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Whatever it takes: Zentralbanken im Einsatz gegen den Klimawandel

Die Zentralbanken haben weltweit den Klimawandel als Rechtfertigungsgrund für neue Eingriffe entdeckt. Während die Zentralbanken von China, Indien und Brasilien bereits seit Jahren Umweltprojekte fördern, haben jüngst auch europäische Notenbanken das Thema für sich entdeckt. In Frankreich werden zwölfstellige Summen im Kampf gegen den Klimawandel genannt und in Großbritannien wird der Bankensektor mit Bürokratie überladen. Welchen Nutzen das hat, ist offen - und auch ob das Finanzsystem durch die neue Regulierungsvorhaben destabilisiert wird.

Weder Politiker noch politische Institutionen kommen derzeit um das Thema Klimawandel herum. Dies gilt auch für die Zentralbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England waren bei diesem Thema nicht die schnellsten. Bereits 2011 kündigte die Banco do Brasil an, dass Banken Umweltrisiken und soziale Risiken in ihre Risikostrategien aufnehmen und sie im Risikomanagement berücksichtigen müssen. Bereits 2012 berief sich die Zentralbank Indiens auf eine seit 1949 bestehende Gesetzesvorschrift, die Anreize schaffen soll, um umweltfreundlichen Projekten einen bevorzugten Zugang zu Kapital bei Banken zu sichern. So sollen beispielsweise Infrastrukturprojekte für erneuerbare Energien wie die Produktion von Biomassekraftstoffen, Windparks und Solaranlagen gefördert werden.

Der Gouverneur der französischen Zentralbank hat 2018 den Schätzung des IPCC aufgegriffen, dass Regierungen weltweit - und somit letztlich der Steuerzahler - jährlich über 800 Milliarden Euro für den Kampf gegen den Klimawandel ausgeben. Darüber hinaus sicherte er der eigenen Regierung die Unterstützung seiner Behörde zu. Eine der ersten Zentralbanken, die sich dem Thema Klimawandel angenommen hat, war die Zentralbank Chinas. 2007 hat sie zusammen mit anderen Einrichtungen wie dem Umweltministerium und der staatlichen Erschließungsbank die Finanzierung von Unternehmen eingeschränkt, die Umweltvorschriften wie beispielsweise vorgegebene Emissionsziele nicht eingehalten haben. Dies scheint im Widerspruch zu Chinas Energiepolitik zu stehen. Durch das Programm zum Bau von Kohlekraftwerken wird wöchentlich ein neues Kohlekraftwerk fertig gestellt und in Betrieb genommen.

Zögerliches Verhalten der Bank of England

Der erste Schritt der britischen Zentralbank aus dem Jahr 2017 erscheint dagegen zögerlich. Seitdem lässt sie allerdings keinen Zweifel daran, ebenfalls mitmischen zu wollen. Die Zentralbank lässt aktuell keine Möglichkeit aus, um Strategiepapiere, Initiativen und Reden zum Thema Klimawandel zu veröffentlichen. Das Vereinigte Königreich verfügt über eine Vielzahl an Institutionen, Vorschriften und Subventionen, die den Aufbau einer grünen Infrastruktur fördern. Die Bank of England geht allerdings einen anderen Weg. Sie nutzt die Regulierungsbehörde „Prudential Regulatory Authority“ (PRA). Diese äußerte sich beunruhigt über den Klimawandel und betitelte ihn als die möglicherweise größte Bedrohung für das globale Finanzsystem.

Die umfangreichen Strategiepapiere der PRA lesen sich, als ob ein entscheidendes Einschreiten ihrerseits alternativlos sei und bereits seit Jahrzehnten notwendig gewesen wäre. Auf den Einwand, warum die PRA trotz der von ihr beschriebenen Notwendigkeit erst zögerlich 2017 gehandelt hat, wird mit Bezug auf die Finanzkrise darauf verwiesen, dass bisher andere Themen vorrangig waren.

Gremien gegen den Klimawandel

Der kürzlich verstorbene Ökonom Martin Weitzmann war der Auffassung, dass aufgrund der Gefahr einer fatalen Katastrophe das übliche Verfahren einer Kosten-Nutzen-Analyse bezüglich des Klimawandels kein probates Mittel sei.

Der Ansatz von Weitzmann, bei der Bekämpfung des Klimawandels die Kosten der Maßnahmen eher zu vernachlässigen, wurde von der PRA übernommen. Zusammen mit der Financial Conduct Authority, die ebenfalls Teil der Bank of England ist, wurde ein neues Gremium von Finanzrisiko- und Klimaexperten mit dem Namen „Climate Financial Risk Forum“ (CFRF) ins Leben gerufen. Dieses Gremium soll mit dem von den internationalen Zentralbanken gegründeten Verbund „Network for Greening the Financial System“ (NGFS) zusammenarbeiten.

Im April dieses Jahres veröffentlichte die PRA ein umfassendes Positionspapier mit dem Titel "Enhancing Banks’ and Insurers’ approaches to Climate Change". Demnach sind britische Finanzinstitute zwei Risiken ausgesetzt: Zum einen einem "physischen Risiko", d.h. dem Risiko eines finanziellen Schadens durch ein Klimaereignis. Zum anderen einem Übergangsrisiko, d.h. das Risiko von Störungen und Verlusten bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft.

Welche Maßnahmen werden von britische Banken und Versicherungsgesellschaften erwartet? Sie sollen ihre Risikomodelle überarbeiten. Sie wurden aufgefordert, in ihren Kalkulationen die beiden Risiken zu berücksichtigen. Banken und Versicherungsinstitute müssen ihre Methoden der Datenerhebung offenlegen und erläutern, wie sie bei der Risikoberechnung mit Datenlücken umgegangen sind. Sie müssen darlegen, wie sie innerhalb und außerhalb des Unternehmens notwendiges Fachwissen aufbauen und auf welcher Grundlage sie Szenarioanalysen durchführen.

Banken können Auflagen nicht erfüllen

Bei der Umsetzung der Vorgaben war der Zeitplan so eng gesetzt, dass einige Unternehmen um Unterstützung gebeten haben. Die PRA fühlte sich allerdings nicht im Stande, „weitere Handlungsempfehlungen zu geben, bis durch Stresstests und die Zusammenarbeit mit CRF und NGFS Strategien entwickelt werden können“. Durch dieses Vorgehen entsteht der Eindruck, die PRA wolle vor allem demonstrieren, dass sie etwas unternimmt, obwohl sie sich der beschränkten Wirkung des Anpassens von Risikomodellen auf das globale Klima bewusst ist.

Um Anreize für die Finanzierung von Unternehmen mit hohem Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungs-Rating werden sie regulatorisch bevorzugt. Diese Änderungen werden sich auch auf die regulatorischen Risiko- und Kapitalgewichte auswirken, mit unvorhersehbaren Auswirkungen für den jetzigen Bestand an Assets.

Regulierungen mit ungewissen Konsequenzen

Indem Banken mit Papieren, Auflagen und Berichtsfristen überschwemmt werden, geht die Bank of England einen bürokratischen und für sie sehr bequemen Weg. Vermutlich werden andere Zentralbanken diesen komfortablen Weg ebenfalls beschreiten, was angesichts des begrenzten Wissen der involvierten Akteure ungewissen Folgen für das Finanzsystem hat.

Bild (zugeschnitten): Jonathan Ford/Unsplash

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