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FinTech-Startups: Schnelles Wachstum, aber Verluste

FinTech-Startups wird der Eintritt in den Markt durch Regulierungslockerungen erleichtert. Hilft diese Maßnahme den jungen Unternehmen erfolgreich zu sein? Die Erfolgsbilanz ist durchwachsen. Trotz schnellem Kundenwachstum erwirtschaften viele FinTech-Startups keine Gewinne. Während über die Innovationskraft diskutiert wird, werden erste Vergleiche zur Dotcom-Blase Anfang der 2000er gezogen.

Der Markteintritt für Finanzdienstleister soll durch zwei neue regulatorische Anreize attraktiver gestaltet werden: Die Open Banking Initiative und das sogenannte „Sandboxing". Open Banking ist Teil der im Oktober 2015 verabschiedeten Zahlungsdiensterichtlinie und soll Kunden ermutigen, den Austausch persönlicher Daten mit lizenzierten FinTech-Startups zuzulassen. Sandboxing ist ein relativ neues Konzept, bei dem auf bestimmte Vorschriften verzichtet wird. Dies soll Unternehmen, die neue Finanztechnologien entwickeln, helfen, im Markt Fuß zu fassen. Im Zentrum steht der Gedanke, dass die hohen Anforderungen im Bankensektor den Markteintritt neuer Firmen unnötig erschweren. Die Mindesthöhe des Eigenkapitals stellt beispielsweise ein solches Hindernis dar. Regulierungen zielen darauf ab, dass von Unternehmen keine Risiken für das Finanzsystem ausgehen.Um als Startup von den Regulierungen befreit zu sein, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, wie z.B. ein begrenzter Kreis an Kunden. Doch ab welchem Zeitpunkt ist das neue Unternehmen bereit, die allgemeinen Vorschriften einzuhalten und ab wann kann es sich gegen die ausgewachsene Konkurrenz auf dem Markt bewähren?

Welche FinTechs sind erfolgreich?

Im September wurde auf einer Veranstaltung in London dieser Sachverhalt thematisiert. Geladen waren Journalisten aus den traditionellen Medien wie der Financial Times sowie Vertreter neuer Medien wie Quartz. Diskutiert wurden einige namenhafte Unternehmen der FinTech-Branche.

Digital Asset Holdings ist ein Unternehmen, das sich von der Vermarktung der Blockchain-Technologie als Zahlungsmittel weg zu einem "Smart Contract"-Unternehmen entwickelt hat. Das Konzept der Smart Contracts kann jedoch kritisch gesehen werden. Ein Vertrag muss, um vor Gericht Bestand zu haben, alle Merkmale traditioneller Verträge aufweisen. Die elektronische Abwicklung traditioneller Verträge besteht jedoch schon seit Jahren. Sollten die angebotenen Smart Contracts vor Gericht keinen Bestand haben, wären sie wertlos.

Revolut: Provisions- und Gebührenfrei

Revolut ist mit mittlerweile 4 Millionen Kunden eines der erfolgreichsten Startups im Finanzsektor. Das Unternehmen wird bei der nächsten Finanzierungsrunde voraussichtlich mit 9 Milliarden Euro bewertet. Erfolgreich wurde das Unternehmen, indem es eine Alternative zu den zunehmend hohen Gebühren traditioneller Banken für Zahlungen in Fremdwährungen bietet. Gründer und CEO Nikolay Storonsky beschreibt die Vorteile Revoluts:

„Viele traditionelle Banken auf der ganzen Welt scheitern, weil sie keine effektiven Technologieplattformen anbieten, Kundendaten nicht richtig integrieren, um bessere Leistungen anzubieten, und weil sie es versäumen, künstliche Intelligenz in ihre Prozesse aufzunehmen.“

Revolut bietet jetzt einen provisionsfreien Aktienhandel - bis zu drei Transaktionen pro Monat - und eine Handelsplattform für Kryptowährungen. Das Unternehmen ist in vielen Ländern tätig und hat in zahlreichen Bereichen vom Sandboxing profitiert: Der Aktienhandel wird außerhalb der MIFID-2-Regeln abgewickelt und bei der Implementierung der Legitimationsprüfung „Know Your Customer“ (KYC) wurde sehr nachsichtig vorgegangen. Revolut offenbarte allerdings auch, dass es Compliance-Mängel gab. Während eines ihrer größten Wachstumssprünge wurden anscheinend mehrere Monate lang "versehentlich" die Kontrollen zur Bekämpfung der Geldwäsche abgeschaltet. Darüber hinaus ist von doppelten Abbuchungen von Kundenzahlungen die Rede.

N26 und Monzo positionieren sich als neue und digitale Banken. Beide Unternehmen sind aber natürlich in das europäische Bankensystem integriert. Im Grunde unterscheidet sich ihr Geschäftsmodell nicht von traditionellen Banken. Ihr technologischer Vorteil besteht vor allem in einem Kundenkontakt, der hauptsächlich über Apps läuft. Das deutsche Startup N26 hat mittlerweile 3,5 Millionen Kunden und anscheinend einen Marktwert von mehr als 3,1 Milliarden Euro. Die britische Monzo-Bank hat mit 2 Millionen Kunden einen Marktwert von über 2,3 Milliarden Euro. Monzo bietet eine Reihe neuer Kreditprodukte an und expandiert nun in die USA. Erste Rückschläge erlitt das Unternehmen durch größere Datenschutzverletzungen. Sowohl Monzo als auch N26 verzeichnen allerdings weiterhin Verluste.

