung des Kohlenstoffdioxidanteils in der Atmosphäre. Diese schwanken von 1 bis 7 Grad Celsius. Angesichts dieser Schwankungsbreite bezüglich des Effektes von Kohlenstoffdioxid auf die erwartete Temperatur überrascht es nicht, dass nicht gewiss ist, zu welchem Grade der Mensch für den in der Vergangenheit beobachteten Temperaturanstieg verantwortlich zeichnet.

Kosten durch Unwetter

Die Menschheit war noch nie reicher als heute. Es verwundert daher nicht, dass wir uns heute besser vor Naturkatastrophen schützen können als in der Vergangenheit. Ramella weist auf einen seit 1990 konstanten Anteil des weltweiten BIPs hin, der als Schaden von Unwettern zu verzeichnen ist, obwohl seit 1990 die absolute Anzahl solcher Ereignisse zunahm.

Deutlich wird unsere Fähigkeit, der Natur zu trotzen, angesichts der durch Unwetter jährlich herbeigeführten Todesopfer. Starben in den 1920er Jahren noch etwa 250 von einer Million Menschen pro Jahr durch Unwetter, waren es seit 2010 pro Jahr etwa nur noch fünf von einer Million Menschen.

Politische Maßnahmen

Zwischen 1991 und 2014 stieg der Ausstoß an Kohlenstoffdioxid weltweit um 57 %. Der Anstieg ist ausschließlich auf zusätzliche Emissionen außerhalb Europas, der USA und Japans zurückzuführen, betont Ramella. Auch aufgrund der steigenden Energieproduktion in den schnell wachsenden Entwicklungsländern lag der Anteil der aus Wind und Sonne gewonnenen Energie weltweit 2015 bei 1,9 % — aller kostspieligen Bemühungen in den reichsten Ländern zum Trotz. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass sich der Anteil der Sonnenenergie 2040 auf 5 % belaufen wird.

Der Großteil der zukünftig produzierten Energie wird voraussichtlich also weiterhin aus fossilen Brennstoffen und Kernspaltung gewonnen. Angesichts der Unsicherheit bezüglich des Ausmaßes der Auswirkungen zusätzlicher Kohlenstoffdioxidemissionen auf die Erdtemperatur und damit einhergehender Unsicherheit des Eintritts fataler klimabedingter Naturereignisse, spricht sich Ramella für eine globale Steuer auf Kohlenstoffdioxid als Ersatz für alle bisher ergriffenen politischen Maßnahmen aus. Dadurch könne die Wahrscheinlichkeit eines bereits relativ unwahrscheinlichen fatalen Naturereignisses zu niedrigen Kosten effektiv weiter gesenkt werden.

Da der erwartete Anstieg des Ausstoßes an Kohlenstoffdioxid ausschließlich in Ländern erfolgen wird, die relativ zu den heutigen Industriestaaten arm sind, erachtet Ramella die Chancen einer global eingeführten Steuer auf Emissionen von Kohlenstoffdioxid allerdings für schlecht. Zumindest deutet seiner Meinung nach heute nichts darauf hin, dass in den Ländern, auf die der zukünftige Emissionsanstieg maßgeblich zurückzuführen sein wird, eine Bereitschaft für derartige Maßnahmen besteht.

Mehr Vorsorge, weniger Vermeidung?

Die heutigen Industriestaaten haben auf die zukünftige Entwicklung des Ausstoßes von Kohlenstoffdioxid einen relativ geringen Einfluss. Die in diesen Staaten bisher umgesetzten Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen erachtet Ramella für ineffizient und ineffektiv. Die Kosten sind hoch und die daraus resultierenden Vorteile gering. Laut Ramella stehen die Chancen sowohl für eine globale Steuer auf CO2-Emissionen als auch für eine Durchsetzung von Eigentumsrechten, die zu einer Internalisierung der negativen Folgen der Emission von CO2 führen würden schlecht.

Angesichts der Analyse von Ramella scheint vieles dafür zu sprechen, dass wir Ressourcen vermehrt darauf verwenden sollten, uns den möglichen Konsequenzen des Klimawandels anzupassen, statt Ressourcen vornehmlich auf die Analyse des Klimawandels und — zumindest teilweise vergebens — auf die Reduzierung von CO2-Emissionen zu verwenden.

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