Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


IREF - Institute for Research in Economic and Fiscal issues
Für wirtschaftliche Freiheit und Steuerwettbewerb
https://de.irefeurope.org/1269

von ,

Bitcoin: Blase oder libertärer Währungstraum?

Handelt es sich bei Bitcoin um eine Blase, weil jeder auf den scheinbaren Erfolgszug springt, oder um den libertären Traum einer unabhängigen und freien Währung? Die Kryptowährung erfährt derzeit große mediale Aufmerksamkeit. Wir geben einen kurzen technischen Überblick und legen dar, warum wir bezüglich Bitcoins Zukunft nicht allzu optimistisch sind.

Digitale Währung vs. Kryptowährung

Um das Bitcoin-Phänomen zu verstehen, müssen zunächst die Begriffe „digitale Währung“ und „Kryptowährung“ geklärt werden.

Als digitale Währung bezeichnet man Währungen, die in Buchform vorhanden sind. Der Begriff umfasst alle wichtigen Währungen der Welt sowie die Kryptowährungen. Auch Euro, Pfund und Dollar existieren größtenteils digital und nur zu einem geringen Teil physisch in Form von Banknoten und Münzen.

Während herkömmliche Währungen von einem einzigen Emittenten ausgegeben werden, passiert dies bei Kryptowährungen in einem Netzwerk oder einem dezentralen Buchungssystem. Darüber hinaus wird jede Kryptowährung durch einen vom Entwickler erstellten Algorithmus generiert. Der Bitcoin-Algorithmus wurde so entwickelt, dass die Generierung einer Währungseinheit mit der Zeit immer teurer wird und schließlich zum Stillstand kommt. Es existieren Hunderte von Kryptowährungen, von denen Bitcoin die erste und bis heute die bedeutsamste ist. Eine Kryptowährung ist also wie Fiatgeld mit drei Unterschieden: Sie wird nicht auf Papier gedruckt, ihre Transaktionen erfolgen anonym (versteckt hinter einem Algorithmus) und alle Vorgänge werden durch ein dezentrales Buchungssystem verifiziert.

Was ist Bitcoin?

Bitcoin wurde 2009 von einem Entwickler namens Nakamoto ins Leben gerufen. Das Ziel war, eine alternative Währung zu schaffen, die den herkömmlichen Währungen überlegen ist:

„Das Grundproblem aller konventionellen Währungen ist, dass Vertrauen in sie notwendig ist, damit sie funktionieren. Die Zentralbank muss glaubwürdig versprechen, die Währung nicht zu entwerten. Aber die Geschichte der Fiat-Währungen ist voller Verstöße gegen dieses Vertrauen.“

Bitcoin ist ein System, in dem es keine zentrale Stelle gibt, die Transaktionen autorisiert oder verfolgt. Stattdessen werden diese Funktionen gemeinsam vom Netzwerk der Bitcoin-Nutzer ausgeführt. Ein Schlüsselprinzip des Systems besteht darin, dass es nicht auf das Vertrauen in ein einzelnes Mitglied des Netzwerks ankommt, das sich angemessen verhalten und seine Versprechen halten muss. Stattdessen basiert es auf Vertrauen in das Netzwerk. Das System hat keinen offensichtlichen Schwachpunkt und kann nicht durch das Ausscheiden einer bestimmten Person oder Organisation zum Einsturz gebracht werden. Es entzieht sich zudem jeder Regierungskontrolle. Kriminelle können mit Bitcoin Drogen handeln. Chinesische Bürger können sich Kapitalkontrollen entziehen, indem sie Bitcoin als Plattform verwenden, um Renminbi beispielsweise in kanadische Dollar umzuwandeln.

Was macht Bitcoin so erfolgreich?

Bitcoin ist deshalb zur führenden Kryptowährung geworden, weil sein Design zwei Probleme löst, die allen dezentralen Buchungssystemen gemein sind.

