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Kauflaune trifft Lieferengpässe: Weihnachtsgeschenke lieber jetzt schon kaufen

Samstag 20. November 2021, von Sergio Beraldo

Das ifo Institut München veröffentlichte kürzlich neue Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Aktuell wird das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für das Jahr 2021 auf 2,5 % geschätzt. Die ifo Konjukturprognose im Sommer 2021 lag noch bei 3,3 %, die Prognose der Europäischen Kommission aus dem letzten Jahr sogar bei 3,6 %. Gleichzeitig hob das ifo Institut die erwartete Wachstumsrate für 2022 auf 5,1 % an. Ab 2023 wird sich die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des ifo wieder wie in den Jahren vor Corona entwickeln.

Lieferengpässe bei Vorprodukten

Ifo Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erklärt die späte Erholung mit der schwachen Entwicklung des Industriesektors. Trotz ausreichender Nachfrage schrumpft die Produktion im zweiten Quartal um 1,3 %, da wichtige Zwischengüter aufgrund von Lieferengpässen nicht zur Verfügung stehen.

Wollmershäuser betont insbesondere, dass die deutschen Unternehmen darunter leiden, dass ihnen wichtige Vorprodukte fehlen, für die das Angebot nicht schnell genug erhöht werden kann. Zudem würden Vorprodukte teilweise von anderen Branchen und Ländern genutzt. Fraglich ist, ob diese Lieferschwierigkeiten tatsächlich, wie vom ifo Institut erwartet, überwunden werden können oder ob sie Hinweise auf gravierendere Probleme sind.

Stau auf hoher See

Der internationale Handel wird zum Großteil über Schiffe abgewickelt. So wurden 2020 laut Verkehrsministerium der Vereinigten Staaten 40,2 % des Wertes (mehr als 1,5 Billionen $) und 69,9 % des Gewichts (1,5 Mrd. Tonnen) des amerikanischen Außenhandels auf dem Seeweg transportiert.

Aufgrund geltender Quarantäne-Regelungen zur Eindämmung von COVID-19 müssen Schiffe zurzeit oft tagelang warten, bevor sie anlegen dürfen. Insbesondere die Null-Covid-Strategie Chinas führt zu großen Schwierigkeiten. Viele Häfen wurden im letzten Jahr zeitweise geschlossen, darunter ein wichtiges Terminal im Hafenverbund Ningbo-Zhoushan.

Stau in den Häfen ist aber nicht nur in China ein Problem. Vor Los Angeles und Long Beach warten aktuell rund 95 Schiffe auf ihre Entladung. Weltweit liegt 37,3 % der Containerflottenkapazität vor Anker oder wartet in den Häfen. Bis zur Corona-Pandemie galten bereits 30 % als außergewöhnlich hoch. In Los Angeles wird deshalb zurzeit jedem Schiff ein Zeitfenster für die Be- und Entladung zugewiesen. Wird das verpasst, muss ein neues Fenster beantragt werden.
Das führt zu weiteren Unsicherheiten. Jami Warner, der Geschäftsführer des amerikanischen Weihnachtsbaumverbandes, sagt deshalb zu Recht: „Wenn ich Verbrauchern einen Tipp geben kann, dann dass sie ihren Weihnachtsbaum früh kaufen sollten.“

Doch nicht nur in den Vereinigten Staaten gefährden die chaotischen Verhältnisse auf den Weltmeeren den Weihnachtseinkauf. Laut einer ifo Umfrage haben 74 % der Einzelhändler Lieferprobleme. Der Leiter der ifo Umfrage Klaus Wohlrabe merkt deshalb zu Recht an: „Manches Weihnachtsgeschenk wird vielleicht nicht lieferbar sein oder teuer werden.“

Reedereien sehen weiter Engpässe

Seit Beginn 2020 sind die Kosten für den Seetransport stark gestiegen. [1] Die Welt braucht deshalb dringend mehr Container und eine erweiterte Infrastruktur. Nicht ohne Grund chartern große Unternehmen wie IKEA und Walmart selbst Schiffe, um Lieferengpässe zu vermeiden und die eigene Versorgung sicherzustellen.

Sergio Spinosa, der Geschäftsführer von X-Press Feeders, dem weltweit größten Unternehmen für Containerzubringerdienstleistungen, ist wenig optimistisch. Gegenüber IREF sagte er, er sehe keine Anzeichen dafür, dass die Situation vor Anfang 2023 besser wird. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass der Inflationsdruck weiter steigen und das Wachstum weiter nachlassen wird, auch in Deutschland.

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