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Klimaschädlicher Paketwahn?

Onlineshopping wird immer beliebter. Gemäß einer Umfrage aus dem Jahr 2019 bestellten fast 90 Prozent der 25- bis 44-Jährigen in den vergangen drei Monaten über das Internet. Sogar fast jeder zweite über 65-Jährige gab an, online auf Einkaufstour gewesen zu sein. Doch wird auch Kritik laut: Das Onlineshopping sei schlecht für das Klima. So wird beispielsweise in der Süddeutschen Zeitung im Kampf gegen den durch Onlineshopping ausgelösten „Paketwahn“ höheres Porto gefordert, um die Umwelt zu schonen. Auch bei der Welt werden in einem Kommentar höhere Preise als ein Beitrag zum Klimaschutz erachtet. So geht aus dem Beitrag hervor, Onlineretouren würden in Deutschland täglich so viel CO2 verursachen wie 2.200 Autos, die von Hamburg nach Moskau fahren. Müssen wir also ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir Schuhe, Smartphones und Windeln online bestellen? Studien haben die Auswirkungen des Onlinehandels untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass Onlinebestellungen oft nicht mehr Treibhausgase verursachen als der Kauf im stationären Handel. Verbesserungspotential gibt es dennoch.

Onlineshopping: Weniger Individualverkehr

Onlinebestellungen können gemäß einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2016 dazu beitragen, dass Menschen weniger Autofahrten zwecks Shopping im stationären Handel unternehmen. Insgesamt erwarten die Wissenschaftler für Schweden durch die steigende Beliebtheit des Onlinegeschäfts einen um 2 Prozent niedrigeren CO2 Ausstoß im Jahr 2030 im Vergleich zu 2012.

Treibhausgasemissionen sind beim Einkauf von Kleidung im stationären Handel von der Entfernung des Konsumenten zum aufgesuchten Geschäft und dem Fortbewegungsmittel abhängig. Gemäß den Ergebnissen einer Analyse aus der Schweiz aus dem Jahr 2018 können nur Shoppingtouren, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten werden, einen ähnlich niedrigen CO2-Ausstoß vorweisen wie Onlinebestellungen.

CO2-Bilanz: Zustellmethode ausschlaggebend

Eine Studie aus dem Jahr 2015 untersucht die Treibhausgasemissionen im stationären Handel sowie der verschiedenen Lieferwege des Onlinehandels für Großbritannien. Die Treibhausgasemissionen eines Einkaufs im stationären Handel ergeben sich laut der Studie nicht nur durch die Anfahrt der Kunden, sondern auch durch den Betrieb des Geschäftes vor Ort.

In den Untersuchungen für Großbritannien werden für den stationären Handel und den Onlinehandel Emissionen umfassend berücksichtigt, die ein Produkt ab der Fertigstellung im Werk bis zur Lieferung zum Endkunden verursacht. So fließt in die Untersuchung ein, dass Onlineeinkäufe nur bis zu einem gewissen Grad Einkäufe in Geschäften ersetzen. Außerdem werden Retouren berücksichtigt und Fahrtwege zu Poststationen, weil die Lieferung nicht zugestellt werden konnte.

Die Forscher der britischen Studie betonen, dass die Zustellungsart im Onlinehandel wesentlich dafür verantwortlich ist, wie viele Treibausgase freigesetzt werden. So sei bei der Zustellung spezieller Waren - etwa Einkäufe, die nicht wöchentlich getätigt werden - die Versendung über Paketdienste am attraktivsten. Die Paketzustellung durch DHL, Hermes und Co. sei vor allem deswegen vergleichsweise emissionsarm, weil die Zustellwege pro gelieferte Ware relativ kurz sind und in der Regel auch weitere Lieferungen in unmittelbarer Nähe erfolgen. Für größere Bestellungen sei die Zustellung durch Paketdienste weniger attraktiv, da sie öfter aufgeteilt würden, um die Lieferung zu beschleunigen.

