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Neues Working Paper: Besteuerung Künstlicher Intelligenz

Im neuen IREF Working Paper “Taxing Artificial Intelligences” erörtern Julian Arndts und Kalle Kappner die steuerpolitischen Implikationen der Beteiligung von mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Maschinen am Produktionsprozess.

Die Autoren argumentieren, dass die Protagonisten der vierten Industriellen Revolution - künstliche Intelligenzen - im Gegensatz zu den nicht-intelligenten Maschinen der vergangenen industriellen Revolutionen durch ein hohes Maß an Ähnlichkeit zu Menschen gekennzeichnet sind. Der in der öffentlichen Debatte verbreitete Ruf nach Robotersteuern basiert daher nicht zuletzt auf der Intuition, dass ähnlich motivierte, ähnlich handelnde und ähnlich denkende Wesen auch ähnlich besteuert werden sollten - in den Worten Bill Gates: „Wenn ein Roboter [...] dieselbe Arbeit macht, die sonst ein Mensch machen würde, sollte man doch denken, dass man den Roboter auf einem ähnlichen Niveau besteuert.“

Diesem Wunsch nach gleichmäßiger Besteuerung von natürlichen und künstlichen Intelligenzen steht der Wunsch entgegen, die Realisierung von Wohlfahrtsgewinnen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz nicht durch hohe Kapitalertragsteuern zu gefährden. Das Papier formuliert ein steuerpolitisches Trilemma. Politische Entscheidungsträger stehen vor der unbequemen Wahl zwischen besteuerungsbedingten Wohlfahrtseinbußen durch Kapitalertragsteuern, einer als ungerecht wahrgenommenen Bevorzugung künstlich-intelligenter Maschinen im Produktionsprozess und dem Verzicht auf die Besteuerung von Arbeitserträgen.

Die Autoren schlussfolgern, dass der Verzicht auf Arbeitsertragsteuern gegenüber höheren Kapitalertragsteuern oder einer steuerlichen Bevorzugung künstlich-intelligenter Maschinen vorzuziehen ist. Das Papier legt dar, dass öffentliche Ausgaben stattdessen durch Konsumsteuern finanziert werden können, die perspektivisch auch den Konsum von künstlichen Intelligenzen besteuern. Hinsichtlich der normativen Debatte um den angemessenen Umgang mit den steuerpolitischen Auswirkungen der vierten industriellen Revolution empfehlen die Autoren, die Verlagerung der Steuerbasis von Produktions- auf Konsumaktivitäten in den Vordergrund zu stellen.

Besteuerung von Mensch und Maschine: Drei wünschenswerte Ziele

Eine Prämisse des Papiers lautet, dass das jeweils wünschenswerte Maß an Besteuerung der Erträge menschlicher Arbeit und von mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Maschinen nicht unabhängig voneinander bestimmt werden kann. Die Autoren identifizieren drei normative Ziele, an deren Realisierung sich ihrer Ansicht nach politische Entscheidungsträger orientieren sollten.

Erstens bilden mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen einen Teil des Kapitalstocks, sodass die Besteuerung ihrer Produktionsleistung eine Form von Kapitalertragsbesteuerung darstellt. Die Autoren legen dar, dass sowohl theoretische und empirische Befunde aus der Optimalsteuer-Literatur für eine möglichst geringe Besteuerung von Kapitalerträgen sprechen. Darüber hinaus präsentieren die Autoren ein normatives Argument gegen Kapitalertragsteuern, das auf dem Prinzip einer an der individuellen Wohlfahrt orientierten Besteuerung fußt. Um allokative Verzerrungen und eine ungerechte Verteilung der Steuerlast zu vermeiden, sollten politische Entscheidungsträger daher möglichst geringe Steuern auf den Ertrag künstlicher Intelligenzen anstreben.

Zweitens argumentieren die Autoren, dass die Definition künstlicher Intelligenz impliziert, dass entsprechend ausgestattete Maschinen Menschen hinsichtlich zentraler Eigenschaften wie der Befähigung zu Bewusstsein und freiem Willen zunehmend ähneln werden. Die Ähnlichkeit künstlicher und natürlicher Intelligenzen begründet nach Ansicht der Autoren ein starkes Argument für eine gleichmäßige Besteuerung ihrer Erträge - unabhängig von einem hohen Maß an Substituierbarkeit in Produktionsprozessen, das auch im Fall herkömmlicher, nicht-intelligenter Maschinen auftreten kann. Um dem Grundsatz der Gleichmäßigkeit der Besteuerung nachzukommen, sollten politische Entscheidungsträger den Ertrag menschlicher Arbeit ähnlich hoch besteuern wie den Ertrag von mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Maschinen.

Drittens präsentieren die Autoren Argumente für die Besteuerung von Arbeitserträgen zwecks Finanzierung von öffentlichen Gütern, Versicherungsleistungen und Umverteilungsvorhaben. Für die fortgesetzte Besteuerung von Arbeitserträgen spricht ihrer Ansicht nach nicht nur, dass entsprechende Steuermechanismen bereits einen großen Teil der Staatsausgaben finanzieren, sondern auch, dass die Steuerlast letztlich nur durch sich selbst besitzende Wesen, also Menschen getragen werden kann. Politische Entscheidungsträger sollten daher auch in Zukunft die Besteuerung von Arbeitserträgen erwägen.

Steuerziele bilden ein Trilemma

Das Kernargument des Papiers ist, dass die drei wünschenswerten Ziele eine Trilemma-Struktur bilden. Es ist nicht möglich, den Ertrag künstlich-intelligenter Maschinen unbesteuert zu belassen, eine gleichmäßige Besteuerung des Ertrags künstlich-intelligenter Maschinen und menschlicher Arbeit zu realisieren und zugleich den Ertrag menschlicher Arbeit substantiell zu besteuern.

Politische Entscheidungsträger müssen daher entweder Wohlfahrtsverluste und eine ungerechte Verteilung der Steuerlast durch hohe Kapitalertragssteuern in Kauf nehmen, oder die steuerliche Ungleichbehandlung von Menschen und ihnen ähnelnden künstlichen Intelligenzen zulassen, oder weitgehend auf Arbeitsertragsteuern verzichten.

Konsumsteuern lösen Trilemma auf

Die Autoren zeigen, dass der Verzicht auf Kapitalertrag- und Arbeitsertragsteuern zugunsten höherer Konsumsteuern einen attraktiven Ausweg aus dem Trilemma bietet. Ein auf Konsumsteuern basierendes Steuersystem stellt sicher, dass mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen und Menschen hinsichtlich ihrer Produktionserträge gleichgestellt und durch Kapitalertragsbesteuerung induzierte Wohlfahrtsverluste verhindert werden. Während keine Steuer auf den Ertrag künstlich-intelligenter Maschinen mehr anfiele, würden deren Eigentümer entsprechend ihres Konsums zum Steueraufkommen beitragen.

Die Verlagerung der Steuerbasis hin zu Konsumaktivitäten ist aus Sicht der Autoren darüber hinaus von Vorteil, weil sie auch dann eine effiziente und gleichmäßige Besteuerung sicherstellt, wenn künstlich-intelligente Maschinen sich selbst besitzen und/oder konsumieren. Abschließend empfehlen die Autoren, die vierte industrielle Revolution als Impuls zu einer auf Konsumaktivitäten fokussierten Umgestaltung des Steuersystems wahrzunehmen.

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