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Impfung: Fragen Sie ihren Arzt und Apotheker!

Angesichts tausender täglicher Neuinfektionen, vielen Todesopfern und hohem wirtschaftlichen Schaden sind in den nächsten Monaten weitere Anstrengungen nötig, um die Anzahl täglicher Corona-Impfungen deutlich zu erhöhen. Es ist daher richtig, dass auch Hausärzte in die Impfungen eingebunden werden, sobald mehr Impfstoff verfügbar ist. Einen weiteren Beitrag zur Impfkampagne könnten die rund 19.000 Apotheken in Deutschland leisten. Dafür müssten jetzt die Weichen gestellt werden. Dieser Schritt würde sich auch langfristig auszahlen: Impfungen in Apotheken können zu einer umfangreicheren Immunisierung der Bevölkerung auch gegen andere Krankheiten beitragen.

19.000 dezentrale Impfzentren

Nicht nur Ärzte sind grundsätzlich befähigt Impfungen vorzunehmen. Auch Apotheker sind dazu in der Lage. Dass dem nicht nur theoretisch so ist, zeigen Erfahrungen aus anderen Ländern und ein erstes Modellprojekt in Deutschland. Apotheker sind mit dem Umgang mit Medikamenten, der Einschätzung ihrer Nebenwirkungen und ihrem Handling offensichtlich vertraut. An der grundsätzlichen Eignung und Qualifikation von Apothekern kann kaum ein Zweifel bestehen.

Würden neben Hausärzten auch Apotheker die Corona-Impfung vornehmen, könnten bis zu fast 19.000 „Mini-Impfzentren“ die tägliche Anzahl an Impfungen auf einen Schlag erhöhen.

Impfungen in Apotheken - Nichts Neues

Impfungen in Apotheken sind nichts Revolutionäres. In anderen Ländern wie den USA, Portugal, Irland und Großbritannien sind Impfungen in Apotheken seit Jahren üblich. In manchen Ländern werden nur die jährlichen Grippeimpfungen in Apotheken angeboten, in anderen dagegen auch alle anderen Impfungen.

Impfungen in Apotheken sind ein äußerst niedrigschwelliges Angebot. In der Regel ist keine Terminvereinbarung notwendig - geimpft wird, wer vorbeikommt. Es überrascht nicht, dass so die Impfraten teilweise deutlich erhöht werden. In Portugal, wo Impfungen in der Apotheke erstmals in der Grippesaison 2008/2009 stattfanden, stieg die Gesamtabdeckung für Patienten ab 65 Jahren im Vergleich zur vorherigen Saison um 6,5 Prozent.

Auch in Deutschland sind Impfungen in Apotheken nicht gänzlich unbekannt. Seit dem letzten Jahr haben Apotheken im Rahmen eines Modellprojekts die Möglichkeit, Grippeimpfungen durchzuführen. Dafür schließen die Apotheken bzw. ihre regionalen Verbände Verträge mit den entsprechenden Krankenkassen. Das Paul-Ehrlich-Institut und das Robert-Koch-Institut prüfen dann, ob die Verträge die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Zudem ist eine etwa neunstündige Fortbildung vorgeschrieben.

Bisher nehmen nur wenige Regionen an dem Modellprojekt teil. Nicht teilnehmende Regionen, etwa in Thüringen, weisen darauf hin, dass ihre Berufsordnung Impfungen untersage. In den Modellregionen wurden solche Bestimmungen, wenn vorhanden, gestrichen. Die grundsätzlichen regulatorischen Vorrausetzungen für Impfungen sind bekannt und könnten deutschlandweit umgesetzt werden.

Finanzielle Anreize für Impfungen in Apotheken

Die Erlaubnis von Impfungen durch Apotheker sollte durch attraktive finanzielle Anreize begleitet werden. Nur dann wäre die Erlaubnis wirkmächtig. Manche Apotheken sind mit den notwendigen Ressourcen wie etwa separaten Räumen oder Liegen bereits ausgestattet, andere müssten zusätzliche Räume anmieten, Container aufstellen oder Zelte aufbauen lassen. Diesen Aufwand würden sie nur angesichts entsprechender erwarteter Einnahmen betreiben.

Wie in dem Modellprojekt zur Grippeimpfung könnten die Apotheker mit den jeweiligen Krankenkassen pauschale Erstattungen pro Impfung aushandeln. Es liegt nahe, dass Krankenkassen bei den Verhandlungen nicht die Gesamtkosten der Pandemie im Blick haben, sondern nur die Kosten durch die Behandlung von Covid-19 vermeiden wollen. Der Bund könnte deshalb bei Erreichen ambitionierter Impfziele gestaffelte Boni an die Krankenkassen auszahlen, die umso höher ausfallen je höher die Anzahl Geimpfter ist. Ohne die Boni würden die Krankenkassen möglicherweise zu geringe finanzielle Anreize setzen und folglich würden zu wenige Impfungen durchgeführt werden. Ähnliche Boni könnten auch für Impfungen durch Hausärzte ausgelobt werden, um die Krankenkassen dazu zu bewegen, auch für Hausärzte Impfungen finanziell attraktiver zu machen.

Impfung in Apotheken: Auch langfristig

In den kommenden Monaten sollten Impfungen in Hausartpraxen durch Impfungen in Apotheken flankiert werden. Kurzfristig könnten so die Corona-Impfkapazitäten deutlich erhöht und die Zugangsbarrieren für Impfwillige abgesenkt werden. Großbritannien macht es bereits vor: Kurz nach der Zulassung des Oxford-AstraZeneca Impfstoffs wurden in Großbritannien Corona-Impfungen durch Apotheken angekündigt. Langfristig kann das niedrigschwellige Impfangebot durch Apotheken auch hierzulande zu höheren Impfraten gegen vielfältige Krankheiten beitragen.

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