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Zentralbanken: Herausforderung Digitalwährungen

Seit Facebooks Ankündigung der Einführung der Digitalwährung Libra gibt es ein wachsendes mediales Interesse an digitalen Währungen seitens der Zentralbanken, welche um die Kontrolle über die Geldpresse bangen. Zentralbanken haben eine durchwachsene Erfolgsbilanz, alternative Zahlungstechnologien zu verstehen und Trends bezüglich ihrer Entwicklung zu antizipieren. Vor Facebooks Libra-Ankündigung zeigten sie sich gelassen, da aus ihrer Sicht eine massenhafte Nutzung von Bitcoin unwahrscheinlich war. Jerome Powell, Chef der Federal Reserve Bank, ließ kurz nach Facebooks Libra-Ankündigung bei einer Befragung im US-Kongress kein gutes Haar an der geplanten privaten Digitalwährung. Nichtsdestotrotz hat der Libra zweifelsohne die Forschung der Zentralbanken zu Digitalwährungen angeschoben.

Der Vorreiter kommt aus China

Auch die Ende 2019 veröffentlichte Ankündigung Chinas, bald (wir glauben noch in diesem Jahr) eine von der People’s Bank of China verwaltete Digitalwährung einführen zu wollen, bringt Bewegung in die Überlegungen westlicher Zentralbanken.

In China werden digitale Geldbörsen von großen Unternehmen wie Alipay und Wechat gemanagt. Diese Zahlungsweise erfreut sich so großer Beliebtheit, dass Barzahlungen fast nicht mehr verwendet werden und der Markt für digitale Zahlungen 5,7 Billionen US-Dollar umfasst. Angesichts des anhaltenden Handelsstreits zwischen den USA und China könnten westliche Zentralbanken befürchten, dass die Einführung einer chinesischen Digitalwährung den Handel mit "neuen Yuan" befeuern und die dominierende Rolle des US-Dollar als Leitwährung unterminieren könnte.

Große Zentralbanken mit digitalen Plänen

Der Umfang der Forschung zu digitalem Zentralbankgeld hat nun einen Punkt erreicht, an dem laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich "Zentralbanken, die ein Fünftel der Weltbevölkerung repräsentieren, sagen, dass sie wahrscheinlich in den nächsten Jahren das erste digitale Zentralbankgeld ausgeben werden."

66 Zentralbanken haben auf die inzwischen jährliche Umfrage der BIZ zu diesem Thema geantwortet. 40 Prozent von ihnen gaben an, sie seien von allgemeiner Forschung zu ersten Experimenten übergegangen. Aber was genau wollen sie launchen und wollen sie ernsthaft mit bestehenden Fiat-Währungen konkurrieren oder sie gar ersetzen?

Zunächst einmal stellt sich die Frage des Zugangs. Sollen digitale Zentralbankwährungen für Privatkunden oder nur für Geschäftsbanken zugänglich sein? Einige Forschungsprojekte zielen darauf ab, nur das Settlement zwischen Geschäftsbanken in den jeweiligen Gebieten der Zentralbanken zu verbessern. Die Settlement-Systeme sind alt, langsam und anfällig für menschliche Fehler. Sollten die derzeitigen Settlement-Systeme schlicht durch digitale Tokens ersetzt werden, wäre dies nur eine technologische Anpassung, welche die Öffentlichkeit außen vor ließe.

Die einzige Möglichkeit, mit den Plänen Chinas zu konkurrieren, wäre daher eine Form des digitalen Zentralbankgeldes, die für die breite Öffentlichkeit – einschließlich großer Unternehmen – zugänglich wäre. Dies wirft zwei weitere Fragen auf: Wird eine dezentrale Ledger-Technologie wie Blockchain (wie bei Libra geplant) zum Einsatz kommen? Und welche Rolle sollen die normalen Geschäftsbanken spielen?

Vertrauen zu Zentralbanken ungebrochen

Unserer Ansicht nach macht es für Zentralbanken wenig Sinn, die Technologie des dezentralen Ledgers in Betracht zu ziehen, da der Zweck digitalen Zentralbankgeldes gerade darin besteht, dass es zentral ausgegeben, verwaltet und kontrolliert wird. Zentralbanken genießen auch weiterhin großes Vertrauen in der Bevölkerung. Gemäß einer kürzlich vom in London ansässigen Thinktank OMFIF, der von Zentralbanken finanziert wird, durchgeführten Umfrage stehen Zentralbanken in puncto Vertrauenswürdigkeit an der Spitze, gefolgt von Zahlungsdienstleistern, Geschäftsbanken, Kreditkartenunternehmen und schließlich großen Technologieunternehmen. Es ist also verständlich, dass Facebook die Blockchain-Technologie in Betracht zieht, um dieses Vertrauensproblem auszugleichen.

