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Umlagefinanzierte Rente: Rendite im Sinkflug

Donnerstag 30. September 2021, von Kalle Kappner

Deutschlands gesetzliche Rentenversicherung ist seit 1957 im Umlageverfahren organisiert. Das bedeutet, dass die jährlich eingehenden Rentenbeiträge stets zur Finanzierung laufender Rentenansprüche verwendet werden. Die Rentabilität des Umlageverfahrens - das Verhältnis zwischen individuellen Beiträgen und späteren Renten - wird maßgeblich von der zukünftigen Entwicklung der Erwerbsbevölkerung und deren Produktivität bestimmt.

Aufgrund der demographischen Alterung und des mäßigen Produktivitätswachstums sinkt die Rendite der umlagefinanzierten Rente seit 1970 und wird sich langfristig bei jährlich inflationsbereinigt 1 % einpendeln. Wird die Rentenversicherung per Kapitaldeckung organisiert, hängt ihre Rentabilität von den Kapitalmarktrenditen ab. Zwischen 1970 und 2020 lag die durchschnittliche reale Rendite des DAX und weltweit gestreuter Aktienfonds bei rund 7 %. Die Differenz zwischen der Umlage- und Kapitaldeckungsrendite kann als implizite Kosten des Umlageverfahrens interpretiert werden. Um zukünftige Generationen zu entlasten und die Rente zu stabilisieren, empfiehlt sich daher ein zügiger Ausbau der Kapitaldecke innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung.

Implizite Rendite des Umlageverfahrens

Rentenbeiträge werden im Umlageverfahren nicht angelegt, sondern laufend umverteilt. Eine Rendite im versicherungswirtschaftlichen Sinn generieren die Beiträge daher nicht. Aus Sicht eines am Umlageverfahren teilnehmenden Individuums entspricht das Verhältnis zwischen den über das Berufsleben getätigten Einzahlungen und den im Rentenalter beanspruchten Auszahlungen jedoch einer impliziten Rendite. Im Durchschnitt entspricht diese Umlagerendite der Wachstumsrate der beitragspflichtigen Einkommenssumme.

Sind, wie in Deutschland, nur Löhne beitragspflichtig und wachsen diese langfristig entsprechend der Arbeitsproduktivität, kann die Umlagerendite auch als Summe der Wachstumsraten der Arbeitsproduktivität und der Anzahl der Erwerbstätigen ausgedrückt werden. Für die langfristige Rentabilität des Umlageverfahrens sind daher die demographische Entwicklung und die Arbeitsproduktivität entscheidend.

Demographie: Mittelfristige Abnahme der Erwerbsbevölkerung

Über die letzten hundert Jahre hat sich die demographische Verteilung der deutschen Bevölkerung von einer klassischen „Pyramide“ - viele junge, wenige alte Menschen - zur für alternde Gesellschaften charakteristischen „Zwiebel“ - viele Menschen im mittleren Alter, weniger junge Menschen - gewandelt. Laut aktueller Schätzung von Eurostat wird der demographische Übergang Deutschlands etwa 2060 abgeschlossen sein - dann ähnelt die Alterspyramide einem „Bienenstock“ mit bis ins hohe Alter gleichmäßig verteilter Bevölkerung und einer stabilen Erwerbsbevölkerung.

In der mittleren Frist wird Deutschlands Erwerbsbevölkerung jedoch merklich schrumpfen. 2020 gab es 51,8 Mio. Erwerbsfähige. 2060 werden es bei moderaten Schätzungen bezüglich Lebenserwartung, Geburtenhäufigkeit und Migrationssaldo 40 Mio. sein - das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa -0,5 %.

Arbeitsproduktivität: Langfristig sinkend

Die Arbeitsproduktivität ist das Verhältnis zwischen Bruttoinlandsprodukt und Arbeitsvolumen, wobei letzteres in Arbeitsstunden oder Erwerbstätigen ausgedrückt werden kann. In den letzten 20 Jahren wuchs die Arbeitsproduktivität in Deutschland um jährlich durchschnittlich 0,6 % (pro Erwerbstätigem) beziehungsweise 1 % (pro Arbeitsstunde). Die tatsächliche jährliche Veränderung der Wertschöpfung pro Erwerbstätigem variiert allerdings erheblich - 2009 betrug sie im Zuge der Finanzkrise -5,6 %. Für das Corona-Jahr 2020 waren es -3,8 %. In langfristiger Betrachtung sinkt das Produktivitätswachstum seit dem Zweiten Weltkrieg.