Erstens besteht das Problem der digitalen Sicherheit: Wie kann sichergestellt werden, dass es der wahre Besitzer eines Bitcoin ist, der diesen in einer Transaktion verwenden möchte. Dieses Problem wird durch digital authentifizierte Signaturen gelöst. Jeder einzelne Benutzer hat sowohl einen öffentlichen, allen bekannten Schlüssel, als auch einen privaten, nur ihm bekannten Schlüssel. Wenn Nutzer A einen Bitcoin an Nutzer B überträgt, fügt A dem Bitcoin den öffentlichen Schlüssel von B hinzu und „unterschreibt“ digital mit seinem privaten Schlüssel. Beim Empfang kann B verifizieren, dass der private Schlüssel von A verwendet wurde und dass die Transaktion legitim und für A bindend ist. Allerdings ist kein Sicherheitssystem perfekt. Ein Verbrecher könnte einen privaten Schlüssel durch geschicktes Hacken herausbekommen, oder indem er A eine Pistole an den Kopf hält. Das Journal aller Bitcoin Transaktionen ist öffentlich und nur pseudo-anonym. Es ist einfach, die Transfers jedes Bitcoin nachzuvollziehen. Dies bedeutet natürlich, dass Besitzer damit rechnen müssen, dass die elektronische Adresse, mit der der Bitcoin verknüpft ist, verfolgt und die Identität des Besitzers aufgedeckt werden kann. Das ist wahrscheinlich einfacher als allgemein angenommen.

Das zweite Problem ist das Problem der Doppeltransaktionen: Damit ist das Risiko gemeint, dass Nutzer A nach einer Transaktion mit B versuchen könnte, denselben Bitcoin in betrügerischer Absicht an Nutzer C zu übertragen. Da keine zentrale Behörde (z. B. eine Bank) den Transaktionsversuch von A überprüfen kann, muss ein alternatives Verifizierungsverfahren geschaffen und von hinreichend vielen Systemnutzern verwendet werden. Dazu müssen den Nutzern Anreize gegeben werden. So werden Transaktionen blockweise aufgeteilt und zur Überprüfung an die gesamte Bitcoin-Community übermittelt. Aufgrund des Anreizes, neue Bitcoins als Gewinn zu erhalten, versuchen Community-Mitglieder, komplexe mathematische Probleme auf ihren Computern zu lösen. Der Gewinner teilt die Antwort dem Rest der Community mit, welche die Antwort im Netzwerk anschließend bestätigt. Dieser Mechanismus hat zwei wichtige Konsequenzen. Erstens wird der Block der ausstehenden Transaktionen verifiziert. Zweitens gibt das System dem Gewinner eine kleine Anzahl neu generierter Bitcoins (derzeit 12,5).

Mining und Blockchain

Aus diesem Mechanismus ergeben sich zwei mit Bitcoin verbundene Begriffe: Mining und Blockchain.

Passend zu der Überzeugung der Bitcoin-Befürworter, dass sie mit „kryptographischem Gold“ handeln, wird der Versuch, das mathematische Problem zu lösen und neue Bitcoins zu gewinnen, als Mining bezeichnet.

Damit der Verifizierungsprozess ordnungsgemäß funktioniert, ist es wichtig, dass die Mining-Community weiß, in welcher Reihenfolge die Transaktionen stattgefunden haben. Andernfalls kann es zu Verwechslungen hinsichtlich des Bitcoinbesitzes kommen. Daher enthält jeder Block in der Kette einen Hinweis auf den vorangehenden Block. Diese sogenannte Blockchain-Technologie hat auch außerhalb der Bitcoin-Community breite Anerkennung erlangt. Blockchain-Enthusiasten heben die Geschwindigkeit, Genauigkeit und verschwindend geringe Fehlerquote hervor, die dezentrale Grundbücher im Vergleich zu herkömmlichen, zentralen Besitzverzeichnissen auszeichnen – ganz gleich, um welche Art von Daten es sich handelt. Weltweit arbeiten Unternehmen an einer Vielzahl möglicher Anwendungsfälle. Es wird davon ausgegangen, dass Private-Equity-Fonds im letzten Jahr über 1 Mrd. USD in die Blockchain-Technologie investiert haben.

Bitcoin ist jetzt Mainstream

Das Bitcoin-System wurde so angelegt, dass seit dem Start im Jahr 2009 alle 10 Minuten ein Block Bitcoins freigegeben wird. Heute existieren ungefähr 16 Millionen. Das Maximum generierbarer Bitcoins liegt bei 21 Millionen. Im vergangenen Monat hat der dramatische Anstieg des Bitcoinpreises von $ 1000 zu Beginn des Jahres 2017 auf über $ 17.000 viel mediale Aufmerksamkeit und sympathische Berichterstattung erregt. Mehr und mehr verbreitet sich die Ansicht, Bitcoin stelle eine neue Währung dar.