Bei Bestellungen zwischen 2 und 22 Artikeln ist der stationäre Handel im Vorteil, wenn die Kunden nicht zum Einkauf in das Geschäft kommen, sondern die Artikel von den Ladengeschäften ausgeliefert werden. Die bestellten Artikel werden, im Gegensatz zu der regelmäßig erfolgenden Aufteilung der Bestellungen durch Paketdienste, in der Regel gebündelt ausgeliefert. Zudem sind bei der Auslieferung durch den stationären Handel die Lieferwege zum Kunden relativ kurz.

Da Lagerung, Sortierung und Logistik in relativ kleinen Geschäften aufwendiger und energieintensiver sind als in größeren Logistikzentren, überwiegt der Effizienzvorteil größerer Logistikzentren großer Onlinehändler bei größeren Bestellungen die längeren Lieferwege im Vergleich zur Auslieferung durch den stationären Handel.

Insgesamt bieten der Studie zufolge Onlinebestellungen für jede Einkaufsgröße eine Zustellmethode, die weniger Treibhausgasemissionen verursacht als der stationäre Handel. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine frühere britische Studie, die die CO2-Emissionen der „letzten Meile“ untersucht. Sie unterstreicht jedoch, dass sich die CO2-Bilanz im stationären Handel verbessert, sobald Einkäufe mit anderen Aktivitäten verbunden werden, etwa dem Rückweg von der Arbeit.

Onlinelieferungen optimieren

Die empirischen Studien illustrieren nicht nur, dass der Onlineeinkauf klimaschonender sein kann als der Weg in stationäre Geschäfte, sondern identifizieren darüber hinaus zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten. Treibhausgasemissionen könnten im Onlinehandel insbesondere durch besseres Zustell- und Retourenmanagement reduziert werden.

Können Pakete nicht direkt zugestellt werden, erhöht dies den CO2-Ausstoß, da entweder ein weiterer Zustellversuch erfolgen muss oder die Empfänger zur Poststation zur Abholung müssen. Diesbezüglich bieten sich verschiedene Möglichkeiten der Optimierung. Zum einen erhöhen vorangekündigte Lieferfenster die Wahrscheinlichkeit, den Empfänger anzutreffen. Zum anderen kann die Zeit der Zustellung mit Hilfe künstlicher Intelligenz besser auf die Kunden abgestimmt werden. Lokal aufgestellte Paketboxen und über Smarthome ferngesteuerte Türen können ebenfalls dazu beitragen, die Zustellung bereits beim ersten Anlauf gelingen zulassen.

Auch hinsichtlich der Retouren gibt es Verbesserungspotenzial. Werden die Retouren durch die Konsumenten mit dem PKW zu einer Abgabestelle gebracht, ergibt sich eine zwölfmal höherer CO2 Ausstoß als bei der Rücknahme durch einen Lieferdienst auf seiner Auslieferungstour.

Eine weitere Stellschraube zur CO2-Reduktion ist die Verringerung der Retourenquoten. Während laut Daten von PostNord Lebensmittel gerade einmal in 1,3 Prozent aller Fälle zurückgeschickt werden, wird im Bereich Bekleidung fast jedes dritte Paket zurückgesendet. Dies hat einen recht simplen Grund: Kleidungsstücke passen häufig nicht richtig. Retouren im Bereich Kleidung könnten daher vor allem durch eine bessere Information über die Passgenauigkeit erreicht werden, etwa durch von künstlicher Intelligenz ausgewerteter Bilder. Moderne Smartphones können schon heute räumliche Distanzen messen. Sie könnten zukünftig auch die passende Hosengröße ermitteln.

Onlineshopping: Ein echtes Klimapaket

Onlinebestellungen verursachen CO2. Doch auch der Gang oder die Fahrt zum Einkauf bei einem lokalen Händler erfolgt nicht emissionslos, auch weil der Händler für die Bereitstellung der Waren vor Ort Energie aufwendet. Kritiker sollten daher genau hinschauen. Onlinebestellungen können einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, insbesondere wenn sie mehrere Waren beinhalten und Einkäufe im stationären Handel ersetzen.

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