Für wirtschaftliche Freiheit und Steuerwettbewerb


Menu


Für wirtschaftliche Freiheit und Steuerwettbewerb


de.irefeurope.org

Startseite > Diskussionsbeiträge > Newsletter Geld & Banken > Non-Performing Loans in Italien: Wie die Verbriefungsgesetze von 2016 zu (...)

Non-Performing Loans in Italien: Wie die Verbriefungsgesetze von 2016 zu Zombibanken geführt haben

Donnerstag 8. Juli 2021, von Gordon Kerr und Bob Lyddon mit Enrico Colombatto

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) ist sich des Problems notleidender Kredite (NPL), insbesondere in Italien, bewusst. Bestände notleidender Kredite bauten sich im rezessiven Umfeld nach der Staatsschuldenkrise ab 2010 schnell auf. In der Hoffnung, dass Banken ihre Solvenz anschließend besser darstellen, führte die EBA 2014 neue Definitionen für notleidende Kredite ein, um das Problem zu entschärfen. Trotz der Bemühungen der EBA wuchsen die NPL-Bestände italienischer Banken jedoch weiterhin mit etwa 20 Prozent jährlich und erreichten 2015/2016 ihren Höhepunkt, als 341 Mrd. Euro bzw. etwa 17 Prozent aller italienischen Bankkredite als notleidend eingestuft wurden.

Italienische Reform 2016

Im Jahr 2018 führten Änderungen der internationalen Rechnungslegungsstandards zu strengeren Regeln für die Bildung von Rückstellungen und die Anerkennung von Verlusten. Die EBA drängte daraufhin die Banken, realistischere Bewertungen für NPLs in ihren Bilanzen vorzunehmen und Rückstellungen zu bilden, die Gewinne und Eigenkapital reduzierten. Allerdings wurden diese Regeln von den Banken typischerweise nur auf die schlechteste Kategorie von NPLs angewandt.

Ein wesentlicher Faktor für die Reduzierung der NPLs waren die italienischen Gesetzesreformen von 2016. Wie wir erläutern werden, haben diese Reformen kaum mehr bewirkt als eine Verringerung der Anreize für Banken, ihre Bilanzen von faulen Krediten zu bereinigen. Infolgedessen haben Italiens Banken heute nicht nur ein weitaus größeres NPL-Problem als zu Beginn der Reformen 2016. Die finanziell schwachen und möglicherweise gar insolventen Institute vermitteln nach den reinen Baseler und IFRS-Kennzahlen sogar den Eindruck, besser dazustehen als vor den Reformen. Gleichzeitig finanzieren sie ihre NPL-Bestände über die Druckerpresse der Europäischen Zentralbank.

Das NPL-Verbriefungsmodell

Fälschlicherweise wurde behauptet, dass mit den neuen Gesetzen von 2016 eine "Marktlösung" für NPLs durch Verbriefung ermöglicht werden würde. Das ist schon angesichts einer Staatsgarantie des Wirtschaftsministeriums für die vorrangige Tranche der betreffenden Wertpapiere abwegig. Gleichzeitig wurden neue Verfahrensregeln eingeführt, die gerichtliche Vollstreckungsverfahren oder Portfolio-Teilverkäufe unterstützen und beschleunigen.

Die Banken haben die Transaktionen in Tranchen aufgeteilt, um sicherzustellen, dass die Anleihen der vorrangigen Tranchen mindestens als BBB eingestuft werden. Mindestens eine BBB-Bewertung ist notwendig, damit sich die Anleihen für die Staatsgarantie qualifizieren. Das Vorgehen illustriert, wie mit NPL umgegangen wird: Die Garantie bringt keine Bonitätsverbesserung, da Italien selbst von keiner anerkannten Ratingagentur höher als BBB bewertet wird. Aufgrund der Garantie des italienischen Staates können die vorrangigen Anleihen jedoch von einer Bank als risikolos behandelt werden und tragen entsprechend eine Baseler Risikogewichtung von null Prozent. Dies erklärt, warum sie immer von der verbriefenden Bank selbst gekauft werden.

Zwei Haupteffekte durch Verbriefung

Die Verbriefung geht mit zwei Haupteffekten einher:

a) Reduzierung des erforderlichen regulatorischen Eigenkapitals für die auf verbrieften Krediten basierenden Wertpapiere auf nahezu null
b) Einfache Finanzierung des Kaufs der Wertpapiere dank der verschiedenen Liquiditätsprogramme der EZB

Obwohl die verbriefende Bank also besser kapitalisiert zu sein scheint, hat sie in Wirklichkeit i) ein weitgehend ähnliches Maß an Risikoexposition und Engagement in den NPL-Portfolios beibehalten; ii) erhebliche laufende Portfoliomanagementkosten verborgen und iii) Strafzinsforderungen abgeschrieben, die ausgefallene Kredite typischerweise nach sich ziehen. Natürlich werden die vorrangigen Anleihen bevorzugt bedient, aber die Staatsgarantie stellt sicher, dass der Steuerzahler (schon vor der Pandemie) eine Hauptquelle für die fließenden Zahlungen ist.