Wie innovativ ist der FinTech-Sektor?

Bei näherer Betrachtung bieten viele der neuen Unternehmen im FinTech-Sektor nur wenig technologische Innovation, die allerdings ebenso wie die weit verbreitete Verachtung der Verbraucher für traditionelle Banken en vogue ist. Die neuen Unternehmen bieten Hilfe bei der Budgetierung und erleichtern ihrem jungen Kundenklientel den Überblick über finanzielle Verpflichtungen. Sie bieten jedoch kein grundlegend neues Geschäftsmodell, sondern funktionieren im Wesentlichen wie traditionelle Banken auch. Der Schlüssel ihrer Attraktivität liegt darin, ihre technischen Aspekte zu betonen und ihre traditionellen Bankfunktionen herunterzuspielen.

Ein Beispiel für den Mangel an echten Innovationen ist, dass viele der neuen Marktteilnehmer mit anderen und weniger sichtbaren Bankenplattformen kooperieren. Beispielweise fehlen den meisten FinTech-Startups die Ressourcen, um im Bereich Devisen (Forex) eine eigene große Exponiertheit selbst zu managen. Viele dieser Unternehmen nutzen die Plattform "Currencycloud". Diese ist deutlich billiger und weniger riskant als die Einstellung eines Teams erfahrener Forex-Profis. Currencycloud kann mehrere kleine Devisengeschäfte im Namen von Kunden zu Kursen durchführen, die den Kursen der Großbanken sehr nahe kommen. Obwohl dies eine erfolgreiche Strategie sein kann, birgt sie ein Klumpenrisiko. Wenn Currencycloud ein Problem hat, könnte der Großteil der Startups im Bankensektor in Bedrängnis kommen.

Startkapitalfinanzierung und Börsengänge

An frischem Kapital mangelt es den Unternehmen Revolt, Monzo und N26 offenbar weiterhin nicht. Ein Börsengang ist für die neuen Unternehmen aber kein Selbstläufer. Laut Medienberichten musste offenbar das Startup WeWork im September bekannt geben, dass das Unternehmen kurz vor dem Börsengang mit lediglich knapp 18 Milliarden Euro bewertet wurde. Dies ist nicht einmal die Hälfte der 42 Milliarden Euro, auf die das Unternehmen bei der letzten privaten Finanzierungsrunde bewertet wurde. Kritische Stimmen meinen, dass sich WeWork zwar als Technologie-Startup positioniert hat, obwohl das Kerngeschäft die traditionelle Vermietung von Büroflächen ist. Aufsehen hat darüber hinaus erregt, dass der Gründer und CEO Gebäude gekauft hat, um sie anschließend an WeWork zu vermieten.

Goldgräberstimmung bei den FinTechs

Die Medien greifen die Goldgräberstimmung in der FinTech-Branche auf und beginnen Parallelen mit der Dotcom-Blase zu ziehen, die im März 2000 zu platzen begann. Eine Möglichkeit diesem Schicksal zu entgehen, wäre für die Unternehmen, Geld zu verdienen. Bisher gelang dies weder Revolut noch Monzo oder N26. Der CEO von Monzo, Tom Blomfield, sprach kürzlich fast entschuldigend darüber, dass Geldverdienen auch nicht schlecht wäre. Zuvor ging es hauptsächlich darum, künstliche Intelligenz einzusetzen, mehr Dashboard-Apps anzubieten und Kunden mehr Vorschläge in Form Emoji-gespickter Nachrichten zu schicken.

Gemein ist allen Unternehmen, dass sie ihre Kundenbasis schnell erweitert haben. Die Bewertung der Startups hängt jedoch entschieden vom weiteren Wachstum der Kundenzahlen ab. Die zentrale Frage ist: Welcher Nutzen kann aus den Investitionen geschaffen werden? Werden finanziellen Ressourcen genutzt, um den Kunden ein überlegenes Geschäftsmodell bereitzustellen oder wird das Geld zur Kundengewinnung ausgegeben, ohne wirklich Mehrwert beim Kunden zu schaffen?

Mit Sandboxing zu konventionellem Banking?

Es ist zu vermuten, dass die EU-Kommission und die EZB als Begründer von Sandboxing und Open Banking immer wussten, dass mit den systemrelevanten Banken etwas nicht stimmt. Die beschriebene Situation deutet darauf hin, dass viele FinTech-Unternehmen sich zu traditionellen Banken entwickeln und nach cleveren Wegen suchen, um Gebühren erheben zu können. Der "Erfolg" der weiterhin verlustreichen Unternehmen ist eher auf eine kluge Vermarktung zurückzuführen, die den Zeitgeist trifft, als auf bahnbrechende technologische Neuerungen.

Wenn das Ergebnis von Sandboxing und Open Banking eine Reihe von Unternehmen ist, die sich kaum von den systemrelevanten Banken unterscheiden, stellt sich die Frage, was der Sinn der großen Anzahl von Bankvorschriften ist. Vielleicht sollte das ein Anstoß für die Politik sein, eine Konsolidierung zu ermöglichen oder die Deregulierung auf die systemrelevanten Banken auszudehnen.

Bild: Alexander Dummer/Unsplash

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