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Hunger und Armut - Rückschlag durch Corona?

Die Bekämpfung von Hunger und Armut war ein zentrales Ziel der UN-Millenniumsvereinbarung aus dem Jahr 2000. Hunderte Millionen Menschen sind seitdem extremer Armut entkommen. Ökonomen der Weltbank befürchten jetzt, Corona werde die globale Armut erhöhen, wovon insbesondere Menschen in den armen Ländern Südasiens und Subsahara-Afrikas betroffen wären. Erstmals seit Jahrzehnten könnte die Zahl der Personen weltweit, die in extremer Armut leben, wieder steigen.

Bekämpfung von Hunger und Armut: Bisher auf gutem Wege

Nach dem Millenniumsziel der Bekämpfung von extremer Armut und Hunger sollte es bis 2015 gelingen, den Anteil der Menschen weltweit, deren tägliches Einkommen weniger als 1,25 Dollar beträgt, zu halbieren. Dieses Ziel wurde erreicht. Lebten 1990 noch 36 Prozent der globalen Bevölkerung in extremer Armut, waren es 12 Prozent im Jahr 2015. Dabei fiel der Anteil in extremer Armut lebender Menschen in Entwicklungsländern von etwa 50 Prozent 1990 auf 14 Prozent im Jahr 2015.

Das Ziel der Verringerung des Anteils der weltweit Hungerleidenden um ebenfalls die Hälfte über denselben Zeitraum konnte in den Entwicklungsländern nahezu erreicht werden. Der Anteil unter Hunger Leidender weltweit sank von 18,6 Prozent 1990 auf 10,7 Prozent im Jahr 2015. Insbesondere der Rückgang von extremer Armut und Hunger in China und zuletzt Indien hat zu der positiven Entwicklung beigetragen.

Extreme Armut wird weiter zurückgehen

Die im Jahre 2000 formulierten Millenniumsziele wurden im Jahr 2015 durch die „Sustainable Development Goals“ abgelöst. Das bezüglich extremer Armut neu ausgegebene Ziel besteht darin, die Zahl der Menschen, die von weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben, bis 2030 auf 3 Prozent oder weniger zu senken.

Prognosen der Weltbank und anderer Organisationen sahen das neue Ziel allerdings schon vor den möglichen Rückschlägen durch Corona nicht in Reichweite. Im Jahr 2030 könnten weiterhin 6 Prozent der Weltbevölkerung unterhalb der Armutsgrenze von 1,9 Dollar leben. Zwar würde auch dies implizieren, dass deutlich weniger Menschen in extremer Armut lebten als heute, aber das Ziel von 3 Prozent würde verfehlt werden. Den Prognosen zufolge sind in Asien und der Pazifikregion weitere deutliche Fortschritte bezüglich der Anzahl in absoluter Armut lebender Menschen zu erwarten, in Subsahara-Afrika jedoch nicht.

Armut und Corona

Wie stark die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Menschen in armen Ländern sein werden, ist bisher schwer abschätzbar. Das Virus verbreitet sich etwa in Afrika zeitlich verzögert und trifft auf eine relativ junge Bevölkerung. Zudem sind einige afrikanische Staaten durch Viren wie Ebola bereits erfahren im Umgang mit Seuchen. Diese Effekte lassen weniger Todesfälle als direkte Folge einer Viruserkrangung erwarten, als eine Betrachtung nur der niedrigen Einkommensniveaus in diesen Ländern nahelegen würde.

Die vom Virus verursachte Wirtschaftskrise hat allerdings potentiell massive indirekte Effekte. Menschen, die vor der Pandemie knapp über der Schwelle zur extremen Armut lebten, könnten darunterfallen. Diesen möglichen Effekt haben zwei Studien der Weltbank und der UN untersucht. Beide Studien erforschen keine spezifischen Wirkungskanäle, wie die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sich auf die Einkommen der Menschen in armen Ländern niederschlagen, sondern liefern eine Überschlagsrechnung für die Auswirkungen eines BIP-Rückgangs auf die Anzahl der in extremer Armut lebenden Menschen.

Die Forscher der Weltbank legen ihren Berechnung die Prognose eines Rückgangs des globalen BIP um 5,2 Prozent zu Grunde. Im Basisszenario erhöht sich die Zahl der in extremer Armut Lebender, auch hier definiert als Personen mit einem Einkommen von weniger als 1,90 Dollar pro Tag, um 71 Millionen. Dies würde einer Erhöhung der weltweiten Armutsquote um 0,9 Prozentpunkte entsprechen. Die am stärksten von den Auswirkungen betroffene Region wäre laut Weltbank Subsahara-Afrika, da dort viele Personen nur knapp über der Armutsgrenze leben.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Forscher der UN. Sie rechnen damit, dass zusätzliche 80 Millionen Menschen durch die wirtschaftlichen Auswirkungen in extremer Armut leben werden. Auch in diesem Modell ist die Region Subsahara-Afrika neben Südasien am stärksten betroffen. Zusammen stellen diese beiden Regionen gemäß der UN-Schätzungen 80 bis 85 Prozent der Personen, die sich durch die Pandemie in extremer Armut wiederfinden werden.

Beide Schätzungen beziehen sich auf die kurze Frist. Tritt eine wirtschaftliche Erholung ein, kann sich die Anzahl der Betroffenen wieder reduzieren. Wie stark Corona die Bekämpfung der extremen Armut zurückwirft, hängt somit entscheidend davon ab, wie schnell die durch die Pandemie verursachte Wirtschaftskrise überwunden wird. Wie bald es dazu kommen wird, ist heute alles andere als gewiss.

Subsahara weiterhin Schlusslicht

Extreme Armut und Hunger sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Die ursprünglichen Millenniumsziele zur Bekämpfung von Hunger und Armut konnten erreicht werden. Die neuen für das Jahr 2030 ausgegebenen Ziele können trotz weiterer Fortschritte voraussichtlich nicht erreicht werden, auch aufgrund der Rückschläge durch die aktuelle Pandemie. Besonders Subsahara-Afrika ist weiterhin stark von Armut und Hunger betroffen. Es bleibt zu hoffen, dass in den nächsten Jahrzehnten auch Menschen in dieser Region von der Stärkung demokratischer Strukturen begleitet von Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft werden profitieren können.

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