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Working Paper: Mehr Marktlösungen, weniger Paternalismus

Freitag 19. März 2021, von IREF

„Hundesteuer, Tabaksteuer, KFZ- und Ökosteuer. Habt ihr echt geglaubt mehr kommt nich’? Umsatz- und Getränkesteuer machen zwar das Bierchen teuer. Doch das ist mir noch zu wenig“, heißt es in einem berühmten Lied über die Steuererhöhungspläne von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Während im Lied die fiskalischen Motive der Steuererhöhung kritisch besungen werden, werden Steuererhöhungen immer häufiger mit dem Schutz der Menschen vor sich selbst begründet: Sie sollen im eigenen Interesse weniger rauchen und trinken und der Staat hilft ein wenig mit höheren Steuern und Regulierungen nach. Gestützt werden derartige staatliche Eingriffe regelmäßig mit dem Verweis auf Erkenntnisse aus der verhaltensökonomischen Forschung, die zeigen, dass sich Menschen nicht immer rational verhalten.

In einem neuen IREF Working Paper argumentieren David Stadelmann und Gustavo Torrens gegen paternalistische Schlussfolgerungen aus der verhaltensökonomischen Forschung und zeigen Alternativen auf. Die Ergebnisse der Autoren können als Warnung vor allzu leichtfertigen Eingriffen des Staates in individuelle Entscheidungen verstanden werden.

Irren ist menschlich

Ökonominnen und Ökonomen untersuchen das Verhalten von Menschen seit Jahrzehnten in kontrollierten Laborexperimenten. Regelmäßig weisen die experimentellen Ergebnisse darauf hin, dass Menschen sich nicht vollständig rational verhalten. Der Vergleichspunkt für das beobachtete Verhalten ist in der Regel das Model des Homo Oeconomicus, der sich annahmegemäß unter anderem dadurch auszeichnet, dass er stets die eigenen Interessen verfolgt und alle verfügbaren Informationen in seine Entscheidungen einfließen lässt. Experimentelle Ergebnisse, die demonstrieren, dass Menschen sich nicht immer so verhalten, wie es das Bild vom rationalen Homo Oeconomicus erwarten lässt, werden nach Ansicht von Stadelmann und Torrens gerne als Argumente für staatlichen Paternalismus angeführt.

Delegieren statt Paternalismus

Darauf entgegnen Stadelmann und Torrens, dass sich staatlicher Paternalismus nicht immer als vorzuziehende Antwort auf das Unvermögen von Menschen, rationale Entscheidungen zu fällen, aufdrängt. Menschen nutzen freiwillige Mechanismen, um sich vor den Konsequenzen eigener systematischer Fehlentscheidungen zu schützen, wenn sie die Möglichkeit haben, so die beiden Autoren. Märkte stellten diese Mechanismen regelmäßig zur Verfügung - ganz ohne staatliches Eingreifen. Stadelmann und Torrens diskutieren zahlreiche Beispiele für Entscheidungen, die an andere Individuen delegiert werden können, die ihrerseits die Fähigkeiten oder technologischen Möglichkeiten haben, Menschen vor ihrem eigenen irrationalen Verhalten zu schützen.

Sie führen die Beauftragung von Anwälten als ein Beispiel an. Menschen greifen nicht nur mangels juristischen Wissens auf Anwälte zurück. Juristische Laien gehen auch davon aus, dass Anwälte im Interesse ihrer Mandanten handeln, wenn diese auf sich allein gestellt zu ihrem eigenen Nachteil einlenken würden.

Konsequent zu bleiben fällt vielen schwer, sonst gäbe es unter anderem die Vielzahl angebotener Diäten nicht. Zahlreiche Anbieter geben Kunden auf unterschiedliche Weise Hilfestellungen, ihr inkonsequentes Verhalten in Bezug auf Ernährung und Bewegung zu überwinden, wie Stadelmann und Torrens ausführen. Dieses Beispiel hat in Deutschland auch politische Relevanz. So gibt es seit Jahren eine öffentliche Diskussion, ob der Staat etwa durch Kennzeichnung von ungesunden Lebensmitteln der Ernährung der Bürger auf die Sprünge helfen sollte.

Stadelmann und Torrens präsentieren außerdem Beispiele aus dem Bereich der Süchte. Für Alkoholabhängige gibt es etwa Mittel, die bei Alkoholkonsum heftige Übelkeit auslösen. Raucherpflaster oder spezielle Kaugummis seien zudem Instrumente, die ganz ohne staatlichen Eingriff Menschen helfen.

One size fits all?

Die Beispiele von Stadelmann und Torrens zeigen: Menschen sind fehlbar. Sie sind sich dieser Tatsache jedoch häufig bewusst und bleiben entsprechend nicht untätig. Mit Unterstützung des Einfallsreichtums anderer können sie sich teilweise vor der eigenen Irrationalität schützen.

Die Lösungen sind dabei so vielfältig und individuell wie die Menschen selbst. Hier liegt nach Ansicht der Autoren des Working Papers die große Stärke von Marktlösungen im Vergleich zu staatlichem Paternalismus: individuelle Lösungen für individuelle Probleme. Staatliche Lösungen können nicht in gleichem Maße individuelle Gegebenheiten adressieren und geben Innovationen weniger Raum.

E-Zigaretten

Stadelmann und Torrens‘ Argumente sind auch für aktuelle Entwicklungen in Deutschland relevant. Hohe Steuern auf Zigaretten und „Ekelbilder“ auf Zigarettenschachteln werden in Deutschland mit dem Unvermögen der Bürger begründet, langfristige Gesundheitsschäden ausreichend in Betracht zu ziehen. Doch auch auf dem Tabakmarkt hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Sogenannte E-Zigaretten werden beliebter und liefern ein aktuelles Beispiel für eine Marktlösung, die Menschen im Umgang mit ihren Unvollkommenheiten hilft und potentiell gesundheitsschädliche Folgen des Rauchens einschränkt. Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Substitution von klassischen Zigaretten durch E-Zigaretten positive gesundheitliche Auswirkungen hat. Dies ist nicht verwunderlich, denn im Rauch von E-Zigaretten können deutlich weniger schädliche Stoffe festgestellt werden.

Wettbewerb fördern

Stadelmann und Torrens resümieren, dass Marktlösungen staatlichen Lösungen überlegen sind - nicht in allen Fällen, aber in vielen. Ganz ohne paternalistisch einzugreifen solle der Staat einen Beitrag leisten, indem er die Märkte für Delegationsdienstleistungen offenhält. Der Wettbewerb zwischen alternativen Lösungen für Probleme von Menschen - auch für solche, die aus weniger als perfekter Rationalität erwachsen - würde so befördert werden. Aus dieser Perspektive ist es bedauerlich, dass der deutsche Finanzminister angekündigt hat, die Steuern auf E-Liquids für E-Zigaretten zu erhöhen und ein Werbeverbot ab dem Jahr 2024 anzustreben.

Bild: Fabian Kurz

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