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Neues IREF Working Paper: Wirksamkeit transparenter Nudges

Nudges erfreuen sich bei vielen Regierungen weltweit großer Beliebtheit. Das überrascht nicht. Eingesetzt als staatliches Instrument versprechen Nudges wünschenswerte Verhaltensänderungen, die weder den Genudgten noch der Regierung maßgebliche Kosten aufbürden. Doch es ergibt sich potentiell ein Legitimitätsproblem, wenn der Staat mittels Nudges das Verhalten der Bürger manipuliert. Das Legitimitätsproblem kann der Staat zumindest teilweise lösen, wenn er die Nudges und die mit ihnen verfolgten Ziele transparent macht. Für den Fall von Sozialnorm-Nudges untersuchen Elena Kantorowicz-Reznichenko und Jaroslaw Kantorowicz in einem neuen IREF Working Paper "To Follow or not to Follow the Herd? Transparency and Social Norm Nudges", ob Nudges effektiv bleiben, wenn ihr Einsatz transparent ist. Im Rahmen eines Experiments finden sie, dass durch Transparenz die Effektivität des untersuchten Nudges verlorengeht. Ihre Ergebnisse liefern unter anderem einen Hinweis darauf, dass auch Nudges keine politischen Wunderinstrumente sind.

Nudge: Anstöße für bessere Entscheidungen

Nudge, das Anstoßen oder Schubsen hin zu individuell oder gesamtgesellschaftlich wünschenswerten Entscheidungen, nutzt bekannte Verhaltensverzerrungen von Entscheidungsträgern aus. Wir lassen uns systematisch von der Entscheidungsstruktur bei unseren Entscheidungen beeinflussen. So haben vermeintlich irrelevante Faktoren wie die Reihenfolge der präsentierten Optionen, Voreinstellungen oder die Wortwahl bei der Beschreibung der Optionen häufig einen systematischen Einfluss auf Entscheidungen. Dieser Verzerrungen von Entscheidungen durch scheinbar irrelevante Veränderungen der Entscheidungsarchitektur bedienen sich Nudges.

Nudges und Transparenz

In der von den Autoren im Papier angeführten Literatur gibt es Hinweise darauf, dass im Falle von Voreinstellungen (english defaults) Nudges ihre Wirkung nicht verlieren, wenn sie transparent gemacht werden. Die beiden Autoren widmen sich in ihrem Papier der Frage, ob Nudges im Kontext von Sozialnormen ebenfalls wirksam bleiben, wenn sie offengelegt werden.

Transparenter Nudge durch Sozialnorm unwirksam

Zu diesem Zweck führten sie im Labor mit Teilnehmern folgendes Experiment durch: Die Teilnehmer konnten zwischen zwei Lotterien wählen. Die erste Lotterie versprach eine im Mittel niedrigere Auszahlung als die zweite, aber hatte den Vorteil, dass sich die möglichen Auszahlungen nicht so stark voneinander unterschieden wie die der zweiten Lotterie. Der Erwartungswert der ersten Lotterie war also niedriger, aber sicherer. In Abwesenheit eines Nudges haben sich etwa 25 Prozent aller Teilnehmer für die risikoreichere Lotterie entschieden.

Der Nudge hin zu der risikoreicheren Lotterie mit dem höheren Erwartungswert erfolgte im Experiment durch eine deskriptive soziale Norm, durch die die Teilnehmer darauf hingewiesen wurden, dass sich in der Vergangenheit etwa 90 Prozent aller Teilnehmer für die weniger riskantere Lotterie entschieden haben. Auf diesen Nudge reagierten ausschließlich die männlichen Teilnehmer. 43 Prozent von ihnen entschieden sich in diesem Fall für die risikoreichere Lotterie.

In weiteren Varianten des Experiments wurden die Teilnehmer zunächst auf den Nudge hingewiesen und später über den Zweck des Nudges aufgeklärt. In diesen Fällen entschied sich auch unter den männlichen Teilnehmern wieder nur etwa ein Viertel für die risikoreichere Lotterie.

Die Ergebnisse der Autoren illustrieren eindrücklich, dass Nudges ihre Wirkung verlieren können, sobald die Entscheider darüber aufgeklärt werden, dass ihr Verhalten per Nudge in eine gewisse Richtung gelenkt werden soll. Damit widersprechen die im Papier präsentierten Ergebnisse denen für die fortgesetzte Wirkung von transparenten Nudges im Falle von Voreinstellungen.

Wenn staatliche Nudges, dann transparent

Die Autoren plädieren abschließend dafür, dass Regierungen ausschließlich Nudges einsetzen sollten, die ihre Effektivität beibehalten, wenn sie transparent gemacht werden. Durch die anhaltende Wirkung der Nudges signalisieren die Entscheider nach Ansicht der Autoren, dass sie mit der daraus resultierenden Entscheidung einverstanden sind. Nudges, die ihre Effektivität einbüßen, wenn sie offengelegt werden, sind entweder ineffektiv - wenn sie transparent sind - oder illegitim - wenn sie intransparent sind.

Regierungen, die Nudges zum Einsatz bringen wollen, sollten dem Vorschlag von Kantorowicz-Reznichenko und Jaroslaw Kantorowicz folgen. Leider gibt es keine Entität, die Regierungen nudgen könnte, durch die Anwendung dieser allgemeinen Regel die Nudgingmöglichkeiten der Regierungen zu begrenzen, um im Gegenzug das mit Nudges einhergehende Legitimitätsproblem einzuschränken.

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