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Impfen: Hoch die Hände Wochenende?

Freitag 2. April 2021, von Alexander Fink, Fabian Kurz

„In jeder Familie gibt es jemanden, der geimpft worden ist“, bekundete Gesundheitsminister Jens Spahn Mitte März. Damit wollte er etwas Optimismus bezüglich der deutschen Impfkampagne verbreiten, nachdem zunehmend Kritik laut wurde. Vor dem Hintergrund der Impferfolge anderer Länder setzt sich auch hierzulande zusehends die Erkenntnis durch, dass der Faktor Impfgeschwindigkeit für eine erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie entscheidend ist. Je früher eine Person geimpft ist, desto weniger Gelegenheiten bieten sich für eine Infektion. Besonders schmerzlich sind etwa Berichte aus Altenheimen, bei denen die Impfteams nur wenige Tage zu spät eintrafen und sich Heimbewohner kurz zuvor infizierten und einige schließlich verstarben.

Gelieferte Dosen sollten stets umgehend verimpft werden - just in time. Die Realität sieht leider anders aus.

Impfstoffseen und Dosenberge

Dass Politik und Verwaltung die Dringlichkeit der Verimpfung gelieferter Impfdosen nach über einem Jahr Pandemie anscheinend noch immer nicht erkannt haben, zeigt sich an den wachsenden Bergen ungenutzter Impfdosen. Die Bundesländer schaffen es seit Beginn der Impfungen nicht, die wöchentlich gelieferten Dosen auch wirklich in Oberarme zu spritzen. Am 29. März 2021 stapelten sich bereits über 2,6 Millionen Dosen in den Kühlschränken der Bundesländer.

Einige Bundesländer lagern Impfdosen bewusst ein, um eine Zweitimpfung sicher zu stellen. Dieses Vorgehen ist aus zwei Gründen nicht überzeugend. Erstens, ein hoher Impfschutz tritt bereits nach der ersten Impfung ein, welcher mit hoher Wahrscheinlichkeit Krankenhauseinweisungen und den Tod zuverlässig verhindert. Zweitens, für die kommenden Monate werden deutlich größere Liefermengen erwartet, mit denen auch Zweitimpfungen vorgenommen werden können.

Impfen am Wochenende?

Vielfach wird die Ambitionslosigkeit der deutschen Impfkampagne daran festgemacht, dass an Wochenenden die Zahl der Impfungen deutlich niedriger ist als unter der Woche. Tatsächlich lassen sich auch ohne einen Blick in den Kalender die Wochenenden in den Impfstatistiken erkennen.

Die Wochenendpausen können nicht damit erklärt werden, dass gegen Ende der Woche den Impfzentren der Impfstoff ausgeht. Zum einen steigen die Impfungen montags sofort wieder an, auch ohne zusätzliche Lieferungen. Zum anderen liegen Millionen Dosen auf Lager.

Raus aus der Ambitionslosigkeit

Zwar mögen die Wochenendpausen tatsächlich ein Indiz für die Bräsigkeit der Impfverwaltung sein, doch insgesamt erfolgt die Verimpfung relativ gleichmäßig. Eine optimale Impfstrategie würde jedoch zu einer noch viel höheren Schwankung der täglichen Impfungen führen.

Würde die zeitliche Dringlichkeit der Impfung angemessen bewertet, würden Dosen noch am Tag der Lieferung komplett verimpft werden. Es gäbe also Tage, an denen massiv geimpft wird, und Tage, an denen gar nicht geimpft wird, weil auf die nächste Lieferung gewartet wird. Die relativ gleichmäßige Verimpfung ist also ein Indikator dafür, dass die Relevanz zügiger Impfungen verkannt bleibt.

Kapazitäten: „What ever it takes“

BioNTech/Pfizer liefert jeden Dienstag neue Dosen an die Bundesländer aus. Wenn die Dosen bis spätestens Mittwochmorgen in den lokalen Impfzentren eintreffen, sollten sie dort auch noch am gleichen Tag verimpft werden. Werden die gelieferten Dosen über eine Woche gestreckt, geht wertvolle Zeit verloren und einige Menschen erreicht die lebensrettende Impfung ein paar Tage zu spät, wie etwa die Bewohner eines Seniorenzentrums im bayrischen Kitzingen, in welchem sieben Bewohner in Folge einer Corona-Infektion starben, weil die Impfung einige Tage zu spät erfolgte.

Die Bundesländer versichern, dass ihre Impfzentren noch deutlich höhere Impfungen pro Tag stemmen könnten. Angesichts der wenigen bisher gelieferten Dosen sollte eine sehr zügige Verimpfung innerhalb eines Tages folglich kein Kapazitätsproblem sein.

Wenn doch Kapazitätsprobleme gegen eine sofortige Verimpfung sprechen, dann sollten die Kapazitäten schleunigst ausgebaut werden. Hier liegt ein Fall vor, der die Redewendung rechtfertigt, dass „alles“ getan werden sollte, um stets eine vollständige Verimpfung innerhalb eines Tages zu schaffen. Dafür könnten, wie geplant, Hausärzte mit in die Impfungen einbezogen werden, aber auch Apotheken.

Lagerhaltung kostet Menschenleben

Eine Überschlagsrechnung verdeutlicht die tödlichen Folgen der schleppenden Verimpfung gelieferter Impfstoffe. Derzeit beginnen viele Bundesländer mit der Impfung in der Prioritätsgruppe 2, also vor allem Menschen im Alter zwischen 70 und 80 Jahren. In der 12. Kalenderwoche lag die Inzidenz der 70- bis 74-Jährigen bei 75,99 und die der 75- bis 79-Jährigen bei 56,31. Insgesamt ergibt sich eine gewichtete Inzidenz von 65,9 für die Gruppe der 70- bis 80-Jährigen. Die Fallsterblichkeit in diesen Kohorten liegt bei gut 8 Prozent. Wenn von gut 65 von 100.000 Infizierten innerhalb einer Woche ausgegangen wird, dann sterben über fünf Infizierte pro 100.000 Menschen. Werden eine Million Dosen mit einer Verzögerung von einer Woche verimpft, sterben nach dieser Überschlagrechnung zusätzliche 50 Personen. Würden die gut 2,5 Millionen eingelagerten Dosen umgehend verwendet werden, könnten demnach 125 Todesfälle in der Gruppe der 70- bis 80-Jährigen verhindert werden - pro Woche!

Jede Impfung zählt

Der Faktor Geschwindigkeit wird bei den Impfungen sträflich vernachlässigt. Gelieferte Dosen werden nicht sofort genutzt. Es bleiben gar erhebliche Mengen bis zur nächsten Lieferung übrig. Das Resultat ist ein anschwellender Berg ungenutzter Impfdosen, dessen Nichtnutzung jede Woche vielen Menschen das Leben kostet. Der zügigen und vollständigen Nutzung gelieferter Impfdosen sollte stattdessen höchste Priorität eingeräumt werden.

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