Aufgrund der hohen Variabilität ist eine Abschätzung der zukünftigen Arbeitsproduktivitätsentwicklung kompliziert. Die Bundesbank schätzt auf Basis eines Simulationsmodels, dass die demographische Alterung das Arbeitsproduktivitätswachstum in Deutschland zwischen 2017 und 2030 um 1,2 Prozentpunkte sinken wird - das entspricht einer jährlich um etwa 0,1 Prozentpunkte geringere Wachstumsrate.

Wird die durchschnittliche Wachstumsrate der letzten 20 Jahre um diesen Faktor korrigiert und in die Zukunft projiziert, kann bis 2060 von einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 0,5 % ausgegangen werden. Eine aktuelle Prognose der Bertelsmann-Stiftung rechnet dagegen bis 2035 mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von etwa 1 %. Gasche (2008) geht in einer älteren Schätzung von durchschnittlich 1,5 % aus.

Implizite Umlagerendite: Seit den 1970ern sinkend

Zwischen 1970 und 2020 lag die inflationsbereinigte implizite Rendite der umlagefinanzierten Rentenversicherung bei durchschnittlich 2,5 %. Diese recht ansehnliche Rendite ist jedoch hauptsächlich auf das hohe Erwerbsbevölkerungs- und Produktivitätswachstum bis in die 1990er Jahre zurückzuführen. Schon seit 1970 fällt die Umlagerendite. Zwischen 1970 und 1995 betrug sie durchschnittlich 3,2 %, zwischen 1995 und 2020 waren es 1,8 %.

Unter Annahme einer für Deutschland realistischen Inflationsrate von zukünftig 1,5 % ergeben die oben genannten Prognosen bezüglich der Erwerbsbevölkerung und der Arbeitsproduktivität eine langfristig stabile jährliche Umlagerendite von etwa 1 %. Die tatsächliche Entwicklung hängt von weiteren Faktoren wie dem Rentenniveau, dem Renteneintrittsalter, der Lebenserwartung und der Höhe des Bundeszuschusses ab.

Kapitaldeckung bietet hohe Rendite

Die Alternative zum Umlageverfahren ist das Kapitaldeckungsverfahren, innerhalb dessen die Beiträge bis zum Renteneintritt am Kapitalmarkt verzinst werden. Die Rentabilität der Kapitaldeckung hängt vom Anlagekonzept und -horizont ab. Einen Orientierungsmaßstab für die Rentabilität einer jeweils risikofreudigen, moderaten oder risikoscheuen Anlagestrategie bieten die im Deutschen Aktienindex (DAX), im global gestreuten Aktienindex (MSCI World) oder mittels zehnjähriger Bundesanleihen erzielbaren Renditen.

Zwischen 1970 und 2020 lag die durchschnittliche reale Jahresrendite des DAX bei 7,4 %. Der MSCI World erwirtschaftete im gleichen Zeitraum durchschnittlich 7,1 %. Zwar sind diese jährlichen Kapitalmarktrenditen sehr volatil; anders als bei der impliziten Umlagerendite zeigen sie aber keinen langfristigen Abwärtstrend. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen wurden zwischen 1970 und 2020 mit durchschnittlich 5,5 % verzinst. Der Zinssatz dieser risikoarmen Anlageklasse fällt jedoch seit den 1990ern. Auf absehbare Zeit werden Bundesanleihen keine attraktiven Zinsen bieten.

Umlageverfahren bewirkt hohe implizite Steuer

Ein direkter Vergleich der Umlagerendite mit den genannten Kapitalmarktrenditen legt nahe, dass das Umlagesystem langfristig zu niedrigeren Renten führt. Als implizite Steuer des Umlageverfahrens kann jener Rentenbeitragsanteil bezeichnen werden, der über den zur Finanzierung einer Rente von gleicher Höhe über den Kapitalmarkt nötigen Anteil hinausgeht. Auf Basis einer kohortenspezifischen Simulation schätzt Gasche (2008), dass der implizite Steueranteil seit 1970 nie unter 50 % lag und für zukünftige Generationen weiter steigen wird. Diese implizite Steuer des Umlageverfahrens entspricht dem „Geschenk“ an die erste Rentnergeneration, die selbst nicht eingezahlt hat.

Bei einem vollständigen Umstieg vom Umlage- auf das Kapitaldeckungsverfahren könnte die Kapitalrendite sinken, wenn die zusätzliche Ersparnisse hauptsächlich inländisch angelegt werden. Die Rendite einer global gestreuten Anlagestrategie wäre davon allerdings nur geringfügig beeinträchtigt. Aus Sicht heutiger Beitragszahler erscheint der Umstieg auf ein Kapitaldeckungsverfahren mit Aktienorientierung daher lohnend.

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