Darüber hinaus haben die Banken fast 50 Prozent der minderwertigen Wertpapiere gekauft. Somit sind diese Banken derzeit den Risiken ausgesetzt, die von den in den minderwertigen Wertpapieren enthaltenen NPLs ausgehen. Da ihre Reserven jedoch für den Kauf der garantierten Wertpapiere verwendet wurden, haben sie nun fast keine Möglichkeit, zukünftige nicht garantierte Verluste aufzufangen.

Politiker und Notenbanker entwarnen

Nach dem ersten Aufkommen von NPL-Verbriefungen wurde von Politikern und Notenbankern viel über die Reduzierung der NPL-Zahl von 341 Mrd. Euro auf 180 Mrd. Euro bis Ende 2018 gesprochen. Im Oktober 2018 hielt Paolo Angelini, der stellvertretende Generaldirektor der italienischen Zentralbank für Finanzaufsicht, eine Rede, in der er den Erfolg des staatlichen Garantieprogramms betonte. Er stellte außerdem fest, dass ein aufkeimender privater Markt für den Verkauf von NPL-Krediten wachse, und das Problem im Wesentlichen gelöst sei:

"...die Vorstellung, dass das hohe Volumen an NPLs, das von italienischen Banken gehalten wird, ein Problem für die Finanzstabilität in Italien und Europa darstellt, ist nicht mehr haltbar".

Verschärfte IFRS-Regeln

Ebenfalls 2018 traten die Rechnungslegungsvorschriften IFRS 9 in Kraft. Diese Regeln sollten die Banken dazu zwingen, ihre NPLs deutlicher auszuweisen und damit mehr Transparenz in die Bilanzen der Banken zu bringen. Darüber hinaus sind Banken seitdem verpflichtet, Rückstellungen für Kredite zu bilden, die seit 30 Tagen oder mehr überfällig sind, was einem Ausfallrisiko der „Stufe 2“ entspricht. Diese Regeln sind strenger als die der EBA. Nach IFRS 9 müssen daher für Kredite, die zwischen 31 und 90 Tagen überfällig sind, Vorkehrungen getroffen werden, d.h. im Falle italienischer Banken, dass sie vom Nominalwert auf einen niedrigeren "Buchwert" abgeschrieben werden. Im Herbst/Winter 2020 wurden etwa 10 Prozent aller italienischen Bankkredite als "Stufe 2" klassifiziert.

Auf das Pandemiejahr 2020 reagierte die italienische Regierung mit der Ankündigung von Zugeständnissen an die Kreditnehmer. Bis Dezember 2020 wurde Krediten in Höhe von insgesamt 147 Mrd. Euro, ca. 7 Prozent der gesamten italienischen Bankkredite, der Status eines "Moratoriums" gewährt, in dessen Rahmen die Schuldendienstzahlungen ausgesetzt wurden. Obwohl das Moratorium den Banken erlaubte 147 Mrd. Euro ihrer NPLs zu streichen, bleibt die (mangelhafte) Qualität dieser Kredite unverändert. Die Summe wird derzeit auf etwa 400 Mrd. Euro geschätzt, ca. 17 Prozent der gesamten italienischen Bankkredite. Damit ist das Niveau von 2015 wieder erreicht, welches weit über der offiziellen Zahl liegt.

Gefahren für die Banken

Wenn wir richtig liegen und das breitere Maß der NPLs von 17 Prozent heute mehr oder weniger auf dem Niveau des Höchststands von 2015 liegt, unterschätzt selbst dieses Maß das Problem noch deutlich. Die wahren Risiken der Banken durch NPLs resultieren aus folgenden Umständen:

a) bereits aus den Büchern gestrichene und restrukturierte Kredite, die in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr bedient werden und möglicherweise bereits wieder in den NPL-Status zurückgefallen sind, aber dennoch zum vollen Nennwert bilanziert werden und mit unzureichendem Eigenkapital unterlegt sind (Banken wenden wohlwollende Risikogewichtungen an, indem sie übersehen, dass diese Kredite früher NPLs waren)
b) die neuen restrukturierten Kredite, die zum Teil über staatliche Garantien abgesichert sind
c) unverbriefte NPLs, die mit unzureichendem Kapital unterlegt sind (sie werden wie Performing Loans behandelt und sind mit wohlwollenden Risikogewichten belegt)
d) neue NPL

Alles, was mit den Reformen von 2016 erreicht wurde, ist eine weitere Ausweitung der Steuerzahlerhilfe für Italiens Banken, die eine Zombifizierung zementiert, Anreize für Konsolidierungen verringert und Aussicht auf eine kreative Zerstörung im Sinne von Joseph Schumpeter verhindert.

Foto: Fabian Kurz

https://de.irefeurope.org/Diskussionsbeitrage/Newsletter-Geld-Banken/article/Non-Performing-Loans-in-Italien-Wie-die-Verbriefungsgesetze-von-2016-zu-Zombibanken-gefuhrt-haben

Eine Nachricht, ein Kommentar?

Vorgeschaltete Moderation

Achtung, Ihre Nachricht wird erst nach vorheriger Prüfung freigegeben.

Wer sind Sie?
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar hier.

Abonniere unseren Newsletter