Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


Flashcode 2 url IREF - Institute for Research in Economic and Fiscal issues
Für wirtschaftliche Freiheit und Steuerwettbewerb
https://de.irefeurope.org/1383

von ,

Facebooks Libra: Eine Herausforderung für Lagarde?

Für Facebook stellte sich die nachlassende Attraktivität der Marke in der letzten Zeit als Herausforderung dar. Eine Reihe neuer Social Media Plattformen sind attraktiver als Facebook, das heute eher als soziale Plattform für ältere Generationen gilt und für Jugendliche keinen sonderlich starken Reiz bietet.

Facebook hat 3,5 Milliarden Kunden - knapp die Hälfte der Weltbevölkerung. Aus diesem Grund ist die von Facebook angekündigte Währung Libra interessant. Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund der fortwährend unsicheren Zukunft des Euro, der vermutlich nur eine der Währungen sein wird, die den Libra decken sollen. Angaben zu den Währungen und Wertpapieren, die den Libra decken sollen, sind vage. Risikoarme Wertpapiere wie Staatsanleihen und Bankguthaben werden genannt. Wir erwarten, dass es vor allem Anleihen von Ländern der G7-Gruppe, supranationalen Unternehmen und bonitätsstarken Banken sein werden. Wird der Libra erfolgreich sein?

Lagardes EZB-Politik und der Libra

Von großer Bedeutung für die Aussichten von Libra wird die Haltung von Frau Lagarde sein, deren Ernennung zur neuen Präsidentin der EZB nichts mehr im Wege steht. Die Befürworter von mehr Zentralisierung auf Ebene der EU sind erfreut, dass die Wahl auf Christine Lagarde fiel. Obwohl sie keine professionelle Zentralbankerin ist, gilt sie als vernünftig, erfahren, technisch kompetent und engagiert für das Euro-Projekt. So sagte Angela Merkel am 3. Juli in Brüssel:

"Ich denke, Christine Lagarde hat so viel Erfahrung und Wissen, dass sie auch weiß, was sie vielleicht nicht weiß und wo sie jemanden fragen muss. Sie wird dies mit Sorgfalt und großem Engagement tun, damit der Euro gut funktioniert - davon bin ich überzeugt."

Der Euro steht im Gegensatz zum Libra vor vielen Herausforderungen. Die zu erwartende "akkomodierende" Geldpolitik Lagardes kommt den Interessen der Zentralisierungsbefürworter entgegen.

Zu den Referenzen von Frau Lagarde gehören, bei der Entschärfung der Griechenlandkrise eine Schlüsselrolle gespielt zu haben, die im Juli 2015 drohte, den Euro zu destabilisieren. Es steht zu erwarten, dass sie sich das Credo des jetzigen Amtsinhabers Mario Draghi, für die Eurorettung zu tun „whatever it takes“, zu Eigen gemacht hat. Vermutlich wird sie darauf hinwirken, das Zinsniveau noch weiter zu senken.

Die Euro-Zentralbanker

Europas führende Banker haben den Libra und die dahinterstehenden Innovationen grundsätzlich begrüßt. Etwa zeitgleich mit dem Bekanntwerden des Libra machte der Gouverneur der Banque de France, Francois Villeroy de Galhau, Schlagzeilen. Als derzeit der G7 vorsitzendes Land plane Frankreich, eine "Task Force" mit dem Schwerpunkt Kryptowährungen einzurichten. Im Zentrum der Aufmerksamkeit der Task Force sollen „Stablecoins“ wie Tether und Libra stehen.

Einige Tage zuvor hatte der französische Finanzminister Bruno le Maire jedoch davor gewarnt, dass der Libra, wenn er nicht reguliert wird, zu einem Hafen für kriminelle Aktivitäten werden könnte, so wie Bitcoin früher vornehmlich von Drogenhändlern, Waffenschmugglern und anderen Silk Road Händlern genutzt wurde.
Wenn Libra über Softwareschnittstellen in das Bankensystem eingebunden wird, sollte eine Regulierung im Sinne der Geldwäschebekämpfung in Bezug auf Libra in gleichem Maße möglich sein wie bei Euro-Bankkonten. Aus diesen Gründen ist es unwahrscheinlich, dass Regulierung per se ein großes Hindernis für den Libra sein wird.

Kritik am Libra

Ein anderes Argument könnte sich allerdings als Hindernis für die Verbreitung des Libra herausstellen, das in einem Artikel von Jon Sindreu im Wall Street Journal sorgfältig dargelegt wird. Sindreu zieht Parallelen zwischen dem Libra und der US-amerikanischen Geldmarktfondsindustrie, die in den 1970er Jahren ins Leben gerufen wurde. Es kann schwierig sein, den Wert der Währung stabil zu halten, da die ihr zugrunde liegenden Vermögenswerte Wertschwankungen unterliegen. Im Vorfeld der Finanzkrise im Jahr 2007 war die BNP Paribas die erste Bank, die die Rücknahmen von Fondanteilen eines Geldmarktfonds einstellte. Als der große Geldmarktfonds Reserve Primary Fund 2008 bekannt gab, dass seine Vermögenswerte nicht mehr den angegebenen 1 US-Dollar pro Aktie wert seien, brach die kurzfristige Finanzierung im gesamten globalen Finanzsystem zusammen.

Diese Argumente sind jedoch weniger eine Kritik am Libra, sondern eine Einschätzung der langfristig größten Herausforderung an den Libra: Er kann nur so lange überleben, wie der Euro selbst fortbesteht.

Lagardes Ziele

Die europäische Finanzelite setzt große Hoffnungen in Christine Lagarde, die unter schwierigen Bedingungen die Präsidentschaft der EZB übernehmen wird. Es ist zu erwarten, dass sie sich für eine gemeinsame Einlagensicherung und damit für eine vollständige Bankenunion einsetzen wird. Sollte sie damit Erfolg haben, ist ferner zu erwarten, dass der Schwerpunkt der Kommission künftig auf der Verwaltung der nationalen Haushalte liegt und die alten Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten. Allerdings halten selbst Frankreich und Deutschland diese Regeln derzeit nicht ein.

Kein Kampf um den Libra

Aus diesem Grund wird der Libra nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Es könnte Streit um Regulierungsmaßnahmen zwischen der Kommission und Facebook geben. Beide haben allerdings zu viel zu verlieren. Anders ausgedrückt, der Libra wird für Präsidentin Lagarde voraussichtlich keine allzu große Herausforderung und sie wird wahrscheinlich nicht zu viel Zeit damit verbringen, den Libra herauszufordern.

Auf eine echte Währungsinnovation, in der die nationalen Zentralbanken bereit sind, Alternativen zu nationalen Währungen zuzulassen, warten wir weiterhin mit Vorfreude. Ein Visionär mit einer zündenden Idee könnte dann die Welt des Geldes etwas aufmischen.

Bild (zugeschnitten): geralt/pixabay

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Bankenregulierung vor Zentralisierungsschub

Das neue EU-Spitzenpersonal: Wird aus der Währungsunion eine Fiskalunion?


USA und Eurozone: Geldpolitik und Bankensysteme "out of sync"

Euro: Vertiefung durch politische Stärkung?



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

SCHLIEßEN

IREF Newsletter
Bleiben Sie stets informiert.

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.