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BIP pro Kopf der OECD-Länder: Gute Nachrichten

Krisen, Mängel und Hiobsbotschaften dominieren häufig das tagespolitische Geschehen und die mediale Berichterstattung. Fernab der politischen und medialen Aufmerksamkeit stellten sich jedoch in den letzten Jahrzehnten und stellen sich noch heute äußerst wünschenswerte Entwicklungen ein. Dazu gehört auch die Entwicklung der Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukte der aktuellen OECD-Länder seit den 1990er Jahren. Das starke Wachstum in den osteuropäischen Ländern ist ohne Frage eine gute Nachricht. Aber auch das zumeist verhaltene Wachstum in den etablierten Industrienationen ist nicht zu verachten. Bei aller berechtigter Kritik an wirtschaftspolitischen Verfehlungen, die Benennung der langfristig positiven wirtschaftlichen Entwicklung sollte nicht zu kurz kommen.

Pro-Kopf-BIP-Wachstum: OECD-Länder seit 1995

Möglicherweise auch weil die These gilt, bad news are good news, neigen wir dazu, die Lage der Menschheit düsterer zu sehen, als sie tatsächlich ist. Auf den Seiten von gapminder.org kann sich jeder ein Bild von seinen eigenen etwaigen Fehleinschätzungen machen.

In der Gruppe der OECD-Länder haben in den letzten Jahren neben landesspezifischen Events wie dem Brexit, der Wahl Trumps oder den Reibungen zwischen CDU, CSU und SPD vor allem Finanzkrisen, Flüchtlingskrisen sowie die Veränderung der Parteienlandschaften mediale Aufmerksamkeit erhalten - und das zu recht. Doch dadurch wurde auch der Blick auf die langfristig im Großen und Ganzen positive wirtschaftliche Entwicklung verstellt.

Im Durchschnitt stieg das um Preisveränderungen und Kaufkraftunterschiede bereinigte Pro-Kopf-BIP der heutigen OECD-Länder von 1995 bis 2017 um 66 Prozent. Der Median liegt bei 44 Prozent. In der Hälfte der Länder stieg also das BIP pro Kopf um über 44 Prozent, was einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 1,7 Prozent entspricht.

In keinem Land kam es zu einem Rückgang des Pro-Kopf-BIPs. Osteuropäische Länder wuchsen kräftig, um jeweils über 150 Prozent allen voran Litauen, Lettland und Estland, die sich alle drei im Economic Freedom of the World Index in den Top 20 wiederfinden. In Estland und Litauen war das Pro-Kopf-BIP 2017 höher als in Griechenland, dessen BIP pro Kopf 1995 noch etwa doppelt so hoch war wie in den beiden baltischen Staaten. Aber auch in Polen, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Tschechien fielen die Wachstumsraten deutlich höher aus als in den meisten anderen OECD-Ländern.

Die Entwicklung enttäuschte vor allem in Italien und Griechenland, zwei Länder die heute noch immer im Krisenmodus sind. Auch Japan, dessen BIP pro Kopf seit den 1990er Jahren nur noch sehr verhalten gewachsen ist, schneidet schlecht ab. Dann folgen allerdings mit Frankreich, der Schweiz und Dänemark bereits Länder, in denen, wie auch in Japan, das BIP pro Kopf 2017 über dem Niveau von 2008 lag, dem Jahr vor der Weltwirtschaftskrise, in der die BIPs weltweit deutlich zurückgingen.

Absolute BIPs pro Kopf: Osteuropa holt auf

Absolut lag das BIP pro Kopf in den Wachstumsländern Lettland, Estland und Litauen 2017 noch auf einem Niveau deutlich unter dem von Ländern wie Japan, Frankreich, Deutschland oder Dänemark - von der Schweiz oder Norwegen ganz zu schweigen.

Aber die osteuropäischen Länder haben aufgeholt. In Tschechien, der Slowakei und in Litauen war das Pro-Kopf-BIP 2017 bereits höher als in Portugal und Griechenland. Angesichts des positiveren Ausblicks im Osten Europas als im Süden, ist es gut möglich, dass einige osteuropäische Länder in puncto Pro-Kopf-BIP in den nächsten Jahren auch an Italien oder Spanien vorbeiziehen werden.

Es zählt die lange Frist

Die langfristige Entwicklung der Situation der Menschheit fördert vornehmlich gute Nachrichten zutage. Täglich über die positive langfriste Entwicklung zu berichten, wäre etwas eintönig. Dass schlechte Nachrichten stets Konjunktur zu haben scheinen und gute Nachrichten nie, ist allerdings auch eintönig und verzerrt die Wahrnehmung.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung der OECD-Länder seit Mitte der 1990er Jahre, hier repräsentiert durch das reale BIP pro Kopf, gilt es nicht zu missachten, wenn angebrachte Kritik zum Beispiel an der Geldpolitik, der Wohnungspolitik, der Arbeitsmarktpolitik oder der Steuerpolitik geübt wird. Gerät die langfristig positive Entwicklung, die durch eine marktwirtschaftlich geprägte demokratische Ordnung ermöglicht wird, vollkommen aus dem Blick, wird nur allzu schnell die freiheitliche Ordnung selbst in Frage gestellt.

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