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EZB arbeitet weiter an digitaler Währung

Im vergangenen Oktober veröffentlichte die EZB ein 55 Seiten langes Papier über die Vor- und Nachteile einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC). In diesem Papier kam die EZB zu dem Schluss, dass die Forschung in einem moderaten Tempo fortgesetzt werden sollte. Umso mehr überraschte eine vor kurzem veröffentlichte gemeinsame Stellungnahme der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank. Wir erfahren, dass die EZB (gemeinsam mit der Europäischen Kommission) sehr aktiv "die Möglichkeit der Ausgabe eines digitalen Euros untersucht" und dass ein Projekt innerhalb weniger Monate beginnen könnte. Wozu die Eile? Zwei Begründungen werden in der Stellungnahme genannt: das Aufkommen von Krypto-Assets und die "schnelle Veränderungen in der Zahlungslandschaft". Im Folgenden werden wir auf beide Aspekte eingehen.

Krypto-Assets gewinnen an Akzeptanz im Markt

Die EZB scheint vom starken Bitcoin-Preisanstieg beeindruckt zu sein, dessen Kurs mittlerweile auf über 45.000 Dollar stieg. Nachdem der Bitcoin bereits 13 Jahre am Markt etabliert ist, kann man ihn kaum als neuen Trend bezeichnen. Vielmehr hat er einen Weg in den Mainstream gefunden. Einige prominente Kritiker, die zuvor an der Zukunft von Bitcoin zweifelten, haben sich mittlerweile optimistisch geäußert. JP Morgan begrüßt mittlerweile Bitcoin, Ray Dalio beschreibt Bitcoin jetzt als eine Innovation, die er "sehr bewundert", und ein anderer erfolgreicher Hedge-Fonds-Manager, Scott Minerd, sagt einen Preis von 600.000 Dollar pro Bitcoin voraus.

US-Regulierungsbehörde positioniert sich

Eine weitere wichtige Nachricht war die Ankündigung des neuen US Office of Comptroller of the Currency (OCC) im Januar, dass US-Banken berechtigt sein werden, Zahlungsverpflichtungen in Stablecoins abzuwickeln. Es ist bemerkenswert, dass die Behörden einen Unterschied zwischen Stablecoins (die vollständig durch Währungen wie den US-Dollar gedeckt sind) und anderen Krypto-Vermögenswerten wie Bitcoin machen, die nicht gedeckt sind. In der OCC-Ankündigung wird auch die Blockchain-basierte dezentrale Struktur gebilligt. Fans von Stablecoins interpretieren dies als Hinweis, offen mit etablierten Unternehmen im Bereich des Zahlungsverkehrs konkurrieren zu können.

Bank of England fordert Regulierung

In einer der Zukunft von digitalem Zentralbankgeld gewidmeten Sitzung des Weltwirtschaftsforums in Davos kritisierte der Gouverneur der Bank of England, Andrew Baily, den Bitcoin erneut als zu volatil, um eine Rolle im Zahlungsverkehr zu spielen. Er begrüßte aber dennoch Stablecoin-Innovationen im Zusammenhang mit der Erleichterung kostengünstigerer Überweisungen. Baily forderte, dass für solche Token weltweit einheitliche Regelungen gelten sollten, um Standards bezüglich der Wertstabilität, der Prävention von Finanzkriminalität und der Privatsphäre von Nutzern gewährleisten zu können.

Negative Zinsen durch CBDCs?

Aber sind Zahlungsinnovationen wirklich der primäre Grund für die Überlegungen der Bank of England? Anfang Februar wies die Bank of England britische Banken an, nachzuweisen, dass sie im operativen Geschäft bereit für negative Zinsen sind. Gleichzeitig bekundete die Bank of England, dass sie aktuell keine Senkung der Zinsen unter Null in Erwägung ziehen würde.

Es ist bekannt, dass es für Zentralbanken schwierig sein wird, negative Zinsen für Privatkunden durchzusetzen, ohne dass das Bargeld durch einen digitalen Ersatz wie digitales Zentralbankgeld verdrängt wird. Die Forschung zu digitalem Zentralbankgeld für derartige Zwecke kann legitimerweise dem Bereich der Fortentwicklung der Zahlungslandschaft zugeordnet werden.

Wird sich die EZB daran ein Beispiel nehmen und einen erfolgreichen digitalen Euro entwerfen und einführen? Wir sind aus zwei Gründen skeptisch. Erstens ist das europäische Überweisungssystem nicht integriert und sieht sich weiteren Herausforderungen im Zahlungsverkehr gegenüber. Zweitens waren westliche Zentralbanken in der Vergangenheit nicht führend bei Innovationen im Technologiebereich.