Zum neuen Bitcoin-Enthusiasmus trägt bei, dass die Chicago Mercantile Exchange und die Chicago Board Options Exchange jetzt Bitcoin-Termingeschäfte ermöglichen. Diese neuen Finanzinstrumente könnten zu Bitcoins Preisanstieg beigetragen haben.

Bankenvertreter skeptisch

Nun haben sich auch Banker mit Bitcoin beschäftigt. Begeistert sind sie allerdings nicht.

"Wenn du dumm genug bist, [Bitcoins] zu kaufen, wirst du eines Tages den Preis dafür bezahlen."

, so Jamie Dimon, Geschäftsführer von JP Morgan. Paul Donovan von UBS äußerte sich ebenfalls skeptisch und behauptet, dass Bitcoin, da es wie alle Kryptowährungen keine Deckung aufweise, nicht als Wertaufbewahrungsmittel angesehen werden kann. Außerdem sei es kein “allgemein akzeptiertes Tauschmittel“.

Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein ist verhaltener. Sein Haupteinwand ist, dass sich Bitcoin angesichts dessen Preisvolatilität nicht wie eine Währung „anfühle“. Tatsächlich kommt es von Zeit zu Zeit zu Tagesschwankungen von bis zu 20 %. Es sei „zu früh“ für Goldman Sachs um eine „Bitcoin-Strategie“ zu haben.

Bitcoin-Community: Segen und Gefahr zugleich

In Reaktion verweisen Bitcoin-Befürworter auf die tragende Rolle der Community. Ein Unternehmen kann seine fehlerhafte Software verwerfen und eine Investmentbank wird in Krisenzeiten ihre toxischen Vermögenswerte loswerden. Aber eine Open-Source-Community wird ihr Projekt auch in stürmischen Zeiten unterstützen. Nach Ansicht der Bitcoin-Community ist das User-Netzwerk mittelfristig der beste Schutz für Bitcoin.

Allerdings könnte sich das Netzwerk langfristig auch als die größte Bedrohung herausstellen, wenn interne Meinungsverschiedenheiten zu dominant werden. Sollte eine ausreichend große Gruppe beschließen, sich zugunsten eines neuen und besseren Projekts vom Netzwerk zu trennen („to fork“), könnte der Wert von Bitcoin angesichts eines möglichen „Bitcoin X“-Konkurrenten dramatisch fallen. Einige solcher Forks gab es bereits, etwa Bitcoin Cash und Bitcoin Gold. Zwar haben es diese Konkurrenten bisher nicht geschafft, das Original zu verdrängen. Eine zukünftige Fork könnte allerdings zur Gefahr für Bitcoin werden, wenn es ihr gelingt, ein weniger überlastungsanfälliges Verifizierungssystem zu entwickeln.

Unsere Sicht auf den Wert von Bitcoin

Trotz des bisherigen Erfolgs glauben wir, dass Bitcoin an einem fatalen Schwachpunkt leidet. Doug Jackson, Gründer von e-Gold, bemerkte einmal: "Jeder denkbare Trottel auf der Welt ist auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen, in der Hoffnung, nicht als uncool zu gelten, wenn Bitcoin sich als das nächste große Ding herausstellt." Doch Bitcoin hat keinen intrinsischen Wert und die Kontrolle über das Grundbuch ist wahrscheinlich weit weniger dezentralisiert, als gemeinhin unterstellt wird. Darüber hinaus beruht das gesamte Projekt auf der Annahme, dass zukünftig mehr Menschen Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren und dass Nutzer mit großem Bitcoin-Besitz die Kryptowährung nicht abstoßen werden, was zu großen Preisrückgängen führen würde. Der bisweilen gezogene Vergleich der heutigen Bitcoin-Preisrally zur sogenannten Tulpenblase des 17. Jahrhunderts ist sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Übersetzung aus dem Englischen. Der Text erschien ursprünglich hier.

Bild portal gda /Flickr

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich kein Freund der Krypto-Währungen

Wie wird Europa auf die italienische Schuldenlage reagieren?


Eurozone: Führen alle Wege in die Zentralisierung?

Neue Open-Banking-Regeln: Disruptiver Fintech-Wettbewerb?



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

SCHLIEßEN

IREF Newsletter
Bleiben Sie stets informiert.

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.