Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von ,

EZB, Fed und BoE: Divergierende Geldpolitik

Aufgrund des starken Arbeitsmarktes bereitet die Bank of England eine Anhebung des Leitzinses vor. Auch die Fed wird geringfügige Zinsanpassungen vornehmen. Da auf dem europäischen Arbeitsmarkt kein signifikanter Lohndruck zu erwarten ist, hält sich die EZB dagegen mit Zinsanhebungen zurück. Werden die Zentralbanken künftige divergierende Geldpolitik praktizieren?

Arbeitsmarkt entscheidend für Geldpolitik

Wird die Europäische Zentralbank (EZB) noch dieses Jahr den Leitzins anheben? Angesichts der wachsenden Frustration, mit der die Zentralbanker das Ausbleiben jeglicher Strukturreformen in Europa beobachten, schien ein solcher Schritt bisher unausweichlich – allein schon aus politischen Gründen.

Doch Geldpolitik ist ein komplexes Thema. Ein für die Zinssetzung entscheidender Faktor ist die Arbeitsmarktlage. Entsprechend lassen sich die unterschiedlichen Herangehensweisen der Zentralbanken in Europa, Großbritannien und den USA auch über die jeweiligen Arbeitsmarktaussichten erklären. In den drei Währungsräumen blieben alle Preissteigerungen seit der Finanzkrise auf die Gütermärkte beschränkt. In anderen Worten: Es gab keine Spill-Over-Effekte auf den Arbeitsmarkt. Da die Inflation bisher moderat ausfiel und sich auf Gütermärkte beschränkte, blieb auch der Einfluss auf die Politik der Zentralbanken minimal.

Niedrige Arbeitslosigkeit: Zinssteigerung in GB wahrscheinlich

Ein kürzlich in The Guardian veröffentlichter Aufsatz von John Butler warnt, dass die britische Verbraucherpreisinflation dieses Jahr aus verschiedenen Gründen auf bis zu 4% wachsen könnte – Mitte Januar lag sie bei 1,2%. Seit dem Brexit-Referendum hat das Pfund gegenüber Dollar und Euro um 20% abgewertet, was zu einem merklichen Basiseffekt führt. Neben den signifikanten Preissteigerungen auf dem Ölmarkt und bei anderen Gütern sei vor allem der starke britische Arbeitsmarkt für die Inflation verantwortlich.

Tatsächlich steigen die Lohnkosten in Großbritannien trotz stagnierender Produktivität. Das ist nicht zuletzt zurückzuführen auf die aggressiven Gewerkschaften in der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitssektor und im Beförderungsgewerbe – Branchen mit geringer Wettbewerbsintensität. Sobald die Inflation von den Gütermärkten auf den Arbeitsmarkt übergesprungen ist, selbstverstärken sich die Effekte: Lohnsteigerungen führen bei niedriger Arbeitslosigkeit zu steigenden Verbraucherpreisen, die wiederum die Inflation auf dem Arbeitsmarkt befeuern. Um die Spirale aufzuhalten und Inflationsraten über 2% zu verhindern, bleibt nur die Anhebung des Leitzinses.

EZB hält Kurs; US-Zinsen sollten langsam steigen

Die EZB wird wahrscheinlich eine andere Strategie als die Bank of England wählen. Anfang Februar lehnte EZB-Präsident Draghi eine Revision der 2,3 Billionen Euro schweren quantitativen Lockerung der EZB ab, mit dem Hinweis, dass die zunehmende Inflation ein lediglich temporäres, durch steigende Ölpreise verursachtes Phänomen sei. Angesichts des schwachen Wachstums und hoher Arbeitslosigkeit in der Eurozone, so Draghi, müsse die EZB die Märkte weiterhin mit frischem Geld unterstützen. Auch Investoren erwarten kein baldiges Auslaufen der quantitativen Lockerung.

Und die USA Fed-Vorsitzende Yellen hat angedeutet, dass die US-Leitzinsen dieses Jahr gleich mehrfach angehoben werden könnten. Investoren gehen von drei Zinssteigerungen aus, die erste soll schon bald erfolgen. Angesichts einer Inflationsrate von 2%, einer Lohnsteigerungsrate von 3%, einer akzeptablen Arbeitslosenquote und einem zunehmend wahrscheinlich werdenden Fiskalstimulus scheint eine Zinserhöhung sehr wahrscheinlich.

Inflation auch in der Eurozone unausweichlich

Während Großbritannien auf die Stagflation zusteuert, ist es unwahrscheinlich, dass die USA oder Europa in naher Zukunft ein ähnliches Schicksal erwartet. Weder die USA noch die Eurozone haben eine Währungsabwertung erlebt. Der US-Arbeitsmarkt ist entspannt, die Löhne steigen nur schwach und Arbeitskämpfe sind nicht in Sicht. Auch auf dem europäischen Arbeitsmarkt sind keine erheblichen Lohnzuwächse zu erwarten. In den Medien wurde viel Aufsehen um die mit 4,8% verhältnismäßig niedrig ausfallende US-Arbeitslosenquote gemacht, doch Experten schätzen die erweiterte Arbeitslosenquote (U6) als aussagekräftiger ein – diese liegt bei 8,5%. In der Eurozone liegt die Arbeitslosenquote bei 9,6%. Weder in den USA noch in der Eurozone kann daher von einem brummenden Arbeitsmarkt die Rede sein.

Kommt es zu unterschiedlichen Zinsentwicklungen, wird die Zinsdivergenz viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Doch die wichtigste, unausweichliche Implikation wird weiterhin wenig Erwähnung finden: Eine lockere Geldpolitik muss ab einem bestimmten Punkt zu Inflation führen. In den USA und in der Eurozone wird jemand die Kosten der quantitativen Lockerung übernehmen müssen.

Bild (Ausschnitt): Kiefer/Flickr

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Nach der Bundestagswahl: Neuer EU-Zentralisierungsschub?

Zehn Jahre Finanzkrise: Wirksame Reformen ausgeblieben


Wenig Sparen via Eigentum: Eine Frage staatlicher Gestaltung

Der neuste Griff in die Euro-Trickkiste: “European Safe Bonds”



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
SCHLIEßEN

IREF Newsletter
Bleiben Sie stets informiert.