Privatsphäre digitaler Zahlungsmittel

Eine andere Frage bezieht sich auf die Umsetzung des eventuellen digitalen Zentralbankgeldes. Hier besteht ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch von Privatkunden wie Einzelpersonen und Unternehmen nach dem Bankgeheimnis und dem potentiell permanenten digitalen Fußabdruck, den jedes digitale Zahlungssystem erzeugt. Dies bringt die Rolle der Geschäftsbanken wieder auf den Plan. Wenn die Zentralbanken als Vermittler fungieren, wessen Verbindlichkeit ist dann digitales Zentralbankgeld? Es scheint offensichtlich, dass Einheiten digitalen Zentralbankgelds Verbindlichkeiten der Zentralbank sein müssen und das schlussfolgern auch die meisten Untersuchungen dazu. Wenn dies der Fall ist, könnte die Spannung zwischen Privatsphäre und Digitalisierung durch einen Kompromiss aufgelöst werden: Die von Kunden bei Banken gehaltenen Bestände digitaler Zentralbankgeldeinheiten könnten zwischen Bargeld (vollkommene Privatsphäre) und Einlagen (umfangreiche Aufzeichnungen) rangieren.

Ein Großteil der Forschung kommt zu dem Schluss, dass eine Einführung von digitalem Zentralbankgeld nur Sinn ergibt, wenn die Währung von einer breiten Masse und ohne Ausübung von Zwang angenommen wird.

Bekommt das Bargeld Konkurrenz?

Dieser Punkt steht im Vordergrund der Überlegungen der BIZ in einem neuen Papier, das diesen Monat veröffentlicht wurde. Dort werden die Grundlagen der Gestaltung einer auf den Einzelhandel ausgerichteten digitalen Zentralbankwährung untersucht, die eine "bargeldähnliche Forderung gegenüber der Zentralbank" darstellt.

"Gegenwärtiges elektronisches Geld stellt eine Forderung an einen Vermittler dar, anstatt als digitales Äquivalent von Bargeld zu fungieren. Digitales Zentralbankgeld könnte möglicherweise eine bargeldähnliche Sicherheit für Peer-to-Peer-Zahlungen bieten. Gleichzeitig sollte es Bequemlichkeit, Belastbarkeit, Zugänglichkeit, Datenschutz und einfache Handhabung bei grenzüberschreitenden Zahlungen bieten“

Das Papier stellt ausdrücklich fest, dass es die "systemischen Implikationen" nicht berücksichtigt. Das systemische Risiko ist jedoch ausschlaggebend für die Antwort auf die Frage, ob Zentralbanken wirklich digitales Geld ausgeben wollen.

Hohe Erfolgschancen bei guter Durchführung

Eine Kernfrage lautet: Wie ernsthaft wird die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung von einer westlichen Zentralbank in Betracht gezogen? Zu den bisherigen Einwänden gehören Fragen nach der Möglichkeit der Zentralbanken, die Geldpolitik zu gestalten, Risiken für die Solvenz des Bankensystems sowie eine Reihe von technologischen Herausforderungen und Auswirkungen. Diese Fragen sind im gegenwärtigen Geld- und Bankgleichgewicht für die verschiedenen Teilnehmer unterschiedlich relevant.

Wenn eine gut konzipierte digitale Zentralbankwährung von einer einflussreichen Zentralbank mit guter Reputation auf den Weg gebracht wird, besteht die Möglichkeit, dass sich eine solche Währung schnell durchsetzt und populär wird. Dies würde eine Bedrohung für die Geschäftsbanken darstellen, deren Kunden wahrscheinlich von den herkömmlichen Bankeinlagen in die neue Einlageform wechseln würden, weil sie Zentralbankgeld darstellt. Solche Kunden würden vor dem Risiko eines Verlustes (oder eines Bail-Ins) im Falle einer Insolvenz der als Intermediär fungierenden Bank geschützt.

Dies würde auch eine Bedrohung für die herkömmliche Politik der Zentralbanken darstellen, da die Rolle der Zentralbanken als Verwalter eines stark gehebelten Bankensystems in Frage gestellt werden würde. Das System könnte instabil werden, wenn es zu einem erheblichen Abfluss von konventionellen Einlagen bei Geschäftsbanken käme, weil sie durch digitales Zentralbankgeld ersetzt werden. Die Geschäftsbanken könnten die Bestände des digitalen Zentralbankgeldes ihrer Kunden nicht wie deren jetzige Einlagen hebeln, da die Banken das neue Zentralbankgeld nur verwahren würden und es kein Kredit an sie wäre.

Bild (bearbeitet): Marius Masalar/Unsplash

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