Europäische Zahlungsverkehrsprobleme

Der britische und amerikanische Markt für Zahlungsverkehr ist dahingehend inklusiv, als dass alle Banken und zugelassenen Nicht-Bank-Nutzer Zahlungen über die national verknüpften Systeme tätigen und empfangen können. Die Systeme in Europa unterscheiden sich in diesem Punkt. In der Geschichte der EU sind von Zeit zu Zeit immer wieder neue Mitgliedsstaaten hinzugekommen. Aufgrund dessen ist der Markt eine Sammlung von mehreren Systemen, die entweder innerhalb eines Landes oder über die Grenzen kleiner Gruppen von Mitgliedsstaaten hinweg betrieben werden. Dies führt zu erhöhten Kosten und zu Einnahmen für die involvierten Banken. Die aktuell um ihre Zahlungsfähigkeit kämpfenden europäischen Banken werden ihre teuren Überweisungssysteme wohl hartnäckig verteidigen.

Visa und Mastercard: Herausragende Marktstellung

Darüber hinaus haben die amerikanischen Giganten Visa und Mastercard eine Duopolstellung im profitabelsten Teil der Zahlungssysteme, die täglichen Käufe per Kartenzahlung. Typischerweise geben Händler etwa 3 Prozent der Transaktionskosten in Form von Gebühren ab, die zwischen dem Kartenaussteller, der lokalen Schnittstelle zwischen dem Händler und z.B. Visa und Visa selbst aufgeteilt werden. Angesichts der Tatsache, dass Visa und Mastercard in den letzten 30 Jahren die großen europäischen und britischen Konkurrenten (Access, Barclaycard, Carte Bancaire) aufgekauft haben, ist es schwer vorstellbar, dass aus dem status quo ein europäischer Kartengigant erwächst.

Aus Sicht der EZB besteht daher trotz ihrer jüngsten Ankündigung gewiss wenig Bereitschaft, die gegenwärtige Zahlungslandschaft zu reformieren. Sollte das zutreffen, würde die Position mit öffentlichen Äußerungen von nationalen Zentralbankvertretern übereinstimmen, die es nicht begrüßen würden, wenn Facebooks Diem (ehemals Libra) in Europa Fuß fasste.

China vor Einführen von DCEP

China weitet die Vorab-Tests seines digitalen Yuan, bekannt als Digital Currency Electronic Payment (DCEP), in einer Reihe von Provinzen weiter aus. Alles scheint auf Kurs zu sein für eine vollständige Einführung im Jahr 2021. Chinas Behörden verfügen über die erforderliche technologische Innovation, die notwendig ist, um sicherzustellen, dass die Ziele erreicht werden können. Dazu gehört auch die Steigerung der Popularität der chinesischen Währung über die Grenzen Chinas hinaus.

Die EZB wird sich beeilen müssen, um eine Einigung zwischen den Mitgliedsstaaten der Eurozone über Gestaltungscharakteristika, Betriebsregeln und Kontrollfragen herbeizuführen. Und sie wird technisches Fachwissen auf hohem Niveau zusammenführen müssen, um einen überzeugenden digitalen Euro einführen zu können.

Technologische Innovation ist entscheidend

Die notwendige technologische Struktur zu erschaffen, ist eine massive Herausforderung für die EZB. Der Erfolg führender Krypto-Assets ist im Wesentlichen auf die Technologie zurückzuführen, die hinter jedem einzelnen Asset steht und vertrauensbildend gewirkt hat. So wie Amazon den Wettbewerb um die Vorherrschaft als vertrauenswürdiger Anbieter im Onlinegeschäft gewonnen hat und Apple im Online-Musikgeschäft eine herausragende Stellung innehat, so gibt es aktuell einen Wettlauf um die Schaffung eines vertrauenswürdigen Systems für digitales Geld. Solange die EZB in Bezug auf Konzeption und Technologie nicht auf Augenhöhe mit dem DCEP und den führenden Krypto-Assets ist, wird ihr digitales Angebot auf geringes Interesse bei den Nutzern stoßen.

Kryptowährungen auf der Überholspur

Die Arbeit der weltweiten Zentralbanken an der Erforschung und Entwicklung digitaler Währungen scheint in rasantem Tempo voranzuschreiten, beschleunigt durch den rapiden Anstieg der Preise für Kryptoassets und ihrer zunehmenden Akzeptanz bei Investoren und Banken.

Doch die einzige digitale Währung, die bereits vor dem Start Aussicht auf Erfolg hat, ist die chinesische. Die EZB hinkt bezüglich möglicher Netzwerkeffekte bei der Entwicklung und Ausgabe einer digitalen Währung hinterher, was ihre Ambitionen für den Euro als Reservewährung entgegenläuft. Angesichts eher zunehmender Wertpapierankäufe und zusätzlicher Pandemie-Rettungsprogramme geht die Motivation der EZB und anderer westlicher Zentralbanken, Kryptoassets stärker zu regulieren Hand in Hand mit der Fortentwicklung digitaler Währungsangebote. Letztlich geht es darum, dass die Zentralbanken ihre Geldmonopole verteidigen können.

Bild: Fabian Kurz

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