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Neues Working Paper: Bevölkerungsalterung und Größe des Staatssektors

Menschen über 65 Jahre machten 2017 etwa 21 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus. 1960 lag ihr Anteil in der BRD noch bei 11 Prozent. In den kommenden Jahrzehnten wird der Anteil Älterer in Deutschland und in vielen anderen Ländern weiter deutlich zunehmen. In ihrem IREF Working Paper untersuchen Ryan Murphy und Meg Tuszynski von der Southern Methodist University den Einfluss des Anteils Älterer in einer Gesellschaft auf die Größe des Staatssektors. Sie finden empirische Hinweise auf einen positiven Zusammenhang. Je höher der Anteil über 65-Jähriger desto größer ist der Staatssektor. Getrieben wird ihr Ergebnis vor allem durch höhere Staatsausgaben, von denen Ältere direkt profitieren.

Ältere Bevölkerung, höhere Staatsausgaben?

Die Altersstruktur hat das Potential, die Größe des Staatssektors einer Gesellschaft zu beeinflussen, wenn jüngere und ältere Mitglieder der Gesellschaft systematisch verschiedene Präferenzen für den Umfang staatlicher Aktivität haben. So ist es naheliegend, dass jüngere Mitglieder der Gesellschaft ein stärkeres Interesse an Bildungsausgaben des Staates haben. Tendenziell profitieren sie von diesen Ausgaben stärker, denn anders als die über 65-Jährigen haben einige von ihnen ihre Ausbildungsjahre noch vor sich. Hingegen könnten höhere Gesundheits- und Rentenausgaben des Staates im Interesse der älteren Bevölkerung sein, die Nettoprofiteure dieser staatsfinanzierten Leistungen sind.

Die Zunahme des Anteils der über 65-Jährigen könnte die Unterstützung von Sozialversicherungen, von denen vor allem Ältere profitieren, unter den Jüngeren schwinden lassen. Und dennoch könnten sich die Älteren an der Wahlurne durchsetzen, wenn ihr Anteil nur stark genug zunimmt. Wie Murphy und Tuszynski ausführen, spricht die Mehrheit bisheriger empirischer Ergebnisse dafür. Denn ein höherer Anteil Älterer geht in den meisten Fällen mit höheren staatlichen Ausgaben in ausgewählten Politikbereichen einher.

Größe des Staatssektors: Ein umfassendes Maß

Anders als in bisherigen Papiere betrachten Murphy und Tuszynski in ihrem Papier nicht ausgewählte Ausgabenbereiche des Staates, sondern das umfassende Maß "Größe des Staatssektors", das im Economic Freedom of the World Index enthalten ist und sich aus den Kategorien Staatskonsum, Transfers und Subventionen, Staatsunternehmen und Investitionen sowie dem maximalen Grenzsteuersatz auf Einkommen zusammensetzt.

Die beiden Autoren nutzen Daten von 1970 bis 2015 und beziehen bis zu 159 Länder in ihre Analyse ein, um den Zusammenhang zwischen Bevölkerungsalterung und Größe des Staatssektors international zu untersuchen.

Ältere Gesellschaften mit größeren Staatssektoren

Während Murphy und Tuszynski für den Einfluss einer Vielzahl weiterer Faktoren kontrollieren, deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass ein Anstieg des Anteils der über 65-Jährigen in einer Gesellschaft mit einer Ausweitung des Staatssektors einhergeht. Insbesondere verantwortlich für diesen Zusammenhang sind ein Anstieg des Staatskonsums sowie der Transfers und Subventionen. Investitionen hingegen werden nicht positiv beeinflusst. Das passt ins Bild. Ältere Menschen befördern Staatsaktivitäten, von denen sie noch profitieren können. Ausgaben für Investitionen, die sich erst in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten auszahlen, sind aus ihrer Perspektive nicht sonderlich attraktiv.

Die Ergebnisse halten auch dann, wenn die Autoren nicht den Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung als erklärende Variable verwenden, sondern das Verhältnis von über 65-Jährigen zur Bevölkerung im beschäftigungsfähigen Alter.

Belastung der Jungen kein Schicksal

Der voranschreitende demographische Wandel wird unsere Gesellschaften nachhaltig verändern. Setzt sich der im Papier gefundene Trend der vergangenen Jahrzehnte fort, ist damit zu rechnen, dass die Alterung der Gesellschaft einhergehen wird mit einem Wachstum des Staatssektors. Käme es dazu, müssten die zukünftigen jüngeren Generationen einen größeren Anteil ihrer Einkommen mittels des Staates ihren älteren Zeitgenossen zur Verfügung stellen.

Abschwächen ließe sich diese Entwicklung durch eine Vermeidung von Umverteilung von Jung zu Alt im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung und der gesetzlichen Krankenversicherung. So könnte die Beitragspflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung auf eine Mindestsicherung beschränkt und risikoäquivalente Prämien in der gesetzlichen Krankenversicherung erhoben werden. Die notwendige Umverteilung sollte transparent über das Steuersystem erfolgen. Dass in Zukunft weniger Junge mehr Alte unterstützen werden müssen, ließe sich dadurch nicht umgehen. Wer heute jung oder im mittleren Alter ist, hätte jedoch einen stärkeren Anreiz, kapitalgedeckt für die Zukunft vorzusorgen, sich um seine Gesundheit zu kümmern und Krankenkassen sowie Ärzten und Krankenhäusern genauer auf die Finger zu schauen. Die zukünftigen Jungen würden es ihnen danken.

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