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Kryptos: Zentralbanken bereiten Regulierung vor

Der parteiübergreifende parlamentarische Ausschuss für Bankenregulierung und Zentralbankwesen des Vereinigten Königreichs hat im September eine Analyse über Chancen und Risiken veröffentlicht, die im Zusammenhang mit Krypto-Vermögenswerten stehen. Der Bericht verwendet den Begriff „Krypto-Vermögenswerte“ um Bitcoin, Ether und weitere Kryptowährungen sowie Altcoins und jegliche Token zusammenzufassen, die über Initial Coin Offerings (ICO) ausgegeben werden.

Investoren und Anhänger von Kryptowährungen erhalten durch den Bericht einen Einblick in die Positionen der Regierung zu Krypto-Vermögenswerten. Der Ausschuss zeigt sich durchaus offen gegenüber Krypto-Vermögenswerten und beschreibt sie als neue und innovative Finanzanlagemöglichkeit, die lediglich angemessen reguliert werden muss. Gleichzeitig offenbart der Ausschuss allerdings eine zynisch anmutende Sicht auf die Wachstumstreiber von Krypto-Vermögenswerten:

„Die Haupttreiber für den Wert von Krypto [Vermögenswerten] (insbesondere Bitcoin) [werden] in der Erleichterung krimineller Aktivitäten, Spekulationen und einer hohen Wahrscheinlichkeit systematischer Marktmanipulationen gesehen.“

Der Bericht fordert die Bank of England auf, bestehende und künftige Vorschriften in den Bereichen Anti-Geldwäsche, Legitimationsprüfung von Kunden und Terrorismusbekämpfung auf Krypto-Vermögenswerte anzuwenden. Der Bericht vernachlässigt dagegen, dass die Nutzung der Blockchain-Technologie für Finanzinstitute einen effizienteren Ressourceneinsatz ermöglicht, welcher noch weitgehend unerforscht ist. Eine weitere Erkenntnis ist, dass weltweit Zentralbanken von dem Plan Abstand nehmen, selber digitale Währungen auszugeben.
Wir widmen uns diesen Einschätzungen und beurteilen, ob die Regulierung der Kryptovermögenswerte den Markt für Initial Coin Offerings (ICO) beeinflussen wird.

Alternative Zahlungssysteme?

Der Bericht zitiert ausführlich eine gemeinsame Stellungnahme von Izabella Kaminska, Editor von Financial Times Alphaville, und dem Kryptoanalytiker Martin Walker vom Centre for Evidence Based Management (CEBMa). In der Stellungnahme wird argumentiert, dass die neusten technologischen Entwicklungen die Regulierung weiter erschweren werden, da sie eine noch größere Anonymität ermöglichen als die Verwendung von Bitcoin, die immer nur teilweise anonym war. Darüber hinaus beschreiben Kaminska und Walker, dass die aktuellen Anwendungen der sogenannten Distributed Ledger Technologie, wie „Corda“ von R3, „Fabric“ von Hyperledger und „XRP“ von Ripple, auf Kernfunktionen der Blockchain verzichten: Es gibt keine Verwendung als Kryptowährungen und es werden zentral verwaltete, geschlossene private Netzwerk genutzt. Dadurch ist Anonymität ausgeschlossen und es ist möglich jeden zu identifizieren.

Was den internationalen Zahlungsverkehr betrifft, so wird im Bericht erläutert, warum weder Kryptowährungen noch Blockchain eine Bedrohung für die bestehende Zahlungsinfrastruktur darstellen. Zahlungsverkehr ist im Kern nur eine Benachrichtigungsaktivität. Internationale Zahlungen dauern heute nur noch Sekunden. Diese Zahlungsbenachrichtigungen weiter zu beschleunigen wird kaum Auswirkungen auf die Gesamtzeit der Transaktion haben, da Zahlungsverzögerungen typischerweise auf manuelle Prozesse wie die Überprüfung der Anti-Geldwäsche Richtlinien und auf Liquiditätsmanagement zurückzuführen sind.

Bank of England nimmt Abstand von „Crypto-Sterling“

Seit einigen Jahren veröffentlicht die Bank of England Forschungspapiere, in denen die Befürchtung geäußert wird, dass Cryptowährungen eine große Popularität erreichen und die geldpolitische Handlungsfähigkeit der Zentralbank einschränken werden. Im Jahr 2016 kündigte die Bank of England Pläne für die Einführung einer eigenen, zentral ausgegebenen Kryptoversion des britischen Pfunds an: den RS Coin. Von diesen Plänen nimmt die Bank of England nun allerdings Abstand. Die damit verbundenen Risiken für die Finanzstabilität seien größer als die erreichbaren Vorteile, da Kunden den Geschäftsbanken Liquidität entziehen würden, um RS Coins zu kaufen.

