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Banken wehren sich gegen neue Rechnungslegung

Wie steht es um Europas Bankensektor? Die zuständigen Politiker und Behörden verbreiten Optimismus und verweisen auf neue, 2018 in Kraft tretende Rechnungslegungsstandards, nach denen Banken besser für Kreditausfallrisiken vorsorgen müssen. Doch dank des massiven Lobbyings der Banken werden die neuen Standards wirkungslos bleiben. Auch die US-Banken fordern nun lockerere Regeln. Das sind schlechte Nachrichten für alle anderen Wirtschaftsteilnehmer.

EU-Bankensektor: Keine Besserung in Sicht

EU-Politiker und -Behörden, insbesondere die Europäische Bankenaufsicht, setzen derzeit alles daran, Optimismus zu verbreiten. Die Banken würden mit jedem Tag gesünder und an kohärenten internationalen Accounting- und Aufsichtsstandards werde mich Hochdruck gearbeitet, so der EU-Kommissar für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion, Valdis Dombrovskis. Angesichts solch guter Nachrichten könnte man erwarten, dass die Finanzberichte der Banken zukünftig zuverlässig Auskunft über die Solvenz der Institute liefern werden. Weit gefehlt!

Wer sich zukünftig zuverlässige Accounting-Standards und Transparenz bezüglich ihrer Kreditrisiken erhofft hat, muss sich auf eine herbe Enttäuschung einstellen. Bemerkenswerterweise ist es den europäischen Banken nicht nur gelungen, die äußerst zahmen Vorstöße der Regulierungsbehörden abzuschmettern; auch US-Amerikanische Banken sehen sich nun veranlasst, ihre Regierung zu weniger rigorosen Standards zu drängen.

USA: Sinnvolle Neuregulierung

Die Neuregulierung des Bankensektors ist im vollen Gange und die relevanten Akteure – Banken, Regulierer und Aufsichtsbehörden – verändern ihre Positionen wöchentlich. Im Folgenden bieten wir eine Momentaufnahme des Diskussionsstands bezüglich der Bilanzierung erwarteter Kreditausfallverluste und vergleichen die europäischen Ansätze mit ihren US-Amerikanischen Pendants.

Im vergangenen Jahr legte das Financial Accounting Standards Board (FASB) neue Accounting-Standards fest, die 2019 in Kraft treten werden. In den USA operierende Banken müssen zukünftig Rückstellungen aus Profiten und Eigenkapital bilden, die geeignet sind, die erwarteten Verluste zeitlich unbegrenzt zu absorbieren. Die genaue Höhe der Rückstellungen wird durch die Aufsichtsbehörde festgelegt. Die verbleibende Eigenkapitalausstattung einer Bank dient somit primär als Puffer gegen unerwartete Verluste – ein einigermaßen sinnvoller Regulierungsansatz.

EU: Alte Standards werden abgelöst

In der Europäischen Union wird die Rechnungslegung nach IAS 39 des Internationalen Rechnungslegungsstandardsgremiums (IASB) umgesetzt. Rückstellungen werden nur dann vorgenommen, wenn Verluste aus Kreditausfällen sicher sind. Diese Regel ermutigt Banken dazu, erwartete Verluste solange nicht zu bilanzieren, bis der Verlust sicher ist. Das Eigenkapital der Banken dient folglich als Puffer sowohl gegenüber erwarteten, als auch unerwarteten Verlusten. In der Europäischen Union gilt dieser Standard seit 2000, in Großbritannien seit 2005. Es herrscht Konsens darüber, dass die Rechnungslegung nach IAS 39 zu den Hauptauslösern der europäischen Bankenkrise und den damit verbundenen Verlusten gehört.

Aufgrund der offensichtlichen Mängel der IAS 39-Rechnungslegung tritt mit dem sogenannten IFRS 9 ab Januar 2018 ein neuer Accounting-Standard in Kraft. Zukünftig müssen Banken Rückstellungen für jegliche Verluste bilden, deren Realisierung sie innerhalb eines Jahres erwarten. Alle erst für einen späteren Zeitpunkt erwarteten Verluste müssen dagegen erst bilanziert werden, wenn sie sicher eintreten bzw. wenn sie schließlich in den einjährigen Erwartungshorizont fallen. Das Eigenkapital der Banken dient somit der Absorption von Verlusten, die ab einem Jahr in der Zukunft erwartet werden, sowie unerwarteten Verlusten.

Um die drei Regelwerke zusammenzufassen: Nehmen wir an, die erwarteten Verluste einer Bank seien gleichmäßig über die nächsten sechs Jahre verteilt. Eine unter den US-Regeln operierende Bank müsste dann Rückstellungen für alle Verluste bilden, während eine unter IFRS 9 operierende Bank nur für einen Sechstel der Verluste vorsorgen müsste. Eine unter IAS 39 operierende Bank müsste gar keine Rückstellungen bilden.

IFRS 9: Wirkungsloser Papiertiger

Jegliche Hoffnungen auf einen robusteren europäischen Bankensektor müssen jedoch begraben werden. Schon jetzt ist absehbar, dass IFRS 9 von Beginn an wirkungslos bleiben wird. Lobbyisten europäischer Banken mag es nicht gelungen sein, IFRS 9 zu verhindern, doch dafür haben sie dessen Wirkung weitgehend neutralisiert. Die wichtigste europäische Bankenregulierungsbehörde, die Europäischen Bankenaufsicht (EBA), veröffentlichte kürzlich ein Memorandum, das folgende bemerkenswert widersprüchliche Aussage enthält:

"Die EBA ist der Auffassung, dass keine Neutralisierung der Übergangswirkungen des IFRS 9-Regimes während der Einführungsphase ab dem 1. Januar 2018 erfolgen soll und unterstützt einen „statischen“ Ansatz zur Amortisierung der einmaligen Übergangswirkung des IFRS 9 über vier Jahre."

US-Banken wünschen lockerere Regeln

Für die US-Banken war das Gerangel um die zukünftigen europäischen Accounting-Standards natürlich hochinteressant. Inspiriert durch den Erfolg ihrer europäischen Kollegen fragen sie nun: „Und was ist mit uns?“ Anfang Mai wandten sich 18 regionale Geschäftsbanken an US-Finanzminister Steven Mnuchin. Ihr Anliegen: Man möge doch bitte die langfristigen ökonomischen Folgen der neuen FASB-Regeln abschätzen.

Wir können Herrn Mnuchin Zeit und Aufwand ersparen. Die FASB-Regeln ergeben durchaus Sinn und werden die Banken dazu zwingen, zukünftige Kreditausfallrisiken umfassend zu berücksichtigen und entsprechend vorzusorgen – so wie sie es auch vor 2005 getan haben. Aus ökonomischer Sicht sind das gute Nachrichten. Insolvente Banken werden aufgedeckt, Kreditgeber erfahren mehr Sicherheit und alle können neues Vertrauen in das Finanzsystem fassen.

Bild (bearbeitet): barnyz/ Flickr

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