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Dank Badwill: Spanische Caixabank erwirbt Bankia

Der Mitte September angekündigte Zusammenschluss der beiden dritt- und viertgrößten Banken Spaniens wird diplomatisch als Fusion betitelt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Übernahme von Bankia durch Caixa. Die Aktien mehrerer europäischer Banken stiegen nach der Nachricht. Société Générale und Paribas legten um 5 Prozent zu, die Aktien der Commerzbank um 8 Prozent. Zwei weitere spanische Banken, die eine Fusion erwägen, Sabadell und Bankinter, siegen um 11 bzw. 6 Prozent. Viele Kommentatoren begrüßten die Nachricht von der Fusion, da sie größere Banken für robuster erachten. Es gibt jedoch einige Aspekte des Deals, welche Stakeholder der Banken, Steuerzahler und Aufsichtsbehörden aufhorchen lassen sollten.

Es kriselt schon lange

Betrachten wir zunächst die Position der spanischen Steuerzahler und die Geschichte von Bankia. Bankia wurde Ende 2010 als Zusammenschluss von sieben Cajas gegründet und versuchte bereits im Juli 2011, zusätzliches Eigenkapital zu beschaffen. Aktien und nachrangige Schuldtitel wurden größtenteils an Privatkunden verkauft, da institutionelle Anleger kein großes Interesse zeigten. Weniger als ein Jahr später lag die Bank bereits am Boden, als sie die zuvor für das Jahr 2011 gemeldete Gewinnprognose von 309 Millionen Euro kassierte und einen Verlust von 3 Milliarden Euro ausweisen musste. Bankia wurde mit 22 Milliarden Euro von den Steuerzahlern gerettet. Nur 3,3 Milliarden Euro wurden zurückgezahlt. Der Oberste Gerichtshof Spaniens erklärte daraufhin, dass die Bank die Anleger in die Irre geführt habe, und ordnete die Rückerstattung des größten Teils der Verluste der Kleinanleger an.

Den Bedingungen zufolge, die bei der Fusion vereinbart wurden, halten die spanischen Steuerzahler einen Anteil von 16 Prozent an der fusionierten Bank, deren Buchwert 34 Milliarden Euro beträgt. Bei einer anfänglichen Marktkapitalisierung von 16,5 Milliarden Euro (aktuell nur noch 15,1 Milliarden Euro) war die Beteiligung der Steuerzahler 2,6 Milliarden Euro wert, so dass die Rettungsaktion sie 16 Milliarden Euro (22 minus (3,3+2,6)) gekostet hat. Anders ausgedrückt: Die neue fusionierte Bank, die drittgrößte Bank Spaniens, wird in etwa so hoch bewertet wie die bisherigen Verluste der Steuerzahler bei Bankia.

Trotz der Ankündigung, dass die fusionierte Bank (die den Namen Caixa beibehält) eine Kernkapitalquote (Core Equity Tier 1) von 11,6 Prozent haben wird, offenbart ein erster Blick auf die Zahlen die engen Spielräume der neuen Bank. Teilt man die 16 Milliarden Euro Marktkapitalisierung durch die Bilanzsumme von 650 Milliarden Euro, ergibt sich ein Verhältnis von Marktwert zu Aktiva von 2,45 Prozent, so dass wenig Raum für strategische Fehler oder Kapazität zur Absorption zukünftiger Verluste bleibt.

Sicherheit Dank Badwill

Es überrascht nicht, dass sich der Vorstandsvorsitzende Gonzalo Gortazar in Optimismus übt. Er prognostiziert Kostensynergien und geht von 1,1 Milliarden Euro Mehreinnahmen aus. Darüber hinaus rechnet er mit der Nutzung der steuerlichen Verlustvorträge von Bankia. Die übernommene Bank wäre andernfalls möglicherweise liquidiert worden und die früheren Kreditverluste wären ohne Erwerbssteuerwert verfallen.

Während die offizielle Linie ist, dass "keine Entscheidung" über Filialschließungen und Personalabbau getroffen wurde, ist mit 2,2 Milliarden Euro bereits eine ziemlich hohe Summe für "Umstrukturierungskosten" vorgesehen. Diese Kosten wären normalerweise schwer zu verkraften, ohne die Kernkapitalquoten zu belasten. Da aber die Marktkapitalisierung von Bankia zum Zeitpunkt der Übernahme 67 Prozent unter dem Buchwert lag, führt der vereinbarte Preis zu einer immateriellen buchhalterischen Verbindlichkeit in Höhe von etwa 9 Milliarden Euro an "Badwill".

So wie der "Goodwill" ein immaterieller Vermögenswert ist, der den von einer übernehmenden Bank gezahlten Aufschlag auf den Buchwert darstellt, so ist der "Badwill" eine immaterielle Verbindlichkeit in Höhe von 9 Milliarden Euro, die dem von Caixa gezahlten Abschlag auf den Buchwert entspricht. Die genaue buchhalterische Behandlung variiert zwischen den EU-Mitgliedstaaten. In Irland zum Beispiel wird der gesamte Badwill-Betrag bei Abschluss der Transaktion als Gewinn verbucht. Es scheint so zu sein, dass in Spanien ein anderer Ansatz angewandt wird, nämlich eine verzögerte Gewinnrealisierung. Es wird ein Badwill-Konto in der Bilanz geführt, das im Laufe der Zeit die nächsten 9 Milliarden Euro an "Umstrukturierungsverlusten" (oder anderer Ausgaben oder Verluste) absorbieren kann. Auf diese Weise werden die Kapitalquoten der Caixa gegen zukünftige Verluste in Höhe von bis zu 9 Milliarden Euro abgesichert.