Die Erfahrungen anderer Zentralbanken, die bereits weitergehende Pläne zur Einführung von digitalem Zentralbankgeld umgesetzt haben, waren ein gewichtiger Grund für die Bank of England, von ihren Plänen Abstand zu nehmen. Zwei Projekte werden hier genannt:

> Ecuador hat 2015 mit dem Dinero Electrónico eine eigene digitale Zentralbankwährung herausgegeben. Diese besaß allerdings keine eigene Kryptographie und stellte sich - ähnlich wie der RS Coin - als elektronische Version des offiziellen Zahlungsmittels heraus. Der Dinero Electrónico konnte sich nicht als Zahlungsmittel durchsetzen und wurde in diesem Jahr wieder abgeschafft.

> Estland hat die Einführung einer digitalen Währung als Alternative zum Euro erwägt. Allerdings hat Estland dieses Projekt mit der Begründung aufgegeben, dass ein weiteres Vorgehen mit der Mitgliedschaft in der Eurozone nicht vereinbar sei.

Liest man zwischen den Zeilen, scheint es als ob die Entscheidung der Bank of England auf der Annahme beruht, dass sich Kryptowährungen nicht als Zahlungsmittel durchsetzen werden. Es wird angenommen, dass die Hauptmotivation von Investoren darin besteht, Vermögenswerte in der Hoffnung auf steigende Kurse zu halten. Die gesamte Marktkapitalisierung von Krypto-Vermögenswerten in Höhe von 300 Mrd. USD ist relativ gering. Nur 500 Händler - weniger als ein Händler pro Stadt - akzeptieren aktuell Bitcoins in Großbritannien. Ein möglicher Grund für die geringe Akzeptanz ist die langsame Transaktionsgeschwindigkeit. Bisher zeichnet sich keine Lösung ab, um die langen Transaktionszeiten zu beschleunigen - weder beim Bitcoin noch bei anderen digitalen Währungen.

Wie gehen die britischen Behörden weiter vor?

Der Bericht stellt fest, dass Kryptowährungen langfristig eine Rolle spielen werden und viele seriöse Organisationen daran arbeiten, die dafür notwendige Infrastruktur aufzubauen. Die Regierung drängt nun darauf, dass Anti-Geldwäsche Richtlinien, Legitimationsprüfung von Kunden und Terrorismusbekämpfung auf Krypto-Vermögenswerte angewandt werden. Es wird vorgeschlagen, dass die Regulierung beim Umtausch von Geld in Krypto-Vermögenswerte ansetzt. Auf diese Weise werden Banken in die Pflicht genommen, die die Kundenüberweisungen für den Kauf von Kryptowährung beaufsichtigen müssen. Initial Coin Offerings gelten somit ebenfalls als regulierungspflichtig.

Wird die Kryptobranche sich gegen die neuen Vorschriften wehren? Dies scheint nicht der Fall zu sein. Anhänger von Kryptowährungen vertreten die Meinung, dass vor allem Infrastruktur wie Börsen und Depotbanken benötigt werden. Aus diesem Grund werden die Regulierungen als vertrauensbildende Maßnahmen begrüßt, die die Investitionsbereitschaft erhöhen könnten. So arbeitete die Kyptobranche eng mit EU-Beamten zusammen, um die neue Anti-Geldwäsche Richtlinie auszuarbeiten.

Die Herausforderung für die britischen Behörden besteht darin, einheitliche Definitionen von Krypto-Vermögenswerten zu finden und genaue Regulierungsstandards zu definieren. Japan reguliert Bitcoin-Börsen ähnlich wie der Bericht es empfiehlt. Die Regierung in Japan begründet die Regulierung jedoch mit der Anerkennung von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Bank of England wird wohl ihre Beziehungen zum Financial Stability Board nutzen und eine weltweite Klassifizierung von Krypto-Vermögenswerten sowie deren Regulierung anstreben.

Müssen sich Kryptoinvestoren Sorgen machen?

Der Bericht erscheint sachlich und enthält einige sinnvolle Regulierungsvorschläge. Dennoch wird offensichtlich, dass die Regierung und die britische Zentralbank daran arbeiten, dass Krypto-Vermögenswerte weiterhin eine Randerscheinung im Finanzwesen bleiben. Im Zuge der Schließung der berüchtigten „Silk Road“ und der Verhaftung der Betreiber dieser Plattform haben Regulierungsbehörden die Erfahrung gemacht, dass sie auch in der Kryptobranche kriminelle Handlungen verfolgen können.

Darüber hinaus gibt es Anzeichen, dass auf dem ICO Markt etwas Ruhe einkehrt. Nachdem im ersten Quartal 2018 drei Milliarden US-Dollar durch ICOs erlöst wurden, stieg der Betrag zwar auf acht Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal. Davon entfielen allerdings vier Milliarden USD allein auf das Unternehmen „EOS“. Danach folgte im Juni ein ruhiger Monat.

Neue Vorschriften in den Bereichen Anti-Geldwäsche, Legitimationsprüfung von Kunden und Terrorismusbekämpfung könnten Nutzer abschrecken, die Geschäftsmodellen nachgehen, welche gegen Gesetze verstoßen. Nur wenn fortwährend innovative und spannende Projekte in der Kryptobranche entstehen, werden Krypto-Vermögenswerte zu einer signifikanten Größe werden und Einfluss auf die Bankenbranche sowie die Stabilität des jetzigen Notenbankensystems haben.

Bild (zugeschnitten): Hitesh Choudhary/Unsplash

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