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Working Paper zum Finanzroman als neuem Genre in Italien

Donnerstag 18. Februar 2021, von IREF

In einem neuen IREF Working Paper widmet sich Stefano Adamo von der Universität Banja Luka einem noch jungen Genre der italienischen Literatur. Adamo analysiert vier Romane, die die Ereignisse der Finanzkrise um das Jahr 2008 herum und die Staatsschuldenkrise in den frühen 2010er Jahren behandeln. Das Besondere: Die Autoren der Romane können jeweils auf eine Karriere in der Finanzwelt zurückblicken und als Insider Vorgänge in Banken und an den Finanzmärkten in Italien aus ersten Hand nachzeichnen. Wie sie die Finanzindustrie darstellen, analysiert der Autor des Working Papers im Detail. Die Finanzindustrie und ihre Protagonisten kommen nicht gut weg und werden als irrational, übertrieben risikofreudig, mit der Politik fragwürdig verwoben oder ungenügend reguliert beschrieben.

Boom der literarischen Verarbeitung von Finanzkrisen

Adamo weist darauf hin, dass literarische und filmische Arbeiten mit Bezug zur Welt der Finanzen in Italien seit den Verwerfungen auf den Finanzmärkten in den 2000er Jahren bei einem breiten Publikum auf gesteigertes Interesse treffen. Das spiegele sich auch in zahlreichen Auszeichnungen literarischer Werke mit thematischer Ausrichtung auf Finanzen wider. Daraus folge jedoch nicht zwingend ein besseres Verständnis der Öffentlichkeit für Vorgänge auf den Finanzmärkten.

Um die in den vier Romanen präsentierte Sicht der Autoren auf die Finanzindustrie und ihre Beschäftigten zu ergänzen, hat Adamo die Autoren interviewt und Gespräche mit drei der vier Autoren geführt.

Vier analysierte Romane: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Den vier Erzählungen ist gemein, dass sie die für Außenstehende undurchschaubar erscheinende Finanzwelt zum einen verständlicher machen wollen und zum anderen die bestehenden Anreize, Verhaltensweisen und politischen Verflechtungen kritisieren. Dass die Autoren dabei unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund stellen, kann als Hinweis auf mannigfaltige Missstände interpretiert werden.

Adamo erläutert, dass Guido Maria Brera vor allem eine Entkoppelung der Finanzindustrie von der Realwirtschaft als Problem identifiziert und die zumeist männlichen Akteure der Finanzwelt dabei als kühl und berechnend charakterisiert. Letizia Pezzali hingegen zeichnet die professionellen Teilnehmer auf den Finanzmärkten als Menschen, deren Verhalten von Irrationalitäten geprägt ist. Beide betonen in Interviews mit Adamo die destabilisierende Rolle niedriger Zinsen und damit einhergehender hoher Verschuldungsgrade von Finanzunternehmen.

Die Bücher von Eugenios Tornaghi und Fabio Innocenzi stellen nach Adamo beide unheilvolle Verquickungen zwischen Banken und staatlichen Einrichtungen in Italien in den Mittelpunkt ihrer Beobachtungen. Dabei bieten die Ausführungen von Innocenzi einen detaillierten Einblick in das Tagesgeschäft moderner italienischer Banker.

Finanzromane als Element der Meinungsbildung

Wie Finanzmärkte und an ihnen beteiligt Institutionen sowie ihre Mitarbeiter von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, wird nicht nur von der Politik, der Wissenschaft und den Medien beeinflusst. Literarische und filmische Erzählungen leisten ihren Beitrag zum Bild der Finanzwelt in der Öffentlichkeit. Die von Adamo analysierten Werke sind potentiell besonders einflussreich, denn die einschlägigen beruflichen Erfahrungen der Autoren sind der wahrgenommenen Authentizität der Beiträge potentiell zuträglich. Wie Adamo in seinem Working Paper durchklingen lässt, ist dabei jedoch zu hoffen, dass die literarische Erzählform nicht zu einer Überschätzung der eigenen Kenntnisse der Vorgänge in und um die Finanzindustrie durch die Leser führt.

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