Eine Notiz am Rande: Es ist bekannt, dass die europäischen Finanzaufsichtsbehörden eine Änderung der Kapitalvorschriften in Erwägung ziehen, die es Banken ermöglicht, bei der Berechnung der Baseler Quoten dem Kernkapital Badwill hinzuzufügen. Dies würde sich ganz natürlich ergeben, wenn Spanien und andere Mitgliedsstaaten den irischen Rechnungslegungsansatz (IFRS 3) übernehmen würden. Dies wäre ein weiterer Schritt in Richtung "Solvenz durch Regulierung", während der Zugang zu Subventionen weiter erleichtert wird.

Fusionen legen Unterschiede zu US-Banken offen

Die Marktkapitalisierung ist ein wichtiger Indikator für die Gesundheit von Banken. In den USA, wo jeden Monat Bankenfusionen im Wert von 25 bis 30 Milliarden Dollar stattfinden, entsprechen die Marktwerte in etwa den Buchwerten. In Europa beträgt der durchschnittliche Abschlag auf den Marktwert immer noch rund 50 Prozent. Vor der Fusion betrug der Abschlag bei Bankia 67 Prozent. Mit anderen Worten, die Anleger glauben, dass die Buchwerte überhöht sind.

Wir erwarten, dass die nationalen Regulierungsbehörden, deren größte Angst nach wie vor Bankenpleiten und Verluste für Einleger sind, mehr inländische Fusionen fördern werden. Grenzüberschreitende Fusionen werden weniger wahrscheinlich sein, da ausländische Aufsichtsbehörden bei ausländischen Banken eher unangenehme Fragen zur Rechnungslegung und zur Risikovorsorge stellen als bei inländischen. Angesichts der Tatsache, dass Banken Mühe haben anschauliche Renditen auf ihr Eigenkapital zu erzielen und viele kleinere Banken mit niedrigen Aktienkursen und hohen Abschlägen auf ihre Buchwerte kämpfen, gibt es starke Anreize für Fusionen bei allen Beteiligten. Die Aussicht auf Weiterbeschäftigung des gesamten Top-Managements, Größenvorteile und immer großzügigere Buchhaltungs- und Steuervorschriften befördern Fusionen. Dem Anschein nach werden so große Banken mit hohen Bilanzsummen entstehen, auch wenn sie in Wirklichkeit mit weniger Personal, Zweigstellen und Geldautomaten weniger hochwertige Dienstleistungen erbringen.

Die Regulierungsbehörden werden nur allzu gerne bekunden, dass ihr Land eine geringere Anzahl größerer Banken benötigt. In den letzten zehn Jahren ist der Bankensektor in Spanien von 55 auf 12 Banken geschrumpft. Doch das "Große-Banken-Narrativ" ist irreführend. Der Wert europäischer Banken schrumpft weiter. Santander, Spaniens größte Bank, ist heute noch 37 Milliarden Euro wert. Im Dezember 2007 waren es 89 Milliarden Euro.

Bankfusionen ersetzen Sanierung

Liegt der Aktienkurs einer Bank deutlich unter dem Buchwert, ist offensichtlich, dass die Marktteilnehmer der Buchbewertung der Bank nicht trauen. Im Fall von Bankia, die in der Vergangenheit durch mangelhafte Buchführung und Überbewertung von Vermögenswerten auffiel, hätte ein Abschlag in Höhe von 67 Prozent eine laute Warnung sein sollen. Kein Anreiz für eine Übernahme. Die europäische Bankenkrise steht jedoch niemals still, und die wesentlichen Details sind oft so undurchschaubar, dass die Kommentatoren einfach über die jüngste "gute Nachricht" berichten und die Vergangenheit ruhen lassen.

Die in der EU-Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Banken (2014/59) festgelegten Bail-In-Regeln sind wohl inzwischen so gut wie überflüssig. Ihrer Anwendung kommen Fusionen regelmäßig zuvor.

Was die Bankia-Story betrifft, so ignorieren die oben zitierten Zahlen zur direkten Unterstützung durch Steuerzahler weitere Kosten für die Allgemeinheit. So kamen noch Aufwendungen für staatliche Untersuchungen (einschließlich strafrechtlicher Verfolgung) und die Unterstützung der Zentralbank für Bankia sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene durch die EZB hinzu. Es stellt sich die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, Bankia im Jahr 2012 abzuwickeln. Das hätte zur Folge gehabt, dass Caixa heute gezwungen wäre, das eigene Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen, um zu entscheiden, ob es eine Zukunft hat.

Es hat etwas von Ironie, dass von der EZB ermutigte Bankenfusionen, die für die fusionierenden Geldhäuser auch aufgrund des Badwills und seiner buchhalterischen Behandlung attraktiv sind, vermutlich zu kleineren Bankbilanzen führen werden. In einer Zeit, in der die EZB und die europäischen Volkswirtschaften eine Ausweitung der Bilanzsummen brauchen. Die Fusion schwacher Banken mit anderen schwachen Banken und das Verschleiern grundsätzlicher Probleme durch eine nicht transparente Rechnungslegung werden dazu führen, dass das spanische Bankensystem zusehends krisenanfälliger wird.

Bild (bearbeitet): David Monje/Unsplash

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