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Alte Demokratien, hohe Einkommen

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schien die Systemfrage geklärt. Die westlichen Demokratien hatten die sozialistisch-kommunistischen Gesellschaftsentwürfe, die keine relevante politische Mitsprache der Bevölkerung zuließen, ausgestochen. Doch das „Ende der Geschichte“ ist vorbei und die Systemfrage ist zurückgekehrt. China ist als autoritärer Einparteienstaat zu einer globalen Wirtschafts- und Militärmacht aufgestiegen. Während der Coronapandemie wurde das rigorose Handeln der chinesischen Regierung mitunter als wirkungsvoll und dem Westen überlegen gelobt. Daten der letzten 200 Jahre legen allerdings nahe, dass Wohlstand verlässlich nur mit Demokratie einhergeht, vor allem in der langen Frist. Eine alte Demokratie mit niedrigem Einkommensniveau gibt es nicht.

Demokratie und Einkommen

Dieser Zusammenhang lässt sich mit Hilfe von Daten zum politischen System von Ländern und dem durchschnittlichen Einkommen ihrer Bevölkerung illustrieren. Der 2018 als jüngstes Jahr umfassende polity5-Datensatz des Center for Systemic Peace erlaubt zu beurteilen, seit wie vielen Jahren ein Land demokratisch ist. Ein Land gilt als demokratisch, wenn es auf der Skala von -10 bis +10 mindestens eine 6 erreicht. Deutschland beispielsweise kommt so auf 70 demokratische Jahre (1949-2018), Saudi-Arabien auf 0.

Die kaufkraftbereinigten Daten zum Bruttoinlandsprodukt pro Kopf des Jahres 2018 stammen von der Weltbank. Dargestellt sind Länder, zu denen Werte aus beiden Datensätzen vorliegen.

Die Grafik veranschaulicht den positiven Zusammenhang zwischen dem Wohlstand eines Landes und der Anzahl an zusammenhängenden Jahren seit Bestehen demokratischer Strukturen. Die alteingesessenen Demokratien zeichnen sich alle durch deutlich überdurchschnittlich hohe Pro-Kopf-Einkommen aus. Ab etwa 65 Jahren heute bestehender durchgängiger Demokratie liegt das BIP pro Kopf über dem weltweiten Durchschnitt.

Auffällig ist, dass das Einkommensniveau in autokratischen Staaten (mit 0 Jahren Demokratie) stark schwankt. Viele autokratische Länder weisen sehr niedrige Einkommen auf. Aber es sind auch einige mit sehr hohen durchschnittlichen Einkommen zu finden. Die Schwankung ist vor allem auf den Einfluss natürlicher Ressourcen in Form von Ölvorkommen zurückzuführen.

Bleiben die zu den 20 Staaten mit der höchsten jährlichen Ölförderung gehörenden Länder in der Analyse unberücksichtigt, fallen die Einkommen der Autokratien im Durchschnitt deutlich niedriger aus. Der einzige auffällige Ausreißer mit einem autoritären Herrschaftssystem, aber einem BIP pro Kopf von rund 100.000 US-Dollar, ist Singapur, das als Stadtstaat und internationaler Finanzplatz sehr spezielle Charakteristika aufweist und mit 55 Jahren (seit der Unabhängigkeit) noch recht jung ist.

Der positive Zusammenhang zwischen Wohlstand und der Anzahl demokratischer Jahre nimmt ohne die „Öl-Staaten“ hingegen zu.

Demokratie und BIP: Mehr als nur Korrelation

Der signifikant positive Zusammenhang zwischen Wohlstand und einer demokratischen Gesellschaftsordnung ist erst einmal nur eine Korrelation. Allerdings gibt es für die Annahme eines kausalen Zusammenhangs gute Gründe. Während ältere empirische Arbeiten keine einheitlichen Hinweise auf positive Kausale von Demokratie auf das Produktionsniveau liefern, finden jüngere Arbeiten welche. So beispielsweise die Ökonomen Torsten Persson und Guido Tabellini, die zeigen, dass sich der Rückhalt für die Demokratie in der Bevölkerung und Wirtschaftswachstum gegenseitig verstärken. Forschung des Ökonomen Daron Acemoglu deutet ebenfalls auf einen kausalen positiven Effekt demokratischer Strukturen auf das Wirtschaftswachstum hin. Acemoglu und seine Koautoren führen dies auf höhere Unternehmensinvestitionen, bessere Gesundheitssystem und höhere Bildung zurück.

Mehr Vertrauen in Demokratie wagen

China ist innerhalb weniger Jahrzehnte zur Weltmacht geworden und bindet zahlreiche Staaten durch Infrastrukturprojekte an sich. Diesem systematischen Vorgehen stehen die mitunter tief zerstrittenen demokratischen Staaten der EU an der Seite des derzeit weniger verlässlich wirkenden Partners USA gegenüber. Auch während der Coronapandemie wirkt das harte Durchgreifen der chinesischen Führung zum Teil effektiver als die in Europa oder den Vereinigten Staaten getroffenen Maßnahmen.

Dennoch ist Vertrauen in demokratische Gesellschaftssysteme angebracht. Gerade in der langen Frist haben sich demokratische Strukturen als Garant für Wohlstand und Freiheit erwiesen. Doch schon für die mittlere Frist liefert die empirische Forschung Hinweise darauf, dass Demokratien mit Wirtschaftswachstum und sozialen Errungenschaften wie höherer Bildung und einer besseren Gesundheitsversorgung einhergehen. Ungeachtet der zahlreichen zivilisatorischen Errungenschaften der Demokratie wie der bürgerlichen Partizipation gibt es keinen Grund, Demokratien als Wohlstandsmotor, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, in Zweifel zu ziehen.

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