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Neues Working Paper: Faire Einkommensungleichheit?

Einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Spiegels zu Folge hält eine deutliche Mehrheit der Deutschen die Einkommensverteilung in Deutschland für nicht gerecht. 47,3 Prozent der Befragten erachten die Einkommensverteilung für „auf keinen Fall“ gerecht und 27,5 Prozent für „eher“ nicht gerecht. Lediglich 4,4 Prozent halten die Einkommensverteilung „auf jeden Fall“ für gerecht und 12,5 Prozent für „eher gerecht“. Doch ist die beobachtbare Ungleichheit der Einkommen tatsächlich ungerecht und wie viel Ungleichheit wäre gerecht? Ein IREF Working Paper von Pablo Duarte beleuchtet diese Fragen empirisch.

Beobachtbare Verteilung vs. zur Verteilung führender Prozess

Was ist fair oder gerecht? Eine vermeintlich einfache Frage, die schwer zu beantworten ist. Duarte diskutiert in seinem Papier zwei Gerechtigkeitskonzeptionen: Verteilungsgerechtigkeit und Prozessgerechtigkeit. Die Verteilungsgerechtigkeit definiert Gerechtigkeitskriterien, indem sie sich auf die Merkmale der Verteilung von Einkommen konzentriert, die sich aus einem sozialen Prozess ergeben. Eine absolute Einkommensgleichheit aller Menschen wäre zum Beispiel aus einer strikt egalitären Perspektive gerecht.

Dagegen stellt die Prozessgerechtigkeit bei der Bewertung nicht das Resultat - also die Einkommensverteilung - in den Vordergrund, sondern den sozialen Prozess, der zur beobachtbaren Verteilung geführt hat. Ist der Prozess, aus dem die Einkommensverteilung resultiert und damit die „Spielregeln“ gerecht, ist auch die Einkommensverteilung gerecht. Mit Verweis auf die Tradition von Rawls „Theorie der Gerechtigkeit“ sowie Brennan und Buchanans „The Reason of Rules“ argumentiert Duarte, dass das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz eine Schlüsselrolle spielt, da es eine notwendige Voraussetzung für Prozessgerechtigkeit ist.

Empirische Untersuchungen nutzten bisher die beobachtbare Ungleichheit der Einkommen, um die Gerechtigkeit der Einkommensverteilung einzuschätzen. Duarte hingegen nutzt Daten zur Gleichheit vor dem Gesetz, um den Prozess, aus dem die Verteilung erwächst, als Maßstab für die Gerechtigkeit zu verwenden.

Gleichheit vor dem Gesetz: Wirkungen

Duarte untersucht 87 Länder und nutzt Daten zur Einkommensungleichheit der Standardized World Income Inequality Database (SWIID). Um die Gleichheit vor dem Gesetz quantitativ erfassen zu können, nutzt er Daten des World Justice Project, genauer zwei Komponenten des Rule of Law Indexes. Diese erfassen nicht die de jure Gleichheit vor dem Gesetz sondern die de facto Gleichheit, die aus Umfragen abgeleitet wird.

Ohne für den Einfluss weiterer Faktoren auf die Einkommensverteilung zu kontrollieren, findet Duarte keinen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Einkommensungleichheit und der Gleichheit vor dem Gesetz. Das Bild ändert sich, sobald der Einfluss der Zugehörigkeit zu einer von acht Regionen weltweit, des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf und des Zusammenspiels aus Gleichheit vor dem Gesetz und BIP pro Kopf berücksichtigt wird. Die Ergebnisse deuten auf einen nichtlinearen Effekt der Gleichheit vor dem Gesetz hin.

Je höher das BIP eines Landes ist, desto eher wirkt sich ein Anstieg der Gleichheit vor dem Gesetz negativ auf die Ungleichverteilung der Markteinkommen aus, die Ungleichheit nimmt also ab. In Ländern mit relativ niedrigen BIPs kann das Zusammenspiel aus BIP und Gleichheit vor dem Gesetz jedoch auch dazu führen, dass ein Anstieg der Gleichheit vor dem Gesetz zu einem Anstieg der Ungleichheit der Markteinkommen führt. Einen solchen die Einkommensungleichheit erhöhenden Effekt der Zunahme der Gleichheit vor dem Gesetz findet Duarte für die sechs ärmsten Länder der Stichprobe - alle in Subsahara-Afrika. Das führt er auf eine Erweiterung der Möglichkeiten der Einkommenserzielung zurück, die mit einer Zunahme der Gleichheit vor dem Gesetz für Benachteiligte einhergehen.

Die Ergebnisse nutzt Duarte, um für alle Länder jeweils eine hypothetische gemäß der Prozessgerechtigkeit faire Ungleichheit der Einkommen zu errechnen. Er findet, dass die heutige Einkommensungleichheit in den meisten Ländern höher ist als das Niveau der Ungleichheit, das bei tatsächlicher Gleichheit vor dem Gesetz zu erwarten wäre.

Duarte betrachtet zudem, ob eine ungleiche Behandlung vor dem Gesetz zu mehr Umverteilung führt. Die aus ungleicher Behandlung vor dem Gesetz entstehende und möglicherweise als ungerecht wahrgenommene Verteilung der Einkommen kann durch Umverteilung reduziert werden. Duarte nutzt als Maß für die Einkommensumverteilung den Unterschied des Gini-Koeffizienten - eine übliche Kennzahl für den Grad der Ungleichheit - vor und nach staatlicher Umverteilung. Seine Ergebnisse bestätigen zunächst die Intuition, dass ein höheres Maß an Gleichheit vor dem Gesetz mit weniger staatlicher Umverteilung einhergeht. Allerdings gibt es auch hier eine Interaktion zwischen BIP und Gleichheit vor dem Gesetz, sodass der Effekt in reicheren Ländern weniger stark ausgeprägt ist als in ärmeren Ländern und sich gar umkehren kann. So kann in reicheren Ländern mehr Gleichheit vor dem Gesetz zu mehr Umverteilung führen.

Allgemeingültige Spielregeln durchsetzen

Die konsequente Durchsetzung allgemein akzeptierter „Spielregeln“ kann dazu beitragen, dass sich die Einkommen weniger ungleich verteilen und die Verteilung als gerechter wahrgenommen wird. Nach den Ergebnissen des vorliegenden Papiers gilt das umso mehr, je höher das BIP pro Kopf eines Landes ist. Das wiederum spricht dafür, dass mehr Prozessgerechtigkeit durch eine ausgeprägtere Gleichheit vor dem Gesetz auch in Deutschland die Unzufriedenheit mit der Einkommensverteilung reduzieren könnte.

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