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Mafias wider die Marktwirtschaft

Viele Menschen sind der Meinung, die Mafia sei ein regionales Problem, das nur Italien betrifft. Diese Einschätzung ist allerdings nicht zutreffend. Das zeigen kürzlich von Europol veröffentlichte Daten. Sie belegen, dass es tausende kriminelle Organisationen in Europa gibt, die mafiaähnlich sind. 70 % von ihnen handeln grenzüberschreitend und sind in mehr als einem Land tätig.

Investitionen tätigt das organisierte Verbrechen offensichtlich häufiger in Regionen, in denen illegale Märkte von kriminellen Banden dominiert werden und wo es besonders einfach ist, politische Prozesse zu beeinflussen und die Marktmechanismen zu verzerren. Dennoch ist keine Region Europas vor der Mafia gefeit. Sie sind auch in Regionen aktiv, in denen traditionell robuste rechtsstaatliche Strukturen zu finden sind.

Ein Grund für das geringe öffentliche Bewusstsein für das Mafiaproblem ist, dass die offen sichtbare Gewalt relativ gering ist. In Mexiko und Kolumbien fallen jährlich tausende Menschen Kämpfen über die Hoheit auf dem Drogenmarkt zum Opfer. Im Jahr 2018 waren es 15.887 Todesopfer allein in Mexiko. In Europa ist die beobachtbare Gewalt dagegen gering. Auch im Vergleich zu vergangenen Verbrechen von Mafias in Italien, wie dem noch vor Jahren herrschenden Krieg zwischen den Camorra-Clans mit hunderten teilweise unschuldigen Toten, hat die Gewalt abgenommen.

Obwohl die Mafia in Europa nicht mehr auf offener Straße tötet, gibt es Gründe zur Beunruhigung. Die Ermittler betonen insbesondere den umfassenden negativen Einfluss der Mafia auf die Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Regionen.

Woher kommt die Mafia und warum bleibt sie bestehen?

Laut Europol basiert die Macht der Mafias auf der Ausbeutung von ihr kontrollierter Gemeinden. Um die Funktionsweise der Organisationen besser zu verstehen, die Wahlen und Märkte beeinflussen, müssen Konzepte wie Familie, Macht, Respekt und Territorium berücksichtigt werden.

In der Forschung wird der Ursprung von Mafias regelmäßig auf das durch fehlende staatliche Durchsetzungskraft entstandene Machtvakuum zurückgeführt. Mafias bieten demnach privaten Schutz für diejenigen an, die ihn brauchen. Sie agieren als private Unternehmer, deren Dienstleistungen zur Durchsetzung von Eigentumsrechten und Verträgen erforderlich waren oder sind. Diese Vorstellung ist unter Wissenschaftlern weiterhin verbreitet und spiegelt sich in der Hypothese des Ressourcenfluches wider, wonach Ressourcenreichtum zu einer höheren Nachfrage nach Schutzleistungen privater Organisationen führt, die schließlich das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellen.

Der Schutz von Eigentum ist Teil der Erklärung der historischen Entstehungsgeschichte von Mafias. Der Verweis auf die Durchsetzung privater Eigentumsrechte kann jedoch die von der Mafia in jüngerer Zeit gespielte Rolle nicht umfassend erklären.

Erstens ist unklar, warum Mafias weiterhin für den Schutz des Eigentums zuständig sein sollten, wenn diese Aufgabe vom modernen Rechtsstaat effizienter angeboten werden kann. Zweitens lässt der deutliche negative Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Präsenz von Mafias in verschiedenen Regionen darauf schließen, dass Wirtschaftswachstum organisiertes Verbrechen reduziert. Leider bestätigen die Daten das nicht.

Eine Frage der Umverteilung?

Schutz wird nicht mehr nachgefragt. Die Mafias haben sich dieser Änderung angepasst. Stattdessen antworten Mafias heute auf die Nachfrage nach Umverteilungsmaßnahmen. Darauf gibt es Hinweise in Untersuchungsunterlagen und Gerichtsentscheidungen. Mafias nutzen ihre Einkommensströme aus illegalen Aktivitäten, um Personen zu unterstützen, die ihr wohlgesonnen sind. Es kommt zu einem sich selbstverstärkenden Prozess. Die organisierte Kriminalität behindert den Wettbewerb und leitet Ressourcen von produktiven zu unproduktiven Aktivitäten um. Dadurch verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage weiter, worauf Menschen mit einer höheren Nahchfrage nach Umverteilung, die teilweise von der Mafia befriedigt wird.

Mafias profitieren also von den durch sie herbeigeführten Effizienzverlusten. Dies erklärt auch die breite Zustimmung, die Mafias in einer Gesellschaft genießen, die durch mangelnde wirtschaftliche Chancen gekennzeichnet ist.

Legale Märkte und kriminelle Strukturen

Cosa Nostra, Camorra und Ndrangheta sind nicht die einzigen Mafias in Europa. Darüber hinaus gibt es chinesische und russische Netzwerke. Zu den Hauptaktivitäten dieser Netzwerke gehören vor allem Geldwäsche und Drogenhandel. Sie fungieren aber auch als Produktfälscher und handeln mit giftigen Abfällen. Die Aktivitäten dieser Gruppen sind tiefgreifend und die enormen Gewinne der Mafias aus dem Drogenhandel werden reinvestiert. Dies führt dazu, dass Mafias letztlich in nahezu allen Industriezweigen und Dienstleistungsgewerben präsent sind. Das schadet dem marktwirtschaftlich organisierten Wettbewerb.

Aufgrund ihrer langen Erfahrung verstanden Italiener als erste, dass die Beschlagnahmung von Vermögenswerten krimineller Organisationen der einzige Weg ist, Mafias effektiv zu bekämpfen. Der italienische Politiker Pio La Torre leistete Pionierarbeit im Kampf gegen die italienische Mafia und wurde von ihr getötet. Die Strategie im Kampf gegen die Mafias ist inzwischen zur Priorität der EU-Strategie der inneren Sicherheit geworden. Dennoch gibt es weiterhin große Lücken in den Rechtsvorschriften. Die Beschlagnahmung von kriminell erwirtschafteten Erträgen und Vermögenswerten ist nicht nur ein wirksames Mittel zum Schutz legaler Märkte. Es ist auch das einzige effektive Instrument, um zu verhindern, dass Mafias ihr Vermögen in wirtschaftlich schwachen Regionen einsetzen, um Ressourcen in unproduktive Aktivitäten zu leiten und so den Rückhalt für sie in der Bevölkerung zu stärken.

Übersetzung des Texts "Mafia and the market". Ursprünglich erschienen hier

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